Leben mit Tieren

Tiere machen uns Spaß und bringen viel Freude ins Haus. Sie helfen dabei, Einsamkeit zu ertragen und Kummer zu überwinden. Sie können für verschlossene Menschen die Brücke zu ihren Mitmenschen sein. Auch als Lebensretter, Blindenführer und Therapeuten leisten sie wertvolle Dienste.
Tiere sind aber weder Spiel- noch Werkzeug, sondern sehr sensible, charaktervolle Persönlichkeiten mit speziellen Bedürfnissen, je nach Art. Ihnen müssen wir gerecht werden, um sie vor einer traurigen Existenz, getrennt von ihren Familien, in Einsamkeit, qualvoller Langeweile, Bewegungsarmut, Stress oder Stumpfsinn zu bewahren. Oder gar vor einem Käfig, der zur tödlichen Falle wird: schutzlos Hitze, Kälte oder mangelhafter Versorgung ausgeliefert, wenn Hygiene, Fütterung und Tränke falsch oder schlampig gehandhabt werden.
Tierfreund ist nicht, wer sich „tierlieb“ fühlt oder menschliche Bedürfnisse unbedacht auf Tiere überträgt! Auch schlechte Tierhaltung aus Unwissenheit ist Tierquälerei!
Horst Stern sagte (Zitat): „Wissen ist die einzige menschenwürdige Grundlage für ein Leben mit Tieren“
Wer Tiere hält, muss sich mit großem Einsatz fundierte Kenntnisse über die artgerechte Haltung aneignen. Das heißt, die Lebensweise ihrer wilden Vorfahren zu berücksichtigen, denn alte Instinkte bestimmen die Bedürfnisse unserer Haustiere.
Übernehmen wir fachkundig die Verantwortung für das Lebensumfeld und das Schicksal unserer Tierbegleiter, werden sie als glückliche Freunde in unserer Mitte ihr Leben genießen und uns bereichern.

Diese Kolumne soll dabei helfen: In vierundzwanzig Folgen lassen wir Tiere zu Wort kommen! Die Übertragung aus den verschiedenen Tiersprachen übernehme ich als Tierärztin gerne! Karin Ulich




Der Hund

Wenn ich träume, zucken meine Pfoten. Bewegung ist ein Drang, der unser Leben bestimmt, wie bei unseren Vorvätern, den Wölfen. Arme Hunde, die nicht wenigstens dreimal täglich mit ihren Menschen insgesamt mind. zwei Stunden laufen und spielen dürfen! Wenn ich nicht genug laufe, werde ich dick und krank – wie Menschen! Gebt auch meiner Gier auf zu reichliches, fettes Essen nicht nach und haltet stets Trinkwasser bereit, da wir Hunde Flüssigkeit beim Hecheln verlieren - unsere Art zu schwitzen.
Übrigens, leidenschaftlich gerne bearbeite ich ausgiebig meine Nahrung, kaue und zerre an Sehnen und Knochen, die ich auch eingrabe, um sie aufzubewahren.
Ich grabe leidenschaftlich gerne. So schaffe ich mir ein kühles Plätzchen im Sommer oder fange Wühlmäuse. Die darf ich doch jagen, wenn mir schon die Jagd nach Hasen und Rehen nicht gestattet ist?
Bringt uns unbedingt die wichtigsten Regeln bei, damit wir uns an Eure Menschenwelt anpassen können und nicht unser Leben lang an der Leine hin- und her gezogen werden. Wenn wir auf Pfiff oder Ruf zuverlässig kommen, bei Fuß gehen und uns setzen oder niederlegen, ist die Leine meist überflüssig. Dann können wir in Ruhe Geruchsbotschaften studieren und auf Ruf nacheilen. Wir lernen alles spielerisch mit viel Lob in der Hunde- und Welpenschule. Strafen und Gewalt sind verkehrte Erziehungsmethoden!
Wir sind Rudeltiere. Alleine sein ist gegen unsere Natur. Ihr Menschen seid uns lieb als Artgenossen-Ersatz, sofern wir draußen Hunde treffen dürfen. Lasst uns bitte nie alleine - höchstens als Ausnahme wenige Stunden, sonst sind wir unglücklich. Zwei Hunde gemeinsam ertragen es leichter.
Behaltet unsere Gesundheit im Blick (Zähne, Ohren, Augen, Verdauung, Fell und Krallen) - der Tierarzt hilft. Manche Rassen neigen sogar zu Züchtungsbedingten Krankheiten und sorgen für Kummer.
Ich möchte mein ganzes Hundeleben – bis zu 16 Jahren - bei Euch verbringen – bedenkt das, bevor Ihr mich in die Familie nehmt!
Buchtipp: „Hier kommt Schlingel“ von Susann Riesch



Die Katze

Wir Katzen wissen was wir wollen und entscheiden gerne selbst. Um unsere Bitten verstehen und befolgen zu können, achtet bitte auf unsere Sprache, das ist meist recht leicht.
Am wohlsten fühlen wir uns, wenn wir beliebig ins Freie gehen können. Als leidenschaftliche Jäger lieben wir es, stundenlang am Mauseloch zu lauern. Aber wir jagen auch alles, was sich bewegt, setzen nicht nur wirbelnden Blättern nach, sondern auch Vögeln und anderen kleinen Tieren. Das wird uns ziemlich übel genommen! Gerne pflegen wir auch unsere Kontakte zu Nachbarskatzen, denn Einzelgänger sind wir nun wirklich nicht.
Deshalb möchten wir Euch bitten, zwei Katzen-Geschwisterchen in Eure Familie zu nehmen. Wir kuscheln zusammen, pflegen uns gegenseitig und können wunderbar miteinander spielen. Es ist furchtbar, die ganze Familie zu verlieren und alleine zu Menschen zu kommen. Besonders, wenn Ihr uns nicht hinaus lassen könnt, z.B. weil wir den furchtbaren Straßentod erleiden würden. Ein hoher Kletter- und Kratzbaum zur Krallenpflege ist unbedingt nötig und Verstecke in der Wohnung, um sich in Ruhe zurückziehen zu können. Stört uns nicht beim Schlafen!
Wir hassen eine stille, bewegungslose, reizlose Umwelt. Wenn ich drinnen bleiben muss, brauche ich einen Katzen-Spielkameraden, aber auch Ihr sollt bitte oft mit rollenden, beweglichen Dingen „Jagen“ mit mir spielen.
Als Fleischfresser wollen wir nicht nur Fertigfutter bekommen, damit Nieren und Zähne gesund bleiben. Es gefällt uns nicht, doch es ist nötig, uns mit etwa einem halben Jahr kastrieren zu lassen, weil wir zweimal im Jahr jeweils etwa fünf Junge bekommen können – die meisten Katzen führen ein elendes Streunerleben. Der Tierarzt sollte uns regelmäßig untersuchen. Bitte bringt mich in einem geschlossenen Transportkorb hin, der gemütlich gepolstert ist und mir vertraut ist, weil er oft in der Wohnung für ein Nickerchen bereit steht. Das nimmt mir die Angst.
Wir Katzen können etwa 20 Jahre alt werden und wollen in Eurer Familie bleiben dürfen.
Buchtipp: „Mietz Mietz - na komm. Artgerechte Katzenhaltung in der Wohnung“ von Sabine Schroll



