Tier & Mensch e.V.
Eierverkäufern auf den Zahn gefühlt
Die Betrügereien (vornehm ausgedrückt: „Irreführungen“) im Eierverkauf sind so sprichwörtlich, dass kaum noch jemand davon spricht. Wie viele Milliarden Käfigeier von gutgläubigen Kunden als „Freilandeier“ gekauft wurden, lässt sich überhaupt nicht abschätzen.
Die bisher geltende Kennzeichnungsverordnung in der EU war so kompliziert, dass kaum einer sie kapierte. Das soll nun anders werden: Ab 1. Januar 2004 müssen auch Käfigeier gekennzeichnet werden, sogar im Loseverkauf. Das ist ganz wichtig, denn gerade auf Wochenmärkten und in kleineren Geschäften wurde am häufigsten betrogen.
Ein gutes Beispiel zeigt nachstehender Bericht.
Im Rahmen eines Projekttages führten 16 Schüler der Klassen 10 und 11 eines Gymnasiums im Berliner Bezirk Mitte eine Befragung bei 22 Eierverkäufern durch. Gefragt wurde nach lose angebotenen Eiern in Geschäften, an Marktständen und im Kaufhaus in der Preislage zwischen 30 und 40 Pf. Alle Eier waren ungestempelte Käfigeier.
Das Ergebnis war - leider - wie erwartet:
Wurde nach dem Packzettel gefragt, so war der nicht auffindbar oder nur zur Hälfte vorhanden. Ein Markthändler verwies auf ein selbstgeschriebenes Preisschild und sagte: „Das ist der Packzettel“. Auch war festzustellen, dass die Verkäufer ziemlich aggressiv und unhöflich wurden, sobald man genauer nachfragte.
Das Ergebnis wurde protokolliert und dem zuständigen Amtstierarzt übergeben. Im Verlauf der sehr interessanten Diskussion wurde deutlich, dass solche Vorfälle durchaus zu Anzeigen mit nachfolgendem Strafverfahren führen können. Der Beamte bedankte sich für die Aktion und sagte, dass er auf ähnliche Berichte geradezu warte. Er versprach, den Berichten nachzugehen und das Ergebnis später der Schule mitzuteilen.
Die Schüler gingen in die Großen Ferien in dem Bewusstsein, etwas Positives getan und einiges gelernt zu haben.
Ernst Ulich (Juli1998)
Anmerkung: Auch heute sind die Packzettel noch vorgeschrieben (s. „Vorsicht beim Eierkauf“)
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