Tier & Mensch e.V.
Tiere und Kirche
Nachdem ich gerade eine Broschüre der heimischen Kirchengemeinde überflogen habe und danach das Programm des Kirchentages, fällt mir wieder einmal auf, dass Tiere keinen Platz in Gedankengängen der Kirche haben. Wir sind aus diesem Grunde schon lange aus der Kirche ausgetreten, obwohl wir an eine höhere Macht glauben. Aber man soll ja die Hoffung nicht aufgeben...
Tiere werden in jeder Sekunde des Tages millionenfach von Menschen, Christen, Anhängern des evangelischen Glaubens gequält. Nach meinem Dafürhalten gehört der Gedanke an die Tiere nicht nur in spezielle Gottesdienste und ähnliche Veranstaltungen. Er muss integraler Bestandteil jeglicher kirchlicher Äußerung werden. Tiere sind überall und sie leiden überall, sie gehören zu uns und zu dieser Erde wie die Luft oder das Wasser. Wann endlich werden sie selbstverständlich in die christliche Ethik einbezogen? Die Erwähnung und Beachtung der Tiere gehört in jede einzelne Formulierung wie: vom Schöpfer allen Lebens, Menschenfreundlichkeit, Menschlichkeit, Rassismus, unverwechselbare Geschöpfen Gottes, Freiheit, Verantwortung, Gottes Liebe, der Weg aus Krisen und Leiden, Gerechtigkeit und Frieden, die wachsenden Ungleichheit auf der Welt, Rücksicht gegenüber Schwächeren und viele andere bewegende Formulierungen.
Es gibt viel mehr Tiere als Menschen, nicht Tiere quälen uns sondern wir quälen Tiere. Nicht Tiere zerstören die Erde, das macht der Mensch. Nicht Tiere bringen Menschen um sondern Menschen bringen Menschen um. Es gibt kein Lebewesen, welches auf der Erde soviel Schaden anrichtet, soviel Leben vernichtet und soviel Qual verursacht wie der Mensch. Und die Tiere lieben uns immer noch, sie haben fatalerweise häufig immer noch Vertrauen zu uns.
Pausenlos müssten wir uns um die Tiere bemühen. Sie leiden viel mehr als der ärmste Mensch! Sie dürfen sich nicht einmal an ihren Glauben klammern, können keine Spirituals singen wie früher die Sklaven. Sie haben keine Hoffung auf Rettung, auf ein Ende des Schmerzes. Niemand spendet ihnen Trost, steht ihnen bei, wie es für viele totkranke oder anderweitig leidende Menschen üblich ist. Es ist kaum wieder gutzumachen, was Christen Tieren aus vielfältigen Motiven heraus antun. Welches ist der Unterschied zwischen Menschen und Tieren, weshalb man Menschen nicht quälen darf, Tiere aber doch? Die Kirche hat schon so oft zu Unrecht geschwiegen und oft haben Menschen Grausamkeiten in Gottes Namen verübt. Niemand ist wehrloser und unschuldiger als ein Tier. Doch von der Kirche hört man nichts, wenn es um die unfassbaren Ungerechtigkeiten und Brutalitäten gegen Tiere geht.
Bei meinen Diskussionen mit Jugendlichen treffe ich immer wieder auf deren Sehnsucht nach einer besseren Welt, nicht nach noch mehr Wachstum und Ellenbogenmentalität. Kindern und Jugendlichen sind Tiere wichtig. Sie haben ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und wollen nicht, dass sie gequält werden. Wenn die Kirche die Tiere weiter ausgrenzt wird sie viele sensible, engagierte junge Menschen, die sich für die hilflosesten Wesen die es gibt, einsetzen, verlieren.
Sollte Ihrerseits Interesse bestehen, sich der Problematik anzunehmen, bin ich gerne zu Hilfestellung bereit. Vorerst sehe ich Ihrer Stellungnahme erwartungsvoll entgegen.
Astrid Reinke, Gütersloh Mai 05

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