Kaninchen

Wir Stall- oder Zwerghasen sind eigentlich Kaninchen und stammen vom Wildkaninchen ab, das auch in Deutschland lebt. Deshalb vertragen wir den Winter gut, wenn wir uns vor Nässe und Kälte schützen können! Wir ziehen es vor, im Garten im Gehege zu leben. Wir brauchen ein Schutzhaus mit sauberem Heu und Stroh, Schattenbäume und genügend Verstecke, um uns sicher zu fühlen. Füchse, Hunde und Greifvögel sind hinter uns her, darum sichert das Gehege! Auch wenn Kinder uns jagen, empfinden wir Todesangst! Lockt uns doch mit leckerem Apfel oder einer Möhre, dann fassen wir gerne Vertrauen.
Wir Kaninchen sind hoch begabt. Wir graben umfangreiche Höhlensysteme mit unterirdischen Räumen und Gängen, in denen wir bei Gefahr blitzschnell verschwinden! Unser Bewegungsdrang ist enorm: Wir fetzen flink herum, springen, schlagen Haken oder kontrollieren aufgerichtet auf erhöhtem Ausguck das Umfeld. Dass wir ein Toiletteneck einrichten, zur Not ein Katzenklo nehmen, finden Menschen toll.
Auch wenn wir in der Wohnung leben, brauchen wir Gelegenheit zum Verstecken und Hochspringen und wollen täglich einige Stunden im Zimmer herumflitzen. Passt auf die Kabel auf – wir sind Nager! Die Käfige müssen sehr groß sein und sollten oft neu gestaltet werden. Denn Langeweile ist schrecklich.
Wir leben gesellig mit mindestens einem Artgenossen zusammen, sonst leiden wir. Männchen müssen mit spätestens vier Monaten vom Tierarzt kastriert werden, sonst würden sie sich gegenseitig schwer verletzen.
Wir brauchen stets gutes Heu zum Essen, dazu Gras, Kräuter, Gemüse. Getreide ist überflüssig! Für die Zahnpflege ist Nagen an Holz ständig notwendig. Gebt uns jeden Tag frische Zweige! Wegen der Zähne sollten wir regelmäßig dem Tierarzt vorgestellt werden. Kurzköpfige Zwergkaninchen sehen niedlich aus, haben aber oft mit dem Gebiss Probleme. Wiegt uns regelmäßig, damit ihr das rechtzeitig merkt - viele sind schon verhungert!
Buchtipp: „Artgerechte Haltung – ein Grundrecht auch für (Zwerg-)Kaninchen“ v. Ruth Morgenegg



Meerschweinchen

Wir Meerschweinchen leben nur im Rudel glücklich – am besten mit Verwandten. Einzelhaltung wäre für mich unerträglich – ich brauche unbedingt Meerschweinchen um mich, ein Kaninchen ist kein passender Lebensgefährte! Lasst die Männchen kastrieren – sonst werden wir schnell zu viele!
Unsere Verdauung verlangt, ständig Heu, frisches Grünzeug und Zweige zu futtern – wir brauchen stets einen Vorrat zumindest an Heu. Wir nagen, wie alle Nager, emsig an Holz – zur lebenswichtigen Pflege der ständig wachsenden Zähne. Bitte sorgt täglich für Sauberkeit in unserem Hauptaufenthaltsbereich und Schlafhaus, sonst könnten wir krank werden. Mit Klo-Ecken haben wir es nicht so – dazu setzen wir zu oft Kot und Harn ab.
Wir fühlen uns nur in Deckung, mit einem Ausguckplatz in der Nähe, sicher. Also brauchen wir mehrere Verstecke, die Ihr gerne verändern dürft – Abwechslung macht Spaß! In einem trockenen, isolierten, gut mit Heu und Stroh ausgestatteten Haus mit Schlafhäuschen ist der Winter meist kein Problem – den gibt es auch in unserer ursprünglichen Heimat, den Anden.
Am liebsten tummeln wir uns fröhlich und übermütig im hohen Gras oder Gestrüpp. Hier fühlen wir uns geborgen und so wohl, dass Ihr statt eines Zauns eigentlich bloß einen kahlen Grasstreifen rings um unsere Wildnis kurz halten müsst. Diese Reviergrenze werden wir kaum übertreten. Jedoch müssen wir viele Feinde fürchten, deshalb sind Zaun und Überdachung wichtig, solange Ihr nicht Wache haltet! Gejagt zu werden versetzt uns in Todesangst! Bitte, Kinder, hetzt und greift uns nicht!! Lockt uns mit Futter, beobachtet und sprecht viel mit uns, so werden wir Freunde.
Langeweile macht traurig und lustlos. Mit viel Platz und Abwechslung, z.B. täglich Holz und Kraut von draußen, sind wir vergnügt.
Wenn unsere Zähne nicht in Ordnung sind, nehmen wir ab. Bringt uns gleich zum Tierarzt! Wiegt uns alle zwei Wochen und schreibt das Gewicht auf!
„Artgerechte Haltung auch für Meerschweinchen“ Ruth Morgenegg ISBN 3-906581-23-3







Ratten

Passen wir wirklich zu Euch, so anspruchsvoll wie wir sind? Jede Ratte ist Individualist mit eigenem Charakter. Wenn wir gelangweilt im Käfig hocken, merkt Ihr gar nicht, wie intelligent und neugierig wir sind und wie vielseitig wir uns verhalten. Wir brauchen wirklich viel Platz und ein sehr abwechslungsreiches Lebensumfeld, und unbedingt die Gesellschaft von einigen Artgenossen, um ein gutes Leben zu führen, und das ist doch sicher in Eurem Interesse? Zusammen mit unseren Familienmitgliedern gehen wir begeistert auf Entdeckungstouren - es muss immer was Neues zu erkunden geben, sonst ist´s öde. Dafür müsst Ihr sorgen! Variiert unsere Erlebniswelt! Ein Käfig ist nichts als ein Knast – ein Straflager, sozusagen. Wenn wir frei laufen, müsst Ihr allerdings darauf aufpassen, dass wir keine Kabel zerbeißen! Wir nagen eben – auch an Möbeln. Wir klettern begeistert, sogar an rauen Wänden hoch, stöbern in Röhren und dunklen Winkeln, verarbeiten Papier und Stoffe zu gemütlichen Nestpolstern. Wir lieben Kletterbäume und –taue, Baumhäuser zum Hineinschlüpfen und Ausguckplattformen.
Obwohl wir äußerst umtriebig sind, brauchen wir alle paar Stunden unsere Ruhephasen, und Lärm können unsere feinen Ohren schon gar nicht ertragen. Wir sind Nager, brauchen also immer Zweige und Äste zum Benagen. Ihr wisst schon, die Zahnpflege. Wir nehmen gerne Kontakt mit Euch auf, bitte nehmt Euch geduldig jeden Tag viel Zeit, unser Vertrauen durch Locken mit Leckerbissen (Nuss, Samenstaude, Obst...) und Beobachten und Sprechen zu gewinnen, nach einiger Zeit klettern wir gerne an Euch herum.
Es ist schön, zahm zu sein, dann ist auch der Weg zum Tierarzt leichter.
Vergesst bloß nicht, alle Männchen rechtzeitig kastrieren zu lassen! Denn mit fünf bis sechs Wochen sind wir geschlechtsreif, und dann gibt es etwa 8 mal im Jahr jeweils etwa zehn Babys – das ist zu viel, was? Weitere wichtige Informationen: Buch "Meine Ratten" v. Brigitte Rauth Widmann und beim Verein der Rattenliebhaber und -halter in Deutschland e.V.




