Tier & Mensch e.V.
Keine "Offene Tür" in Bestensee
Photo: E.Wendt
Ab 2007 in Deutschland verboten!
Der Besuch bei der „Landkost-Ei" Erzeugergemeinschaft (EZG) liegt hinter uns. Herr Dr. Pilz, Geschäftsführer der Firma, hatte uns zum „Tag der offenen Tür" eingeladen.
Endlich, so unsere Erwartung, können wir uns die berüchtigten Legebatterien, deren Insassen so viele normale Berliner mit dem morgendlichen Frühstücksei versorgen, einmal von ganz nah ansehen. Immer dem Führer nach, der die Besucher zu den Ställen lotst.
Da steht dann die junge Tierärztin und gibt bereitwillig Auskunft: In der Halle vor uns seien Legehennen (1m² für sieben Hühner sei gewährleistet). Der Blick durch ein Glasfenster lässt vermuten, dass der Platz in der großen Halle für die Tiere ausreicht. Durch fünf Ausgänge können sie sogar ins Freie gelangen. 20 bis 30 laufen draußen herum, scharren im Waldboden und lassen es sich beim Sandbaden gut gehen. Hühner in Bodenhaltung also, denen darüber hinaus Auslaufmöglichkeiten geboten werden. Wer hätte das gedacht! Auf Nachfrage wird erklärt, dass die vorhandene Fläche für eine Freilandhaltung nicht groß genug sei. Daher habe man sich entschlossen, diese eingeschränkte Freilandhaltung als Bodenhaltung zu deklarieren. Vielleicht - denke ich - finden die Käfighühner in diesem agrarindustriellen Unternehmen ebenfalls entsprechende Vergünstigungen vor? Das möchte ich unbedingt wissen.
Ich frage die Tierärztin, wo denn die Käfighühner zu finden sind. Ich sei allein wegen der Legehennen, die in dieser speziellen Haltungsform ihr Dasein fristen müssen, hergekommen. Man würde ja die grauenhaftesten Schilderungen lesen. Ich möchte mich einmal selbst vor Ort hierüber informieren. Der bisher sehr auskunftsfreudigen Tierärztin kommt mein Anliegen augenscheinlich ungelegen: „Die Käfighühner können wir Ihnen nicht zeigen.“ Auf mein überraschtes „Warum denn nicht?“ druckst sie herum: Hier sei etwas in der Organisation des heutigen Tages schief gelaufen. Sie könne nichts Näheres hierzu sagen – da nützt auch mein intensives Nachfragen nichts. Es ist eine peinliche Situation. Beim Weggehen merke ich noch an, dass es doch sehr merkwürdig sei, wie mit der Organisation eines solchen Tages „etwas schief laufen“ könne. Draußen betreibt ein weiterer Mitarbeiter Aufklärung: Wie angenehm es doch die Hennen in den – leider nicht zu besichtigenden – Käfigen hätten: Nicht Wind und Wetter ausgesetzt, ausreichend Futter und Wasser, dazu noch den Vorteil, sich in Gemeinschaft zu befinden. Auf Nachfrage, ob das „Gemeinschaftsargument“ nicht doch als etwas abstrus anzusehen sei, antwortet er mit der Gegenfrage, ob wir es nicht auch vorziehen würden, mit mehreren Personen in einer Wohnung zu leben, um nicht als Einzelgänger unser Dasein fristen zu müssen. Ich erwidere, wenn meine Wohnung 6 m² groß wäre, würde ich es auf jeden Fall vorziehen, diese Behausung allein zu bewohnen. Auf diesem Niveau geht es weiter: Alles peinlich und geradezu albern. Die Besucher aber scheinen ganz zufrieden. Dieses wäre sicherlich anders, wenn es ihnen ermöglicht worden wäre, einen Blick in die Käfighaltung werfen zu dürfen.
Manfred Schlüter (Sept.2001)
Bestensee liegt südlich von Berlin. Die Firma produziert sowohl Eier aus Käfigen als auch Eier aus Boden- und Freilandhaltung. (s. Massen-"Freiland"-Haltung)
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