Tier & Mensch e.V.
Bericht von der Grünen Woche 2007
Die Grüne Woche – ein Kunstwerk der Werbung und Propaganda*
Nur wer dabei war, kann abschätzen, wie wichtig unser kleiner Stand ist in diesem Mega-Zirkus der Tierfabrikanten und Agrarindustrie und ihrer Bundesgenossen. Zwar konnten wir nur einen Bruchteil der Messebesucher mit unseren Handzetteln, Infoblättern und Erklärungen erreichen, aber immerhin waren es einige Tausend. Ganz wichtig waren uns die Schulen. Neun Klassen konnten wir Tierschutz-Unterricht erteilen, hinzu kamen noch viele interessierte Schülergruppen oder Kinder mit oder ohne Eltern.
Unser Eindruck war, dass die Empörung über die unhaltbaren Zustände in den Folter-Tierfabriken deutlich zugenommen hat, besonders das Entsetzen über die neue Käfig-Verordnung für Legehennen, die den illegalen Qualkäfig noch weitere Jahre erlaubt und dann durch einen leicht modifizierten, ebenfalls tierquälerischen Käfig, „Klein-Voliere“ genannt, ersetzen soll.
Viele wollen unserem Aufruf folgen und an Landwirtschaftsminister Seehofer einen Protestbrief schreiben.
Auch die unangemessene Vogelgrippepolitik war immer wieder Thema. Verzweifelte Geflügelbesitzer berichteten über die Folgen der Stallpflicht, durch die ans Freiland gewöhnte Tiere so belastet waren, dass viele krank wurden oder starben, was zahllose Geflügelhalter zur Aufgabe zwang.

Unsere alljährliche Arbeit, die wir in einem starken Trupp von insgesamt fast 20 Tierschützern leisten, kommt uns vor wie ein schwaches Pusten gegen Kyrill, den unaufhaltsam wütenden Sturm. Dieser verzögerte sogar meine Fahrt nach Berlin um einen Tag - offenbar im Dienste einer eiskalten Lobby. Und doch: Wir haben nicht den Eindruck, dass unsere Arbeit ohne Wirkung bleibt. "Seit ich vor drei Jahren an Ihrem Stand über die Käfighaltung aufgeklärt wurde, habe ich nie wieder ein Käfigei gegessen", erzählte uns eine Frau.
Sogar die Deutsche Welle machte ein Interview über unsere Ziele - um es in die ganze Welt zu senden!

Karin Ulich
* Zitat: Ingolf Bossenz im ND
Einige unserer Handzettel:
Grüne Woche -- Graue Tatsachen
Wer glaubt, bei der Grünen Woche die „Leistungsschau der deutschen Landwirtschaft“ zu sehen, wird getäuscht. Die Wirklichkeit sieht anders aus! Die eigentliche „Leistung“, zumal in der Tierproduktion, wird nicht gezeigt. Denn sie besteht aus Massenproduktion, die zumeist in riesigen fensterlosen Fabrikhallen stattfindet, wo Tausende gequälter Nutztiere ihr erbärmliches Leben fristen.
Auch der „Erlebnisbauernhof“ ist nichts als Augenwischerei. Es gibt nur noch wenige bäuerliche Höfe, in denen artgerechte Tierhaltung betrieben wird.
Inzwischen merken die Verbraucher aber, dass die Skandale der vergangenen Monate und Jahre, nämlich Gammelfleisch, BSE, Vogelgrippe, Schweinepest, vor allem auf die unnatürliche intensive Landwirtschaft zurückzuführen ist. Die Nachfrage nach BIO-Erzeugnissen steigt. Deshalb empfehlen wir Ihnen dringend den Besuch der Biohalle Nr. 6. wo Sie sich über gesunde, auf natürliche Art erzeugte Nahrung informieren können.
Wir sagen Ihnen, wie es wirklich ist! An unserem Stand bei „Heim, Tier & Pflanze“ in Halle 1.2 halten wir zahlreiche Broschüren und Infozettel zur Massentierhaltung, Ökologie und Ernährung für Sie bereit. Das Material eignet sich auch besonders für Lehrer und Schüler. Kommen Sie zu unserem Stand Nr. 138, wir werden gern mit Ihnen diskutieren.
Übrigens: Wir kommen auch mit Vorträgen und Filmen zu diesem Thema in die Schulen.