Mäuse

Wir sind, in aller Bescheidenheit, weitaus intelligenter, neugieriger, unternehmungslustiger als alle anderen Heimtiere. Wir sind Rudeltiere, die sich nur als Familie wohl fühlen. Weil wir aber schon mit knapp fünf Wochen geschlechtsreif sind und bis zu fünfzehn Mal im Jahr jeweils etwa sechs Junge bekommen, müssen die Männchen kastriert werden.
Eigentlich ist alles, was meine Freundin, die Ratte, erzählt hat, auch für uns sehr wichtig. Deshalb möchte ich darauf verweisen und einiges hinzufügen.
Meine Familie und ich haben ein nettes Heim: In einem großen mit Erde gefüllten Gras bewachsenen Plastikkübel steht ein Kletterbaum, der zahlreiche Plattformen, Hangelseile und Höhlen hat. Von dort haben wir Zugang zu einem Wohnregal, in dem frisches Wasser steht, sich ein eingestreutes Toiletteneck findet, ein Schlafhaus und immer wieder neue Holzteile oder Wurzelstrünke stehen. Wenn Ihr uns Papier oder Stoff gebt, richten wir es uns selbst ein. An der vielfältigen Nahrung schaffen wir gerne, knabbern auch Nüsse auf oder Sonnenblumenkerne aus dem Blütenteller oder andere Samen aus ihren Hülsen. Versteckt sie hier und da – wir suchen gerne! So bereitet ihr uns erfüllte mäusegerechte Stunden, damit es nicht zu lähmender, trostloser Langeweile kommt.
Die glatten Wände des Kübels und die glatte Wand, an der das Regal steht, hindern uns daran, auf eigene Faust das Zimmer zu erkunden, und das ist gut so, denn da lauern Gefahren. Eine Schwester von mir war z.B. mal ins Sofapolster gekrochen und wurde zerdrückt!
http://www.mausopolis.de/maeuse/haltung/r_m_streu.htm



Goldhamster

Unter den Haustieren bin ich wohl der einzige, der gerne alleine lebt.
Ich bin ein arbeitswütiger Nachtarbeiter, dafür verschlafe ich den Tag. Weckt mich bloß nicht!! Mich stört es nicht, wenn Ihr erst abends von der Arbeit kommt, denn den Tag zu verschlafen und der nächtliche Fleiß sitzt uns Goldhamstern im Blut, weil in unserer Ursprungsheimat, der Wüstensteppe Syriens, die Sonne zu heiß brennt. Da ist es sinnvoll, erst abends aus dem stets wohl temperierten Bau zu kommen. Jede Nacht laufen wir weite Wege, um genügend Grünpflanzen, Insekten und Sämereien zur Ernährung zu finden, mit denen wir in langen, kargen Monaten gut haushalten müssen. Als Transportbehälter haben wir Backentaschen, in denen wir Körner in den Bau tragen. Die Baukunst ist neben meinem enormen Lauftrieb meine zweite große Leidenschaft: Ich kann herrliche Gänge bis zweieinhalb Meter Tiefe mit kuscheliger Wohnhöhle und Speisekammer graben. Zudem bin ich ein begeisterter Klettermaxe! Tja, wenn uns die Möglichkeiten fehlen, unsere Talente auszuüben, packt uns der Frust. Dann kann es vorkommen, dass wir verzweifelt am Gitter nagen. Wir leiden sehr leicht unter Langeweile! Möbliert immer neu mit Kletter- und Unterschlupfmöglichkeiten unsere Unterkunft, stellt uns unbedingt ein Laufrad und für unsere Nagezähne Holz, ab und zu eine Nuss zur Verfügung. Gewährt uns auch täglich Ausgang – passt aber gut auf, dass uns nichts passiert! Versteckt unsere Körner an verschiedenen Orten, damit wir sie suchen können, denn ein Futternapf ist langweilig. Laufen, Klettern und etwa 80cm tief in Holzspänen oder Sand graben ist unser Lebenszweck! Auch zum putzen sitze ich gerne im Sand. Ein Gewächshaus wäre ein schöner Lebensraum, weil es darin trocken ist, denn Nässe und Zugluft schadet uns. Stört und drangsaliert mich nicht, ich beiß in meiner Not manchmal. Bitte geht nicht an meine Vorratskammer, sofern darin nichts verfaulen oder schimmeln kann. Ach ja, und bitte haltet meine Klo-Ecke sauber, vielen Dank!




Vögel

Menschen träumen vom freien Fliegen. Das tun auch die meisten Vögel in Menschenhand. Viel schlimmer, wir leiden unter dem unstillbaren Drang, unsere Flügel einzusetzen, denn dazu haben wir sie! Warum steckt Ihr uns in kleine Käfige, in denen wir nur von einer Stange zur anderen hopsen können? Es ist beklemmend, an der natürlichen Fortbewegung gehindert zu werden! Einzelhaltung ist für jede Vogelart eine Qual, die Einsamkeit unzumutbar!
Für alle Vögel in Gefangenschaft gilt: Entweder Ihr lasst uns ständig bei Euch in einem großen, hellen Zimmer, in dem alle Unfallgefahren ausgeschaltet sind, frei fliegen, auch wenn wir nicht stubenrein sind, überdies Pageienverwandte an Möbeln und Tapete knabbern, oder Ihr baut uns eine große, hohe Voliere, die mit Sträuchern, Seilen und Zweigen und Höhlen zum schlafen ausgestattet ist, dazu viel freien Luftraum zum Fliegen, vorzugsweise mit Zugangsmöglichkeit zu einer geräumigen Außenvoliere. Ihr müsst für Sauberkeit sorgen, damit sich keine Infektionskrankheiten entwickeln können! Kleine Arten, wie die freundlichen, munteren Prachtfinken, sind mit dem solcherart eingeschränkten Lebensraum bei Euch Menschen am ehesten zufrieden zu stellen. Dringend brauchen wir Artgenossen: Möglichst doch mindestens zwei Paare miteinander – das käme unseren sozialen Bedürfnissen entgegen, dann könnten wir uns je nach Art entfalten. Wir brauchen ein sauberes Trinkgefäß und eine Badewanne mit frischem Wasser für die tägliche Gefiederpflege. Achtung, wir spritzen gehörig um uns! Die weiteren Bedürfnisse variieren je nach Art, da müsst Ihr Euch genau informieren und unser Lebensumfeld entsprechend gestalten, bevor wir bei Euch einziehen. Entkommene exotische Heimvögel kommen in Freiheit meistens um. Gebt daher auf die Fenster und Türen Acht! Wir haben nicht gelernt, unser Futter selbst zu suchen, und wilde Vögel, die uns nicht kennen, setzen uns zu. Wenn unsere Artgenossen rufen, finden wir meistens nach Hause.



