EU ignoriert miese Ökobilanz:

Sieben Siegel für Agrosprit anerkannt

 

Biosprit hat nichts mit „Bio“ oder „Öko“ zu tun. Die mit der Vorsilbe verbundene positive Assoziation ist trügerisch und gefährlich, denn sie wird von Wirtschaft und Politik missbraucht, um der Bevölkerung  vorzutäuschen, mit Förderprogrammen zur Nutzung von Energiepflanzen das Klima schützen zu können. Auch der WWF spielt dabei eine unrühmliche Rolle. Nur so ist zu erklären, dass die EU Mitte Juli sieben Siegel von Zertifizierungssystemen globaler Konzer­ne als nachhaltig und umweltschonend anerkannt hat.

Diesen Erwartungen werden sie nämlich nicht gerecht: Es werden Soja, Palmöl, Mais, Zuckerrohr- und andere Energiepflanzen in Monokultur industriell angebaut, mit hohem Aufwand an Kunstdünger und Pestiziden.

Alleine das aus Kunstdünger entweichende Lachgas ist etwa 300x  so klimawirksam wie CO2!  Für diese Äcker und Plantagen werden riesige Flächen benötigt, die entweder der Lebensmittelproduktion fehlen oder der Natur entrissen werden. Mit verheerenden Folgen für die weltweite Biodiversität, d.h. die Vielfalt an Ökosystemen sowie Tier- und Pflanzenarten.

Zu den Konzernen mit Öko-Ritterschlag durch das ISCC-Label gehört „Wilmar International“ – nachweislich verantwortlich für die Vernichtung von Regenwald in Indonesien in großem Stil, der endlosen monotonen Palmölplantagen Platz machen musste. Ebenso arbeitet der Cargill-Konzern. Die Klimabilanz, also der ökologische Fußabdruck, wird durch fehlende Transparenz verschleiert, Prüfberichte bleiben unter Verschluss.

Soja-Produzenten hängen sich mit dem RTRS-Label ein grünes Mäntelchen um. Es wurde Anfang Juni zum ersten Mal ausgerechnet dem Maggikonzern verliehen, dessen riesige Sojafelder mitten im brasilianischen Urwald liegen. Gen-Soja ist kein Ausschlusskriterium, sondern Standard.

Ich zitiere aus den Recherchen der Organisation „Rettet den Regenwald e. V.“, die für zuverlässige,  sorgfältige Arbeit bekannt ist:

„Laboranalysen von Umweltschützern in neun EU-Ländern zeigen, dass der so genannte Biodiesel bereits aus bis zu 38 Prozent Palmöl und 28 Prozent Sojaöl besteht. Auch die von der EU in Auftrag gegebenen Expertenstudien und die internen Analysen der EU-Kommission ergeben längst, dass Ethanol und Agrardiesel alles andere als klimaneutral sind. Nach den internen Berechnungen der EU setzt Palmöl 105 Gramm CO2 pro Megajoule Energie frei, Soja 103 Gramm und Raps 95 Gramm. Fossiler Diesel dagegen nur 84 Gramm. Deshalb hält der verantwortliche EU-Energiekommissar Günther Oettinger die Studien zurück oder lässt sie umschreiben.“

Hohe Subventionen machen die Erzeugung von Agrosprit zu einem üppigen Geschäft für die beteiligten Konzerne. Zum Energiesparen ruft niemand die Bevölkerung auf, obwohl an vielen Stellen eingespart werden könnte. Verschwenden gehört zum Konzept des Wirtschaftswachstums. Daran zu rütteln traut sich kaum ein Politiker. So geht der Raubbau an den Lebensgrundlagen flott weiter, obwohl die erschütternden Folgen sich schon lange auf unserem Globus zeigen und zunehmen. Die Energiewende hin zu „nachwachsenden Rohstoffen“ wird bei Mensch und Tier wesentlich mehr Todesopfer und zerstörte Existenzen erzeugen, als es die Atomenergie vermag, denn Naturkatastrophen und Hunger sind unaufhaltsame Folgen dieser unbegreiflichen politischen Fehlplanung. Werden die Bürger das widerspruchslos hinnehmen?

Wir schließen uns den dringenden Forderungen von „Rettet den Regenwald“ an:

Karin Ulich

Quelle: „Rettet den Regenwald e.V.“ www.regenwald.org 

 

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