Forderungen an den Landwirtschaftsminister
Herr Seehofer! Beschaffen Sie uns deutsche Bio-Produkte! Wir brauchen sie!
Holen Sie den Bio-Anbau vom Abstellgleis, wohin Sie ihn verschoben haben, und mästen Sie nicht länger die Agrar-lndustrie-Lobby mit Staatshilfe!
Konkret erwarten wir:
- Rückkehr zur lebenswichtigen staatliche Förderung für Biobauern!
- Rücknahme der Wiedereinführung der tierquälerischen Käfighennenhaltung und Schluss mit der unverschämten „Klein-Volieren"-Lüge!
- Keine neuen arbeitsplatzvernichtenden, tier- und umweltfeindlichen Fabriktierhallen! Gammelfleisch haben wir genug im Land!
- Keine Gesetze, die internationalen Gen-Konzernen unser Land öffnen! Damit werden die Bio-Landwirte und Imker vernichtet!
- Die Vogelgrippe-Politik darf nicht länger von Industrie-Interessen bestimmt werden. Massentierhaltungen sind Seuchenherde - Stallpflicht ruiniert sinnlos Freilandhaltungen und macht die Tiere krank.
Ihre Politik setzt unsere Gesundheit aufs Spiel!
Warum der Käfig noch immer hier steht
Seit Jahren zeigen wir diesen Originalkäfig, in dem die Legehennen ihr Leben lang ihr erbärmliches Dasein fristen müssen, ohne je laufen, scharren, flattern zu können. Auch ist es ihnen unmöglich, ihre Eier in ein Nest zu legen oder zum Schlafen auf der Stange zu sitzen. Eine grausame Form der Hühnerhaltung, die vor acht Jahren vom Bundesverfassungsgericht als Tierquälerei verurteilt und verboten wurde. Ab 2007 sollten nun endlich diese Batteriehaltungen in Deutschland abgeschafft werden. Aber die neue Bundesregierung, allen voran Landwirtschaftsminister Seehofer, hat auf Druck der Tierfabrikanten, die wahrscheinlich noch nicht genug verdient haben, die Frist um weitere 2 Jahre hinausgeschoben. Also müssen etwa 40 Millionen Hühner weiterhin leiden.
Wir Verbraucher aber haben es in der Hand, diese Quälerei zu beenden. Denn wer zwingt uns, Käfigeier zu kaufen?
Jedes Ei muss gekennzeichnet sein, der Stempel sagt uns, aus welcher Haltung die Eier kommen:
0 = Öko; 1 = Freiland; 2 = Bodenhaltung; 3 = Käfig
Also: Ei mit Drei kommt aus Quälerei