Wellensittich

Ich bin ein Wellensittich mit einem trostlosen Schicksal: Die Menschen wollen mich Sprechen lehren und halten mich ohne Artgenossen. Als Schwarmvogel vermisse ich sie schmerzlich. Spiegel und Plastikvogel sind kein Partner-Ersatz! Versteht Ihr, was für ein elendes, verlorenes Leben das für mich bedeutet? Guckt Euch im Film wilde Wellensittichschwärme in Australien an: So möchten wir leben, stets umgeben von munteren Artgenossen, die unsere Sprache sprechen. Dann fühlen wir uns geborgen und sind vergnügt. Das beflügelt uns, unsere Talente auszuleben und unsere Charaktere zu entwickeln. Wir Wellensittiche sind Papageienvögel und wollen uns viel beschäftigen, am liebsten mit dem Schnabel. Durch Schnäbeln pflegen wir uns gegenseitig und genießen diese Zärtlichkeit sehr. So versichern wir uns unsere Zuneigung immer auf´s Neue. Wie Nagetiere knabbern wir ausdauernd an Holz und arbeiten gerne am Futter, zum Beispiel an Grasrispen, Samenständen, frischen Zweigen, Salat und anderen Nahrungspflanzen.
Als Nomaden fliegen unsere freien Verwandten in großen Schwärmen von oft mehreren hundert Mitgliedern täglich etwa 25 km weit in den weiten Baum- und Graslandschaften unserer Heimat. Auch uns gezüchteten Wellensittichen liegt die Unternehmungslust im Blut. Ihr seht, wir brauchen sehr viel Platz und Beschäftigungsanreize, um glücklich zu leben. Wie für andere gehaltene Vögel gilt auch für uns: Ein großes Freiflugzimmer mit Zugang zu einer Außenvoliere – alles geräumig und vielseitig strukturiert würde unserem Drang nach Bewegung und Beschäftigung entgegenkommen. Weil auch wir krank werden können, müsst Ihr gut aufpassen, ob der Schnabel zu lang wächst, das Gefieder nicht mehr schön ist oder wir müde und lustlos herumsitzen oder Durchfall bekommen. Dann geht mit uns zum Tierarzt!
Tipp: Verein der Wellensittichfreunde Deutschland 50500 Köln, Postfach 160325 www.vwfd.de




Papageien

Es gibt viele Papageienarten auf der Welt, aber wir finden, dass außer dem Wellensittich keine in´s Haus gehört! Wir sind hochintelligent und verkümmern bei Euch oft in Stumpfsinn. Vor Langeweilefrust reißen wir Papageien uns oft die Federn aus. In der Natur leben wir in Schwärmen, fliegen leidenschaftlich gerne und klettern wendig in Bäumen – z.B. im Urwald. Wir können eigentlich sehr alt werden. Beim Fang und Transport kommen etwa 90% um´s Leben – auch seltene und geschützte Arten! Sie werden oft illegal nach Deutschland importiert. Es gibt aber auch Züchter in Deutschland. Durch Handaufzucht werden Papageien oft absichtlich auf den Menschen fehlgeprägt! Menschen sind jedoch unpassende, falsche „Artgenossen“ und enttäuschen unsere Papageien-Instinkte ständig. Oft fühlen wir uns verlassen und verzweifeln schier! Das Lebensumfeld ist nicht artgerecht. Dazu gehört das Kunstlicht der Wohnräume. Tagaktive Vögel sehen UV-Licht, das in Lampen meist fehlt. So ist die Orientierung nach Farben unmöglich, auf die wir instinktiv reagieren würden, z. B. beim Futter. Schlimmer noch: Wechselstrom löst in Leuchtstoffröhren Dauer-Flackern aus. Menschen sehen es nicht, Ihr seht zu langsam. Wir Vögel nehmen doppelt so viele Bewegungen wahr. Das unablässige Flackern macht uns wahnsinnig! Wir brauchen flackerfreie Lampen mit UV- Anteil, z.B. LED-Lampen.
Auf Stangen angebundene Papageien verbeugen sich häufig. Menschen finden es witzig. Sie wissen nicht, dass es Ansätze zum Abflug sind, die jedoch sogleich unterbrochen werden, da die Erfahrung gelehrt hat, dass man an der Kette baumelt, sobald man los fliegt. Ich Glücklicher bin ein frei lebender Alexandersittich aus dem Vorderen Orient. Von uns sind Schwärme in einigen deutschen Städten heimisch geworden. Beobachtet und sorgt für uns, aber haltet keine Papageien! Papageienfreunde, wollt Ihr Gutes tun? Unterstützt den Verein „Rettet den Regenwald e.V.“, der sich um die Bewahrung der natürlichen Heimat vieler Papageienarten einsetzt!




