Tier & Mensch e.V.

Blinde Hühner?

„Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn“. Vielleicht dachte die Philosophin Kirsten Schmidt von der Ruhr-Universität Bochum an dieses Sprichwort, als sie im Rahmen einer Doktorarbeit die fiktive Frage stellte, ob man nicht eine Art von Hühnern züchten sollte, die völlig blind auf die Welt kommen. Damit ließe sich vielleicht das lästige Federpicken in der Massentierhaltung einschränken, und die Tiere würden weniger leiden.

Die Doktorandin will untersuchen, wie das ethische Empfinden des Bürgers auf einen solchen Vorschlag reagiert. Die Mehrheit würde wahrscheinlich "intuitiv" einen solchen Vorschlag ablehnen. Das aber sei nicht genug. Es müssten gute rationelle Gründe gefunden werden. Denn "Bauchgefühl" und spontane Reaktionen seine keine Argumente und somit zur Rechtfertigung ethischer Positionen nicht geeignet.

Von Immanuel Kant ist der folgende Ausspruch überliefert: „Zwei Dinge sind es, die mich immer und immer wieder mit größter Bewunderung erfüllen: Der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gefühl in mir“.

Nun werden offensichtlich immer mehr Menschen geboren, denen von Anfang an jegliches moralisches Gefühl abgeht. Falls das genetisch bedingt sein sollte, wäre es nicht schwer, der menschlichen Spezies dieses Gefühl ganz und gar abzuzüchten. Andernfalls könnte Genmanipulation nachhelfen. Dann jedenfalls hätten es Wissenschaftler, Tierfabrikanten, Genbauern - und übrigens auch Politiker - sehr viel leichter. Es gäbe keine Spinner mehr.

Vor Jahrzehnten wurde im Zusammenhang mit der Atombombe mal der Begriff „Perversion des Denkens“ geprägt. Er lässt sich auf viele Denkvorgänge übertragen.

E.U
zurück