Bericht von der Grünen Woche 2006
Fotos: E.Wendt
Vielleicht ist es an der Zeit, unseren Freunden und Förderern einmal zu berichten, wie es bei der Grünen Woche zugeht. Wir hatten einen Stand bei „Heim,Tier & Pflanze“, wo Tausende von Besuchern vorbeiströmten. Die ergiebigste Zeit für uns waren die Vormittage Montag bis Freitag, weil dann viele Schulklassen mit ihren Lehrern die Messe besuchten, meist kamen die Schüler in Gruppen, teilweise mit Zetteln bewaffnet, weil sie bestimmte Aufgaben zu erfüllen hatten. Diese Gelegenheit ließen wir uns nicht entgehen, auf die Plakate am Stand hinzuweisen und unser Material zu verteilen. Wir haben auch die Namen und Adressen von ca. 150 Schulen notiert, mit denen wir später Verbindung aufnehmen werden.
Im Rahmen des Schülerprogramms, das die Messeleitung alljährlich anbietet, hatten wir zehn Oberschulklassen mit dem Vortrag „Massentierhaltung und deren Folgen“ zu Gast. Mehr als 200 Schülerinnen und Schüler nahmen daran teil.
Bei den Jüngsten machte vor allem das Tierschutzpuppenspiel unserer Tierschutzlehrerin Helga Salehi großen Eindruck, und wir konnten bereits mehrere Termine in Kindergärten vormerken.
Natürlich diskutierten wir nicht nur mit jungen Leuten. Noch immer erregte der Hühnerkäfig mit den vier ausgestopften Legehennen die Aufmerksamkeit der Besucher, und es überraschte uns, dass die Mehrzahl noch immer die Eierkennzeichnung nicht kennen, was vor allem im Loseverkauf so wichtig ist. Den Spruch: „Das Ei mit Drei von Quälerei“ mussten wir ständig hersagen.
Neben den altbewährten farbigen Infoblättern wurden auch die kleinen Handzettel, die wir in sehr großer Zahl nicht nur am Stand, sondern auch zeitweise vor den Eingängen zur Messe verteilten, gern angenommen. Es handelte sich dabei um die Texte „Billig-Fleisch“, „Ausgewogene Ernährung?“, „Wurst und Fußball“, „Grausam und ungerecht –Tierfabriken“ sowie die eindrucksvolle Grafik „90% der Pflanzennahrung gehen verloren“ mit entsprechender Erklärung.
Wir können nicht abschätzen, welchen Erfolg unsere Bemühungen haben oder was an Informationen hängen bleibt. Wird der Eine oder Andere seine Ernährungsweise ändern? Werden die Erkenntnisse nicht nur in den Köpfen, sondern auch in den Herzen ihren Niederschlag finden? Wir wissen, dass es im Tierschutz langsam vorwärts geht. Mehr ist nicht zu erwarten.
In diesem Sinne möchten wir uns bei unseren insgesamt 15 Helfern ganz herzlich bedanken.
E.Ulich Februar 06
Fotos: E.Wendt
PRESSEMITTEILUNG zur Grünen Woche 2006
Koalition opfert Tierschutz dem Gewinnstreben der Industrie
Die Agrarwende ist in Gefahr!
Billigwahn der Verbraucher macht´s möglich
Die Pläne des neuen Landwirtschaftsministers bezüglich der Nutztierhaltung lassen nichts Gutes erwarten. Die Erklärung, man wolle sich den EU-Mindestrichtlinien angleichen, ist scheinheilig, denn das würde in einigen Bereichen einen Rückschritt bedeuten (z.B. in der Geflügelhaltung), in andern zumindest eine Verzögerung. Man kann nicht warten, bis das letzte EU-Land die Bedingungen erfüllt, die unser Tierschutzgesetz schon seit langem fordert.
Der Verein „Tier & Mensch e.V.“ ist ein gemeinnütziger Tierschutzverein mit den Schwerpunkten „Massentierhaltung und ihre Auswirkungen auf Natur und Umwelt, Tier und Mensch".
Wir wenden uns vor allem an junge Menschen, gehen mit Filmen, Vorträgen und verschiedenen Materialien in Schulen, produzieren Infoblätter, Broschüren und Handzettel zu aktuellen Themen. Ferner geben wir regelmäßig Mitteilungshefte an Mitglieder und Freunde des Tierschutzes heraus. In unserer Homepage können Sie die wichtigsten Veröffentlichungen nachlesen: www.tumev.de.
Sie finden uns bei „Heim, Tier & Pflanze“ in Halle 1.2. am Stand 127. Dort geben wir Ihnen gern Auskunft oder beantworten Fragen. Es liegen auch Materialien für Sie bereit.
Im Rahmen der Grünen Woche bieten wir von Montag bis Freitag Vorträge für Schulklassen der Oberstufe nach Voranmeldung an.
Wir laden Sie ein, einem solchen Vortrag beizuwohnen. Nähere Auskünfte am Stand.
Ernst Ulich - Geschäftsführer
Flugblatt zur Grünen Woche 2006
Schülerinnen und Schüler!
Wenn Ihr gefragt würdet, ob Ihr durch Eure Ernährungsweise zum Hunger in der dritten Welt beitragt, wäret Ihr wahrscheinlich sehr erstaunt. Wieso denn das?
Die Graphik auf der Rückseite dieses Blattes erklärt, wie das gemeint ist: Der übermäßige Konsum von Fleisch nimmt den hungernden Menschen in Südamerika und Afrika die Pflanzennahrung weg. Denn wir füttern ja unsere Nutztiere mit wertvollem Getreide, mit Mais und Sojamehl. Dabei geht die meiste Nährenergie verloren. Sie geht als Gülle in den Boden und als Methangas und Ammoniak in die Luft. Dadurch wird unsere Umwelt gestört oder zerstört. Also: Je mehr Nutztiere wir halten, umso nachteiliger ist das für Mensch und Natur. Und je weniger Fleisch wir essen, umso mehr Getreide bleibt für die Ernährung übrig.
Also: Das Vieh der Reichen frisst das Brot der Armen. So lange die Rinder nur Gras und die Schweine nur Abfälle fressen, ist alles in Ordnung. Denn dann sind sie keine „Nahrungswettbewerber“ für den Menschen. Aber diese Zeiten sind schon längst vorbei. Unsere Nutztiere werden mit hochwertigem, eiweißhaltigen Getreide oder Sojamehl gefüttert, sonst „bringen sie keine Leistung“, wie der Tierfabrikant sagt. Diese „Leistungen“ aber - sei es bei Fleisch, Eiern, Milch - werden ständig hochgetrieben durch immer neue Züchtungen, immer raffiniertere Techniken, immer grausamere Haltungsmethoden. Das führt zu Überproduktion und damit zu Billigangeboten auf dem Lebensmittelmarkt. So kommt es, dass die Bewohner der Industriestaaten immer weniger Brot und Kartoffeln, dafür immer mehr Fleisch und Eier essen. Schuld daran ist die tierquälerische Massentierhaltung. Die Folgen sind allgemein bekannt: Die Übergewichtigkeit der Jugendlichen nimmt zu, der Gesundheitsstand nimmt ab. Natur und Umwelt werden geschädigt. Die Nutztiere werden maßlos gequält. Und die Bewohner der dritten Welt hungern. Und das alles angesichts stetig wachsender Weltbevölkerung!
Denkt daran, bevor Ihr den nächsten Big MAC esst!
Es gibt einen Videofilm, der dieses Problem sehr eindrucksvoll behandelt. Er kann bei uns ausgeliehen werden. Er heißt: „Fleisch frisst Menschen“.