Die Fische

Es ist nicht leicht, im Wohnzimmer einen passenden Lebensraum für Wassertiere zu schaffen. Denn unsere Ansprüche an unser Lebensumfeld sind je nach Art sehr spezifisch. Ich bin ein Guppie und fühle mich in meinem kleinen Schwarm in einem 200-l-Aquarium wohl. Wir sind, im Gegensatz zu anderen Arten, relativ anpassungsfähig.
Doch viele Fische sterben nach kurzer Zeit, weil sie nicht richtig gehalten werden! Leider ist die Todesrate erschütternd hoch: Gerade mal drei Monate überleben Fische durchschnittlich in Aquarien, viele könnten jedoch mehr als 10 Jahre alt werden!
Kalt und gefühllos sind wir wirklich nicht. Wie die andern Haustiere haben wir je nach Art soziale Regeln, unsere Sprachen und empfinden Freude, Angst und Not. Es fällt Euch Menschen leider sehr schwer, unsere verschiedenen Bedürfnisse zu erkennen.
Wisst Ihr, ob das Wasser richtig beschaffen ist, das Fertigfutter schmeckt oder wir Abwechslung brauchten? Ist das Aquarium unseren jeweiligen Ansprüchen entsprechend bepflanzt und möbliert? Leiden wir unter Lärm oder der Art des Lichtes? Belastet uns Stress durch zu dichten Besatz und Vergesellschaftung mit anderen Fischarten, mit denen wir nicht harmonieren?
Viele Menschen verstehen uns und unsere Bedürfnisse nicht und haben kein Mitleid, wenn wir krank sind oder sterben - diese „Verbraucher“ kaufen immer wieder neue Fisch-Opfer – Wegwerfleben!
Am traurigsten ist das Schicksal solcher Fische, die in der Natur gefangen wurden. Die allermeisten sterben schon beim Transport. Aquarien mit Meeresfischen tragen zur Ausrottung vieler Arten bei. Die bunten Korallenbewohner werden oft mit Gift, u.a. Blausäure, betäubt und dann abgefischt! Wenn schon, dann solltet Ihr nur Zuchtfische aus Privathand zu Euch nehmen.
Wer sich nicht sehr genau über die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Fischarten informiert und mit einem guten Fachmann zusammen arbeitet, lasse lieber die Finger davon – ein Aquarium wird sonst schnell zum Kummerkasten, denen die Insassen hilflos ausgeliefert sind.




Exoten

Immer mehr Wildtiere aus fernen Ländern werden nach Europa geschafft und als Haustiere verkauft. Das gilt für Insekten, Spinnentiere, Reptilien (Echsen, Schlangen, Schildkröten) und Amphibien, doch auch andere exotische Tiere werden in Läden, auf Börsen oder im Internet angepriesen. Vielfach wird der natürliche Bestand der betroffenen Arten geplündert. Bei Fang und Transport kommen viele elendig um. Der Rest verkümmert oft bei nicht artgerechter Haltung. Zuchtfarmen in den Herkunftsländern gibt es zwar, sie haben aber oft wegen der Haltung viel zu großer Tierzahlen mit Infektionskrankheiten zu kämpfen. Es gibt zwar Tiere aus hiesigen Zuchten in Gefangenschaft, doch nur wenige Halter kennen sich so gut aus, dass sie gewährleisten können, dass alle angeborenen Bedürfnisse der Tiere ausreichend gedeckt werden – nicht einmal, wenn sie sich womöglich vermehren. Verheerend ist es, dass jeder sich exotische Tiere anschaffen kann, auch wenn er nicht über die nötige Fachkompetenz verfügt. Dabei hat jede Tierart ihre hoch spezifischen Anforderungen an Lichtqualität, Beleuchtungsrhythmus, Temperaturgestaltung, Luft- und Platzverhältnisse, soziale Kontakte, Pflanzen, Substrat, Mitlebewesen, Jahresrhythmus, Möglichkeiten zur Körperpflege. Ist menschliche Vergnügungssucht es wert, Tiere ihres natürlichen Lebensraums zu berauben? Ich finde, Wildtiere gehören nicht in Gefangenschaft. Ein Tierfreund sollte sie nicht zu sich holen, denn Leid, Krankheit und langsames, trauriges Dahinsiechen sind zu oft vorprogrammiert. Nur wenige Fachleute können artgerechte Wildtierhaltung gewährleisten. In Krankheitsfällen brauchen sie die Hilfe fachkundiger Tierärzte. Schaut Euch lieber die wunderbaren Naturfilme aus den fernen Ländern an – setzt Euch für den Schutz der verschiedenen Lebensräume ein, anstatt Tiere in ein Terrarium zu verbannen. Denn die Zerstörung vieler Biotope durch menschliche Aktivitäten ist die Hauptursache des rasch voranschreitenden Artensterbens. Z.B. 40% der Amphibien sind bedroht. Tipp: Arbeitsgemeinschaft Artenschutz e.V.: www.aga-international.de




Schildkröten

Unsere uralte Tierfamilie besteht seit über 200 Millionen Jahren fast unverändert.
Das individuelle Alter einer Schildkröte kann bei einigen Arten zwischen 100 und 200 Jahren liegen – da kommt Ihr Menschen nicht mit, was?
Es gibt rund 200 Arten Wasser- und Landschildkröten, die je nach ihrer Herkunft sehr unterschiedliche Ansprüche an Klima, Nahrung und das Lebensumfeld stellen.
Ich bin eine Griechische Landschildkröte. Wie alle Schildkröten brauche und liebe ich die Sonnenwärme, denn wir sind als Reptilien wechselwarme Tiere. Im Winter graben wir uns zum Winterschlaf ein. Winterschlaf ist für Arten aus Regionen mit wechselnden Jahreszeiten lebenswichtig, doch bedeutet er eine höchst komplizierte Stoffwechselumstellung. In Gefangenschaft wird dabei vieles falsch gemacht. Stimmen die Bedingungen nicht, wie vor allem bei einer Haltung im Haus, werden wir krankheitsanfällig und sterben.
Schildkröten nach Deutschland zu importieren ist mittlerweile verboten, da die Wildbestände durch den Fang so katastrophal zurückgingen, dass viele Arten vom Aussterben bedroht sind. In Menschenhand überlebten nur etwa 2% die ersten fünf Jahre – langsames Dahinvegetieren und Sterben ist also vorprogrammiert. Schildkröten sind keine geeigneten Haustiere und gehören in Expertenhand! Ich selbst lebe seit 35 Jahren frei in einem mehr als 1000 m² großen Garten in Berlin. Dort regnet es relativ wenig, der Boden ist gut wasserdurchlässig und ich finde genug Nahrung in diesem an Obst reichen naturnahen Garten. Zum Überwintern habe ich einen geeigneten Platz tief unter den Wurzeln einer alten Lärche gefunden, in lockerem, wasserdurchlässigem Humusboden.
Zeitweise wandere ich rastlos am Zaun hin und her. Auch als Einzelgänger brauche ich mal einen Partner! Es ist lächerlich, triebhaft ersatzweise auf Menschenfüße loszugehen! Meine türkische Heimat hatte mir einst alles Notwendige geboten: Ein riesiges Revier, lange, sonnige Sommer, die nötigen Rendezvous mit einem Partner. Da wäre ich am liebsten!




