Tier & Mensch e.V.
Eine glückliche Schweinefamilie
Bei einem Ferienaufenthalt in Tirol entdeckte ich neben einem großen Stall ein umzäuntes Wiesengehege, in dem ein großes schwarzes Mutterschwein mit 14 Ferkeln herumpurzelte. Die waren erst drei Wochen alt, wie mir der Bauer berichtete. Sie liefen quietschvergnügt herum, schubsten und beschnupperten sich, die Ohren wippten rauf und runter und die Ringelschwänzchen wackelten hin und her. Wie kleine Kinder kullerten sie auf der Erde herum und bespritzten sich mit dem Wasser aus einer Pfütze. Zur Abwechslung legte sich das Mutterschwein in die Wasserlache und suhlte sich vergnüglich. Nicht genug der Schau, die Sau wühlte in der Erde, die sie auch fraß, und die Jungen machten es ihr nach. Ich erfuhr, dass die Tiere dadurch das notwendige Eisen und wichtige Mineralien aufnehmen.
Ein großer Misthaufen ergänzte den fröhlichen Anblick, und der Bauer demonstrierte, wie gut er sich mit der Sau verstand, indem er seinen Arm in ihren Rüssel legte, ohne dass sie zubiss. Er streichelte und drückte sie, und die Sau grunzte fröhlich. Ich konnte nur noch staunen und schaute dieser Vorstellung lange zu. Irgendwann musste der Bauer das Spektakel beenden. Er klatschte in die Hände, aber die lustige Schar wollte nicht in den Stall zurück. Da nahm der Bauer ein Ferkel in den Arm, das daraufhin furchtbar schrie. Die Mutter rannte dem Bauern nach, und somit verschwand die ganze Familie fluchtartig im Stall. Weg war der Zauber!
Anschließend entmistete Hans den Stall mit einer Schubkarre. Der Mist, so erfuhr ich, kommt auf ein Maisfeld, wo er einen halben Meter tief untergepflügt wird. Dann war er bereit, mir noch viel mehr zu erzählen:
Diese 14 Ferkel waren der vierte Wurf des schwarzen Mutterschweins, das von einem weißen Eber gedeckt wurde.
Der erste Wurf hatte fünf schwarze und drei weiße Ferkel.
Beim zweiten und 3. Wurf waren alle nur noch gefleckt.
Beim vierten Wurf waren alle weiß und nur noch kleine schwarze Flecken waren zu sehen.
Acht Würfe sind möglich, sagte der Bauer, allerdings hatte er schon erlebt, dass dann nur noch ein lebendes Tier das Licht der Welterblickte.
Für den nächsten Tag verabredete ich mich wieder mit dem Bauern, denn ich wollte die Tiere fotografieren. Er war so freundlich und nahm mich mit in den Stall, wo erst die größte Überraschung auf mich wartete. Ein weißes Mutterschwein mit 13 Ferkeln, die erst eine Woche alt waren, drängten sich um eine Rotlichtlampe. Diese Lampe ist vor allem nachts notwendig, damit kein Junges vom Muttertier erdrückt wird, und die Kleinen sich erwärmen.
Zwei sehr leichte Ferkel von 52 bzw. 54 Gramm Geburtsgewicht liefen herum. Hans mit seinem guten Herzen päppelte diese Winzlinge auf. Er ließ sie alle zwei Stunden bei der Mutter trinken, und so blieben sie am Leben. Zum Vergleich hob der Bauer ein Miniferkel und ein normales hoch (Normalgewicht bei der Geburt ist 1 1/2 Kg), und so konnte ich den großen Unterschied erkennen.
Einige der Kleinsten zwängten sich durch die Latten und liefen zwischen meine Beine hindurch. Gleich rief sie die Mutter zurück, dabei blieb eines mit dem Hinterteil zwischen den Latten stecken. Nachts bekommen die Ferkel einen halben Meter Stroh, und bis zum nächsten Morgen haben sie den Schmutz abgerubbelt und sind wieder ganz weiß.
Ich erfuhr dann noch, dass die männlichen Ferkel kastriert werden, da sie sonst den Ebergeruch annehmen. Das müssen die Kleinen ohne Betäubung durchhalten. Nach einer Viertelstunde trinken sie schon wieder an ihrer Mutter. Wenn die Jungen trinken, müssen sie sieben Minuten saugen, bis endlich die Milch kommt.
Leider muss der Bauer irgendwann seine Schweine schlachten, denn er ist auch Metzger. Er sagte mir, dass er drei Tage lang Bauchschmerzen hat, da es ihm schwer fällt, seine Schützlinge zu töten.
Das alles stimmte mich sehr nachdenklich und ich konnte auch noch einiges über die Massentierhaltung erfahren:
Ferkel mit Untergewicht werden erst gar nicht aufgezogen, man wirft sie einfach weg. Auch dürfen die Kleinen nicht herumtoben, sie werden mit Spritzen ruhig gestellt, damit sie schneller zunehmen. Zur Versorgung mit Mineralien und Eisen bekommen sie ebenfalls Spritzen, da sie nie mit der Erde in Berührung kommen. Sie werden nur mit Trockenfutter ernährt. Die Füße sind verkrümmt, da sie nur auf Spaltenböden stehen. Die Schwänze müssen kupiert werden, da sie sich diese aus Aggression gegenseitig abbeißen. Das Fleisch dieser Tiere ist wabbelig und von minderer Qualität. Hans muss wegschauen, wenn solche Tiertransporte für seine Metzgerei ankommen, so weh tut es ihm.
Fragt man uns Verbraucher, ob wir damit einverstanden sind? Nein! Alle, die diesen Bericht lesen, bitte ich mitzuhelfen, dass unsere Gesellschaft endlich aufwacht und nicht gedankenlos auf Kosten der Tiere, die uns anvertraut sind und sich nicht wehren können, billiges Fleisch produziert.
Mein Vorschlag wäre:
- Weniger Fleisch essen!
- Auf gesunde Ernährung achten!
- Fleisch aus artgerechter Tierhaltung kaufen!
Helga Salehi, Juli 04
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