Tier & Mensch e.V.
Entennest im dritten Stock
Als wir am 29. April 2005 vom Urlaub zurückkamen, erwartete uns eine nette Überraschung. Auf unserem Balkon lagen in einem Blumenkasten vier Enteneier! Wie konnte das geschehen? Wir wohnen im dritten Stock!
Am nächsten Morgen saß auf dem Balkongeländer plötzlich die dazugehörige Entenmutter. Sie inspizierte aufgeregt die Lage, und nach einer Viertelstunde setzte sie sich auf die Eier. Sie saß den ganzen Tag darauf, und abends flog sie wieder weg. Zuvor deckte sie die Eier sorgsam mit Federflaum zu.
Jeden Morgen saß sie wieder auf ihrem Nest. Mit der Zeit wurde sie zutraulicher, wir konnten sie füttern und später sogar streicheln.
In Erwartung der Entenküken, die ja nach ca. 4 Wochen schlüpfen sollten, stellten wir einen Behälter mit Wasser neben den Blumenkasten, damit sie dort hineinschlüpfen und nicht etwa hinunterfallen könnten.
So warteten wir Woche für Woche und wurden immer vertrauter mit unserem Gast. Am 28. Mai war es endlich so weit. Bei unserer Heimkehr aus dem Garten entdeckten wir 7 kleine Entenküken, die alle um die Wette wieselten. Wir hatten vorsorglich einen Korb bereitgestellt, um die ganze Familie sofort einzusammeln und ans Wasser zu bringen. Und es gelang uns wirklich, alle Kinder mit der Mutter wohlbehalten an einer seichten Stelle der Spree ins Wasser zu lassen. Alle Entlein schwammen sogleich mit der Mutter hinaus, nur das Kleinste zögerte noch und musste von der Mutter abgeholt werden.
Da es bereits dunkel wurde, konnten wir sie nicht mehr lange beobachten, aber wir hoffen, dass sie wohlauf sind und zu kräftigen Enten heranwachsen werden.
Das war für uns ein nettes abschließendes Urlaubserlebnis auf „Balkonien",
J. &M. Stude, Berlin
Anm.: Enten sind „Nestflüchter“, das heißt, die Jungen verlassen gleich nach dem Schlüpfen das Nest und suchen mit ihrer Mutter das nächstgelegene Gewässer auf. Sie können laufen und schwimmen, aber noch nicht fliegen. Daher ist es wesentlich, dass man ihnen auf diesem Weg hilft, wenn es für die Küken unmöglich ist, zu Fuß das Wasser sicher zu erreichen, z.B. auch dann, wenn eine stark befahrene Straße überquert werden muss. Auch wenn sie schon selbständig Nahrung aufnehmen, sind sie noch darauf angewiesen, dass die Mutter Futter sucht und es ihnen reicht Auch sind sie ohne ihren Schutz und ihre Wärme bei Nacht und schlechtem Wetter nicht überlebensfähig. Sie bleiben noch lange im Familienverband. Wir freuen uns sehr, Ihnen diese Geschichte präsentieren zu können, denn Familie Stude hat sich genau richtig verhalten, um den Tieren zu helfen!
Karin Ulich, August 05
zurück