Tauben

Als Taube lebe ich frei und glücklich auf einem Bauernhof. Seit Jahren fliege ich meine Runden zusammen mit meiner Frau, der ich nie von der Seite gehe, gemeinsam im Schwarm mit 12 Artgenossen. Wir sind Glückspilze, denn wir haben alles, was wir zum Leben brauchen: Brutplätze auf dem Dachboden, die vom Bauern sauber gehalten werden. Manchmal legt er uns Gipseier ins Nest, damit wir nicht zu viele werden, sagt er. Wir Tauben sind sehr ortstreu – wir fliegen nicht weg. Ich weiß, dass es meinen Artgenossen oft nicht gut geht. Die Brieftauben, zum Beispiel, werden oft bei Wettflügen völlig überfordert. Indem Mütter von ihren Jungen oder Paare getrennt werden, zwingt man sie zu Höchstleistungen, wenn sie hunderte km von ihrem Zuhause fort gefahren und dann freigelassen werden. In der Regel kehren 10%, oft bis zu 50% nicht mehr heim, weil sie unterwegs verunglücken oder vor Erschöpfung stranden. Es geht um hohe Wetteinsätze, da spielt ein Taubenleben oder das Familienglück keine Rolle. Auch mit den Stadttauben möchte ich nicht tauschen. Es sind Nachfahren von gezüchteten Haustauben, also Brief- oder anderen Rassetauben, die auf die Hilfe der Menschen angewiesen sind. Wir sind auf hohe Vermehrung gezüchtet, daher brüten wir mehrmals jährlich – auch wenn nicht genügend Nahrung zur Verfügung steht. Hungrige Stadttauben sind schwächlich und krankheitsanfällig. Da helfen weder Fütterungsverbote noch Vergrämungsstacheln, sondern kontrollierte Taubentürme oder Dachböden, in denen gefüttert und gereinigt wird und die Eier gegen Gipseier vertauscht werden. Mehr erfahrt Ihr bei der Arbeitsgruppe Tauben des Verbandes Menschen für Tierrechte, www.tierrechte.de/themen/stadttauben/2-praxis-dvd-zum-stadttaubenkonzept




Hühner

Darf ich mich vorstellen? Ich bin ein Hahn, ein Gockelhahn.
Meine Arbeit besteht darin, frühmorgens zu krähen, stets auf meine Damen acht zu geben und sie vor Feinden zu warnen. Besonders Fuchs und Habicht trachten uns nach dem Leben. Wenn ich gutes Futter finde, rufe ich die Hennen und zerteile ihnen größere Brocken, mein Appetit ist mir weniger wichtig. Die Hennen sind viel friedlicher, wenn ich dabei bin. Etwa mit 6 bis 20 Frauen bin ich glücklich. Da wir einer alten Rasse angehören und keine überzüchteten Hybridhühner sind, ist unsere Gesundheit robust. Uns sind auch nicht die Schnäbel gekürzt, denn das ist Tierquälerei. Die wird bei unseren armen Artgenossen in Massenhaltung praktiziert.
Wir stellen uns unseren Lebensraum so vor: Viel bewachsene Fläche mit Schutzbäumen,
-sträuchern oder –dächern, damit wir jederzeit einen Unterschlupf finden. Wir ernähren uns von Körnern, Gras und Kräutern und brauchen tierisches Eiweiß, daher suchen scharrend nach Engerlingen und Regenwürmern oder rennen fliegenden Insekten hinterher. Es ist für uns ein Vergnügen, Nahrung zu zerlegen und daran zu zupfen. Wir pflegen unser Gefieder im trockenen Sandbad und brauchen ein Haus mit verborgenen Nestern, Einstreu zum Scharren für Schlecht-Wetter-Tage und Sitzstangen zum Schlafen. Haltet das Haus immer sauber und verschließt nachts immer die Tür, sonst fressen uns Fuchs oder Marder.
Wir freuen uns, wenn Ihr eine Gruppe von uns zu Euch nehmt und belohnen Euch dafür mit Eiern, von denen wir weit mehr legen, als wir ausbrüten können. Wenn Ihr uns mit Futter lockt, gewinnen wir Vertrauen und werden gute Freunde. Auch wenn wir völlig frei laufen, bleiben wir bei Euch, sofern wir Futter und Trinken und unseren Stall mit Nest haben. Doch wenn es Füchse gibt, sollten ein Hund, Gänse oder Perlhühner mit auf uns aufpassen! Sonst bleiben wir lieber in einem mit Elektrodraht gesicherten großen Gehege. Bitte geht mit uns zum Tierarzt, wenn wir krank sind, denn dann leiden wir. Er hilft bestimmt! Buchtipp: „Der Geflügelhof“ von Ute Rhein




Vögel am Haus

Einige Vogelarten ziehen freiwillig in die Nähe der Menschen. Ins Haus kommen sie selten, lassen sich aber gerne durch Fütterung auf dem Balkon oder der Terrasse über den Winter retten. Einige Arten richten unter dem Dach, in Mauernischen, auf dem Balkon oder an begrünten Wänden ihren Schlaf- oder gar Nistplatz ein. Die bekanntesten Mitbewohner sind die lebhaften Haussperlinge, die sich in kleinen Hohlräumen unter den Dächern ihre Nester bauen. Früher freuten sich auch viele Land- und Stadtbewohner über die nun selten gewordenen liebenswerten Mehlschwalben, die an rauem Putz kunstvolle Lehmnester befestigen. Seid stolz und froh, wenn diese Glücksbringer Euer Haus auserwählen! Der Kot lässt sich mit kleinen Brettchen unter den Nestern auffangen. In Balkonkästen oder Blumenampeln nisten bisweilen zur freudigen Überraschung der menschlichen Bewohner Amseln, Grünfinken oder sogar Stockenten. Oft verlieren sie ihre Scheu, wenn man sich ruhig auf dem Balkon verhält, manch eine brütende Amsel nimmt sogar dankbar eine Rosine vom Löffel, den Mensch ihr vor den Schnabel hält. Feingefühl ist das A und O, denn nicht jedes Wildtier entwickelt so viel Vertrauen. Mit Geduld, zuverlässiger Regelmäßigkeit und leckeren Erdnusskernen können selbst wilde Kohl- und Blaumeisen zu vertrauensvollen täglichen Gästen werden, die sich eventuell schließlich auf die Hand setzen. Die freiwillige Freundschaft wildlebender Tiere zu einem Menschen ist Quell großen Glücks! Es ist ein wunderbares Hobby, sich über die Bedürfnisse der Gartenvögel zu informieren und ihnen den Lebensraum je nach Art optimal zu gestalten. Dazu gehören Nistkästen für Höhlenbrüter wie Meisen und Stare, oder Halbhöhlen für Rotschwänzchen. Fensterscheiben sind eine tödliche Gefahr, wenn sie spiegeln oder freien Durchflug vortäuschen. Mit UV-Stiften („Birdpen“) oder UV-reflektierendes Vogelschutzglas („Ornilux“) kann man sie für Vögel kenntlich machen. Tipps: www.lbv.de und www.nabu.de. Buch: „Vogelschutz Praxis“ von Norbert Jorek



