EHEC - Fragt nach den Wurzeln

EHEC scheint auf  Bockshornkleesamen aus Ägypten eingereist zu sein. Die Gesundheitsbehörden, Politiker und Medien dürfen sich damit aber nun nicht zufrieden geben und den Eindruck erwecken, mit dieser Erkenntnis sei die Ursache aufgedeckt! Denn wir kennen nicht die Quelle des Krankheitserregers: Es handelt sich nun mal um ein Darmbakterium, das offensichtlich aus einer Massentierhaltung stammt. Darauf weisen die Resistenzen dieses Escherichia-Coli-Keims gegen eine lange Liste unterschiedlicher Antibiotika hin. Diese Resistenzen können Bakterien nur beim intensiven Kontakt mit diesen Medikamenten erwerben. Das bedeutet, dass die Tiere, aus deren Därmen die EHEC-Erreger stammen, mehrfach mit verschiedenen Antibiotika behandelt worden sein müssen. Damit führt der Verdacht geradewegs in die „moderne“ Tier-Produktion, die leider in jedem Land der Welt Fuß gefasst hat, dank global agierender Konzerne. Die intensive Tierhaltung muss man genau unter die Lupe nehmen, wenn man in Zukunft vermeiden will, dass immer neue Lebensmittelvergiftungen oder Seuchen die Verbraucher das Fürchten lehren. Das Übel muss an der Wurzel gepackt werden! Ein Risikoherd sind Wiederkäuer, denn ihnen wird maximale „Leistung“ – Milch oder Fleisch – abverlangt, was sich nur realisieren lässt, indem große Mengen Getreide gefüttert werden. Doch je mehr Getreide sie fressen müssen, um die gewünschte schnelle Mastzunahme oder Milchmenge zu liefern, desto anfälliger sind sie für pathogene Darmkeime wie EHEC, und je mehr Tiere dicht gedrängt im Stall ohne Weidezugang gehalten werden, desto krankheitsanfälliger werden sie und benötigen häufige Antibiotika-Gaben. Das gilt auch für Schweine und Geflügel, die ebenfalls Träger sein können. Doch wie konnte EHEC auf oder in den Bockshornklee geraten? Am wahrscheinlichsten ist die Düngung von Feldern mit infizierter Gülle oder Trockendung aus intensiver Stallhaltung. Auch Menschen, die beruflich Kontakt mit infizierten Tieren haben, können Träger und Verbreiter der Infektion werden. Biobetriebe verwenden selten und nur im akuten Krankheitsfall Antibiotika.

Biobauern bevorzugen Weidehaltung und sorgen für gesunde Tiere. Bei Untersuchungen in Amerika wurde nachgewiesen, dass sich bei Rindern, bei deren Fütterung Getreide weggelassen und nur noch Heu und Gras gegeben wurde, das Magen-Darm­Milieu regenerierte, und vorhandene EHEC-Keime innerhalb weniger Tage drastisch zurückgingen.

Der im Frühsommer ausgebrochene EHEC-Typ ist nur einer zahlreicher gefährlichen Erreger aus der tückischen Truppe von Lebensmittelvergiftern, unter denen die antibiotikaresistenten Krankheitskeime die bedenklichsten sind. Ihnen kann eine hilflose Schulmedizin kaum noch wirksame Waffen entgegenhalten. Jedes Jahr infizieren sich in Deutschland Tausende von Menschen an Salmonellen, Campylobakter und anderen Bakterien und leiden schwer unter Magen-, Darm- und Kreislaufbeschwerden.

Die Dunkelziffer der Patienten ist sehr hoch, denn die meisten werden statistisch nicht erfasst. Viele Patienten sterben – von diesen Toten hört man jedoch selten.

Zahlreiche Krankheitserreger sind gegen mehrere Antibiotika resistent. Diese entstammen in der Regel Produkten aus Massentierhaltungen. Denn ohne Antibiotika ist eine Massentierhaltung mit Tausenden zusammengepferchten Puten, Masthühnern, Enten, Kaninchen, Rindern oder Schweinen kaum denkbar. Auch der multiresistente Staphylokokkus Aureus (MRSA), der in Krankenhäusern große Probleme bereitet, ist in Tierfabriken weit verbreitet (etwa 50 % der Mastschweine und 80% der Mitarbeiter in großen Stallhaltungen sind Träger!).

Warum aber sind die so genannten „Intensiven Stallhaltungen“ Brutkessel für Krankheitskeime, darunter gefährliche Zoonosen? Durch Überzüchtung werden die Tiere weit über ihre naturgegebenen Fähigkeiten überfordert, stehen zudem aufgrund von nicht artgerechter Haltung und Ernährung unter Dauerstress, leiden unter Entzündungen und Verletzungen, leben auf oder über ihrem Kot im Ammoniakdunst. Eine Infektion verbreitet sich unter diesen Umständen explosionsartig. Nirgendwo sonst sind die Bedingungen so günstig, um zu aggressiveren Formen zu mutieren.

Der EHEC-Ausbruch dieses Frühsommers muss als Teil dieses Gesamtproblems gesehen werden, auch wenn das Thema mit Hinweis auf ägyptische Bockshornkleesamen wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung getilgt wurde.                          K. Ulich                                            

 

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