Tier & Mensch e.V.

Froschregen

Froschregen Darauf haben sie gewartet: Auf den ersten Gewitterregen Mitte Juni! Schwimmschwanz abwerfen und Kiemen einschmelzen - und schon können die neuen vier Beinchen ausprobiert werden auf dem festen Land! Da hüpfen nun Tausende junger Erdkröten und Grasfrösche in die fremde, neue Welt. Sie müssen gucken, dass sie sich weithin verteilen. Unwirtliche Gegenden mit Pflaster, Asphalt, Beton, Sand oder gemähte Grasflächen müssen rasch überquert werden, denn die zarten Leiber trocknen schnell aus, und die fingernagelgroßen Fröschchen haben großen Hunger auf viel kleines Getier - viel kleiner noch als sie selbst sind. Ausreichend Nahrung finden sie in wuchernden Wiesen, dichtem Gestrüpp, verwunschenen, "unordentlichen" Gärten und in Wäldern mit dichtem Bodenbewuchs. Der Bewuchs muss vielseitig sein, nur dann gibt es auch eine abwechslungsreiche Insektenwelt. Am Weißensberger Weiher bei Lindau haben im März schon zahlreiche Helfer den Frosch-Eltern über die Straße geholfen, als sie zum Ablaichen, wie das Eierlegen genannt wird, zum Weiher wanderten (teils fünf Kilometer weit oder sogar mehr!). Nun soll auch verhindert werden, dass die Kleinen überfahren werden. Deshalb steht ein Amphibienzaun am Fußweg, der parallel zur Straße verläuft, und 8 bis 14 Tage lang sind jeden Morgen und Abend Menschen unterwegs, um die Winzlinge, die am Zaun sitzen, einzufangen und in Eimern über die Straße zu bringen. In manchen Jahren waren das insgesamt etwa 10.000 Tierchen, die über die Straße getragen wurden! Dabei beteiligen sich auch jedes Jahr einige Schulklassen, die dann gleich auch eine Naturkunde-Unterrichtsstunde erleben. Die Kinder wissen hinterher, wie ein froschfreundlicher Garten aussieht, auch, dass eine Erdkröte und ein Grasfrosch drei bis vier Jahre brauchen, bis sie erwachsen sind und zum ersten mal zum Geburtsweiher zurückkehren, um dort Hochzeit zu feiern. Und staunend erzählen die Schüler ihren Eltern, dass Erdkröten bis zu 30 Jahre alt werden können, wenn sie nicht überfahren oder gefressen werden. Oder gar verhungern müssen, wenn alles so öde und kahl ist in vielen Menschensiedlungen. Aber dagegen kann man ja was tun, sofern man einen eigenen Garten hat oder versucht, auf die Menschen einzuwirken, die über die Pflege von Straßen- und Wegränder, Böschungen oder Grünanlagen bestimmen. Da wird meistens viel zu viel gemäht.
Karin Ulich Juni 06
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