Igel

Tagsüber schlafe ich, daher merkt mancher Mensch nicht, dass ich mein mit viel Laub gepolstertes Nest unter seinem Holzlager eingerichtet habe und nachts durch seinen Garten pirsche. Wir Igel sind offenbar sehr beliebt: wer uns entdeckt, freut sich. Und wir stehen unter Eurem besonderen Schutz – dem Naturschutz. Also denke ich, dass Ihr uns gerne einige Wünsche erfüllt! Als „Insektenfresser“ brauchen wir naturnahe Gärten mit einheimischen Blumen, Sträuchern, Laubbäumen, möglichst auch Wildpflanzen und einem Stück Blumenwiese. Denn in aufgeräumten Gärten mit exotischen Pflanzen gibt es kaum Nahrung. Setzt in Euren Gärten kein Gift ein, sonst leiden wir unter den Folgen! Wir fressen doch viele Insekten, die Ihr als schädlich empfindet. Beachtet Ihr folgendes, dann ist Gift überflüssig: Jeder Garten hat sein eigenes Milieu, was Bodenqualität, Klima und Feuchtigkeit anbelangt. Da jede Pflanzenart bestimmte Ansprüche hat, muss man herausfinden, welche gut in den jeweiligen Garten passen. Die gedeihen prächtig mit wenig Pflegeaufwand ganz von selbst.
Lasst unter Sträuchern und Bäumen das Laub liegen, darunter wühlen wir erfolgreich nach Nahrung. Ist es verrottet, dient es den Gehölzen als Nahrung – ein wunderbarer Kreislauf!
Bereitet uns einen „Lebenshaufen“ aus Ästen, Zweigen und Laub, den Ihr immer mal ergänzt, aber nie wegräumt. Hier beziehen wir gerne Quartier, für den Tages- und den Winterschlaf, zusammen mit den netten Erdkröten und Molchen, aber auch Asseln und vielen anderen Insekten, die uns als Speise dienen. Auch ein Komposthaufen ist ein tolles Wirtshaus!
Zäune müssen uns durchlassen. Unser Revier ist größer als ein Garten, zudem müssen wir Kontakt zu unserem Partner aufnehmen und als Jungigel auf Wanderschaft gehen können. Nun wisst Ihr, wie ein Igel-Wellness-Paradies beschaffen ist! Hilflosen Baby-Igeln im Herbst kann man helfen. Rat gibt´s beim Tierheimen oder Igelschutz-Verein.
Und bitte passt gut auf: Überfahrt uns nicht, wenn ihr abends mit dem Auto unterwegs seid!





Pferde

Wir sind Herdentiere und leiden, wenn wir ohne Artgenossen leben müssen. Unsere Freundschafts-, Familien- oder Herdenbindung ist fester, als Ihr Euch vorstellen könnt. Trennung bedeutet großen Schmerz! Wir Stuten, zum Beispiel, bleiben am liebsten mit unseren Kindern mindestens zwei Jahre zusammen, um ihnen alles Wichtige beizubringen.
Weil wir viel frische Luft und Bewegung brauchen, ist es wichtig, in einem offenen Stall mit freiem Zugang zu einem Auslaufplatz beziehungsweise Weide zu leben. Wir wollen und müssen viel rennen - dazu brauchen wir Platz und einen täglichen Ausritt!
Unsere natürliche Hauptnahrung sind Gras und Heu, gerne lassen wir uns mit einer Möhre oder einem Apfel verwöhnen. Kriegen wir statt des Raufutters in erster Linie Pellets oder Getreide, bekommen wir leicht schmerzhafte Magengeschwüre – viele von uns leiden darunter, besonders die armen Artgenossen, die nicht täglich auf der Weide grasen oder als Sportpferde Höchstleistungen bringen müssen. Der große Stress tut dem Magen gar nicht gut! Viele Pferde haben überdies chronische Entzündungen in den Gelenken und an den Sehnen der Beine, weil sie überfordert werden. Menschlicher Ehrgeiz auf unsere Kosten ist nicht fair, oder?
Wir Pferde erschrecken leicht und rennen weg, weil wir Fluchttiere sind. Kümmert Euch viel und liebevoll um uns und pflegt uns gut, dann werden wir sehr zutraulich und gute Freunde. Lauftiere, die wir nun mal sind, brauchen gesunde Hufe und Beine. Achtet sorgfältig darauf! Regelmäßige Untersuchung vom Hufschmied und Tierarzt sollte selbstverständlich sein.

Wer nicht reiten kann, ist eine große Plage für das Pferd. Es nötig, reiten zu lernen. In einer guten Reitschule werden Pferde nicht geschlagen, kranke Pferde (die z.B. husten oder lahmen) nicht geritten und Grobheit wird strikt abgelehnt. Verschont uns vom Viehhändler, wenn wir alt oder krank sind. Ansonsten müssten wir wahrscheinlich den Leidensweg in ein italienisches Schlachthaus antreten - als Dank für unsere Treue?



Kleine Wiederkäuer, Lamas

Als Ziege bin ich gesellig, neugierig und von ungebremster Unternehmungslust. Zufrieden bin ich nur zusammen mit Artgenossen, Zu anderen Tierarten auf Eurem Hof verhalte ich mich freundlich. Langeweile macht mich grantig. Die Heimat unserer wilden Vorfahren sind trockene, karge Gebirge Asiens. Wir klettern für unser Leben gern, auf krumme Bäume, Klettergestelle, Steinhaufen, niedrige Dächer... Beim Essen sind wir genügsam und nicht wählerisch: Wir mögen Heu, Gras, Kräuter, machen vor Gehölzen nicht halt und finden selbst Brombeergestrüpp appetitlich. Ziegen und Schafen nennt man „Kleine Wiederkäuer“. Gemeinsam ist uns das Leben in der Herde, wobei Schafe sich weniger mit anderen Tierarten zusammenschließen und daher nicht nur zu zweit, sondern mindestens zu viert gehalten werden sollten. Ziegen und Schafe leben in vielen verschiedenen Rassen auf der ganzen Welt. Wir benötigen viel Platz und Wechselweiden – je nach Weidequalität ca. 3000 m² für 2 Tiere – und unbedingt einen stets zugänglichen festen oder fahrbaren eingestreuten Wetterschutzstall. Wir Ziegen freuen uns über tägliches Kämmen, Schafe müssen mindestens 1x jährlich geschoren werden. Klauenpflege ist äußerst wichtig! Auf feuchten, weichen Böden neigen wir zu schweren Klauenkrankheiten – zieht den Tierarzt hinzu, wenn Probleme auftreten! Bedenkt auch die rechtlichen Vorschriften für „Nutztiere“, den Zeitaufwand für unsere Pflege und Versorgung. Die Bedürfnisse der Lamas entsprechen denen von uns Kleinen Wiederkäuern. Sie sind ruhige, sanftmütige Kamelverwandte, die ebenfalls keinesfalls ohne Artgenossen gehalten werden dürfen. Ihr Bewegungsbedürfnis ist sehr groß, als Andenbewohner lieben sie Berge oder brauchen mindestens einen Hügel, um die Umgebung überblicken zu können. Als „Distanztiere“ legen sie keinen großen Wert auf Liebkosungen. Jungtieren dürfen keinesfalls durch zu engen Kontakt auf Menschen fehl geprägt werden, die Folgen wären gefährliche Missverständnisse!





