Tier & Mensch e.V.

Deutschland - der Metzger Europas

In keinem europäischen Land werden mehr Nutztiere gemästet und geschlachtet als in Deutschland. Obwohl wir in billigem Fleisch fast ersticken, es uns leisten können, Tausende von Tonnen Ekel- und Gammelfleisch wegzuschmeißen, ohne dass sich das auch nur auf den Preis auswirkt, werden immer mehr Schweine- und Hühnchenmastbetriebe beantragt - und natürlich auch genehmigt. Wozu das alles? Deutschland will Exportweltmeister in Fleisch werden. Die Nachfrage aus China und Russland steigt.

Warum gerade Deutschland? Wir sind in dieser Beziehung ein Billiglohnland, denn die meisten Arbeitskräfte (soweit überhaupt welche nötig sind bei der totalen Mechanisierung der Betriebe) sind Leiharbeiter aus Niedriglohnländern wie z.B. Rumänien und Bulgarien. Denn bei uns gibt es keinen Mindestlohn. Das führt sogar dazu, dass Dänemark und die Niederlande ihr gemästetes Vieh nach Deutschland bringen, nur um es hier schlachten zu lassen. Ein Riesenschlachthof bei Oldenburg, In dem täglich 12.000  Schweine „veredelt" werden, gehört bereits einem dänischen Fleischkonzern.

In Deutschland werden jährlich 60 Millionen Schweine geschlachtet, 25% davon durch den Obermetzger Tönnies (Schalke 04), der damit, im Gegensatz zu seinem Fußballclub, die Tabelle anführt. Es folgen die Firma Vion, ein niederländischer Konzern, und Westfleisch. Diese Drei also verwursten mehr als die Hälfte der Schweine. Ein großer Teil wird ausgeführt, vor allem nach China, als tiefgefrorene Fleischpakete. Durch den harten Konkurrenzkampf wird ein ungeheurer Preisdruck erzeugt, („Das Schlachten ist ein Centgeschäft"), und das wirkt sich natürlich auch auf die Arbeitsbedingungen aus. Amtlicherseits wurde festgestellt, dass durchschnittlich ein Prozent aller Schweine nicht richtig betäubt sind, wenn sie in die Brühanlage kommen. Deshalb hat sich die Firma Westfleisch die Aktion „Tierwohl" ausgedacht. Das bedeutet, dass mit Hilfe von speziellen Kameras der Schlachtvorgang besser beobachtet werden soll. (Dann ist es den Tieren wohler!) Das kostet natürlich Geld. Der Verbraucher zahlt dafür 10% mehr fürs Fleisch.

In der Hühnchenmast ist es fast noch schlimmer. Die Zahl der neu entstehenden Mastbetriebe ist kaum noch überschaubar. Und es gibt noch nicht genug. Europas größte Hühnchenschlachterei  Wietze wartet verzweifelt noch auf Kundschaft, denn die Kapazität von wöchentlich 2,6 Millionen Tieren ist noch längst nicht ausgelastet. (Zitat: „In rasender Geschwindigkeit werden die Tiere in ihren Transportkäfigen mit Gabelstaplern entladen, auf Fließbänder gehievt, durch zwei Gastunnel geschleust und betäubt, dann aufgehängt und am laufenden Band entblutet, gebrüht und ausgenommen"). Bisher kommen erst 100.000 täglich unters Messer. Denn zur großen Enttäuschung des Investors Rothkötter haben sich noch längst nicht genug Vertragsbauern bereit erklärt, einen Mastbetrieb mit 40.000 Hühnchen aufzubauen. 400 solcher Anlagen wären nötig, denn es werden 16 Millionen Hühnchen gebraucht. Vorläufig also holt man sich die Tiere zum Schlachten sogar aus Dänemark.

Quelle: Hannoversche Allgemeine

zurück