Noch eins: Die Grüne Woche vermittelt nicht die wahre Situation der deutschen Landwirtschaft Das Meiste ist geschönt. Die wahre Leistung besteht, was die „Tierproduktion“ anbetrifft, in der Intensivhaltung, und die wird nicht gezeigt. Aus gutem Grund: Die Besucher würden nachdenklich werden.
Die Wirklichkeit sieht anders aus!
Handzettel zur Grünen Woche 2006
REGIERUNG PLANT NOCH MEHR TIERLEID
Die Mindeststandards der EU-Verordnungen zur Nutztierhaltung sollen 1:1 umgesetzt werden - gegenüber den jetzigen Richtlinien würde das für Deutschland einen Rückschritt bedeuten. Deutschland wäre damit das Schlusslicht der EU im Tierschutz. Das deutsche Tierschutzrecht würde mit Füßen getreten.
Die Regierung macht sich zum Handlanger der Agrarkonzerne!
Zum Beispiel:
- Verbot der Käfigbatterien für Legehennen soll unterwandert werden - unter dem Tarnnamen "Kleinvoliere"! Ein Widerspruch zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist nicht ausgeschlossen.
- Mastschweine von 110 kg sollen auf je 0,65 qm zusammengequetscht werden!
- 25 Masthühner vegetieren heute auf einem m² - es sollen noch zwei Hühner dazu kommen!

Verbesserung ist nicht geplant - selbst die längst abstimmungsreife Pelztierverordnung wurde verschoben.
Dem Biologischen Landbau wird die staatliche Unterstützung gekürzt - zugunsten der Agrarfabriken. Die Gentechnik in der Landwirtschaft soll massiv gefördert werden.
Sagt NEIN zum Tierleid, zur Vernichtung bäuerlicher Arbeitsplätze und zur Zerstörung unserer Umwelt!
Protestieren Sie bei: Landwirtschaftsminister
Herrn Horst Seehofer
Wilhelmstr. 54
10117 BERLIN
Fax: 030-2006-4262
E.Ulich im Gespräch mit Renate Künast(2005)
Tier & Mensch e.V. führt den Kampf fort, den die ehemalige Ministerin für eine gesunde Landwirtschaft und artgerechte Nutztierhaltung begann.
Einsame Rufer
Wie einsame Rufer in der Wüste kommen wir uns manchmal vor, wenn wir bei der Grünen Woche an unserem Infostand über die Tierquälerei in der Nutztierhaltung diskutieren. Wie überrascht sind viele Besucher, wenn sie hören müssen, dass sie selbst durch ihr Konsumverhalten am Elend der Schweine, Rinder, Puten mit schuldig sind. Viele wollen das gar nicht wissen, etliche aber informieren sich. Unsere besondere Hoffnung setzen wir auf die Jugend, denn da ist das Gefühl für Gerechtigkeit noch nicht von Gleichgültigkeit oder Resignation verdrängt.
Aber die Konkurrenz mit ihrer Schönfärberei ist übermächtig. Man lässt sich zu gern durch niedliche Tiere, hübsche Fotos, ansprechende Broschüren täuschen. Die wirkliche „Leistung der deutschen Landwirtschaft“ besteht in der ungesunden Massenproduktion von Pflanzen und Tieren, und die wird nicht gezeigt.
Auch die Kleinsten informieren sich über Tierschutz
Unsere Freunde von der AgfaN aus Hamburg
Schweine mit koupierten Schwänzen auf Spaltenböden

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