Tiere beobachten

Da es oft unmöglich ist, Heimtiere artgerecht zu halten, möchte ich auf eine faszinierende Alternative hinweisen: Es leben so viele Tiere, die meist unbemerkt und so unbekannt wie Außerirdische oft in unserer unmittelbaren Nähe leben, quasi mit uns zusammen. Da sind am Haus und im Garten Vögel, Igel, Amphibien und Eidechsen, Marder, Siebenschläfer, Insekten, Spinnen, Schnecken und viele andere. Kein Tier tut uns was, alle sind friedliche Mitbewohner. Sich mit dieser nahen fernen Welt vertraut zu machen, ist ein faszinierendes Hobby. Wir dürfen die Tiere jedoch weder stören noch fangen.
Grundvoraussetzung ist die Freude am geduldigen Beobachten. Fernglas, Lupe, Bestimmungsbücher und das Interesse, sich über Bücher, Internet und Naturschutzvereine Wissen anzueignen kommen hinzu. Spannendes erzählen einem auch Spuren: Nicht nur Fußspuren, sondern auch Nahrungsreste, Kot und Spuren von Arbeit, z.B. gegrabene Löcher, warten auf eine Erklärung. Geht zu jeder Jahreszeit, auch im Dunklen, raus! Geräusche und Stimmen verraten, wer nachts aktiv ist. Im Hochsommer schweben womöglich Leuchtkäfer im Gebüsch, spazieren Igel oder Erdkröte über die Terrasse.
Die Natur zu beobachten ist keine passive Beschäftigung: Schnell ist der Hobby-Naturforscher mit Feuereifer dabei, den Garten-Lebensraum für die freien, wilden Bewohner zu verbessern oder zu einer Heimat für Tierarten umzugestalten, die bisher nie oder nur selten gekommen waren. Ja, die Tiere kommen von selbst! Wildtiere woanders zu fangen und in den eigenen Garten zu verbringen, ist in der Regel Unsinn, meist passt der Garten als Lebensraum nicht. Je vielfältiger der Garten strukturiert ist, desto reicher ist seine Naturvielfalt ganz von selbst. Der Igel hat schon wichtige Gestaltungshinweise gegeben. Zu empfehlen ist auch ein naturnaher Gartenteich als besondere Lebenswelt, eine sonnige Steinmauer für Eidechsen und Wärme liebende Insekten, begrünte Hauswände, Nisthilfen.
Tipp: „Werkbuch Naturschutz“ Herausgeb. Gunther Steinbach




Bienen

Ihr seht mich auf duftenden Apfelblüten sitzen, mit meinem Rüssel Nektar saugen und gelben Blütenstaub in die Taschen meiner Hinterbeine stopfen. Wisst Ihr, dass wir Bienen zu den vier wichtigsten Nutztierarten gehören? Das liegt weniger am Honig als der Blütenbestäubung an Obstgehölzen! Uns sind etwa 80% der Ernte zu verdanken! Ein Bienenstock kann nur gedeihen, wenn während des gesamten Frühlings und Sommers viele Blumen blühen, damit wir nicht mit Zuckerlösung gefüttert werden müssen, die weit weniger gesund ist, als Nektar. Jeder kann durch die Aussaat von Bienenblumen helfen. In der Landwirtschaft und in Gärten und sogar im Blumenkasten auf dem Balkon können heimische Wildblumen oder Sonnenblumenstreifen gesät werden! Auch kleine Blumen in Ritzen von gepflasterter Wegen und Flächen sind für uns kostbar! „Unkraut“ ist für uns teilweise lebenswichtig!
Biolandbau ist für unser Wohlbefinden wichtig. Pestizide, Herbizide, und Antibiotika im Obstbau schaden uns, selbst Blüten enthalten Gift, deren Saatgut mit Neo-Nikotinoiden gebeizt wurde, wie bei Mais und Raps üblich. Wir sterben oder werden krankheitsanfällig.
Jeder Interessierte kann bei einem erfahrenen Imker das Halten und Pflegen von Bienen lernen. Es geht selbst mitten in der Stadt sehr erfolgreich. Hier ist die Natur oft intakter als auf dem Land. Voraussetzung ist das Nahrungsangebot im Umkreis von drei km – weiter zu fliegen wird mühsam. Unser Sozialgefüge ist hoch entwickelt. Bis auf unsere Königin, die nichts tut, als Eier zu legen – etwa 2000 an jedem Sommertag - führen wir im Laufe unseres Arbeiterin-Lebens mehrere Berufe aus: Als Ammen, die für die Brut sorgen, als Putzfrauen, Wächterinnen und natürlich Nektarsammlerinnen. Die Drohnen (Männer) sterben gleich nach der Begattung einer Königin. Ihr Spermavorrat reicht drei Jahre.
Wir kommunizieren durch Gerüche und unsere berühmten Tänze, mit denen wir den Schwestern beschreiben, wo es gerade Nektar zu holen gibt. Buchtipp: „Ökologisch Imkern“ v. Claudia Bentzien



Aufzucht von Wildtieren

Manchmal sitzt plötzlich ein hilfloses junges Wildtier vor uns. Da stellt sich die Frage: Wartet es auf seine Mutter, die es vorübergehend alleine gelassen hat? Dann heißt es, schnell weg gehen! Oder braucht es unsere Hilfe? Entscheidet man sich für die Aufzucht eines Vogels oder Säugetieres, übernimmt man viel Verantwortung und erlebt bewegende und spannende Zeiten. Die meisten Tiere lassen sich großziehen, wenn man die Bedürfnisse des betreffenden Jungtiers kennt. Die Pflege ist oft sehr zeitintensiv, da der Stoffwechsel schnell ist, also muss häufig gefüttert werden. Ein kuscheliges Nest, Wärme und der enge Kontakt zum Pflegenden sind neben der richtigen Nahrung weitere Voraussetzungen. Die nächste Frage betrifft die soziale Bindung: Wird der Gast durch die Aufzucht auf den Menschen geprägt und erkennt seine Artgenossen nicht mehr als Partner, oder weiß das Tier instinktiv, wer die Artgenossen sind? Im Idealfall übernehmen erfahrene Leute, die bestenfalls gleichzeitig Artgenossen versorgen, die Pflege. Da ein Wildtier später sein Leben in Freiheit verbringen soll, stellt sich schließlich die Frage, ob ich ihm beibringen kann, sich in der Natur selbst zu versorgen, ansonsten verhungert der Zögling draußen. Einem Uhu kann zum Beispiel nur ein Artgenosse die Jagd beibringen! Auf jeden Fall sollte man Tiere möglichst dort auswildern, wo sie gefunden wurden. Manche Tiere bleiben weiterhin lange Freunde, wenn sie selbstständig leben: Der Iltis, den die Katzenmutter adoptiert hatte und der auch später zutraulich wie eine Katze ein und ausging, der Spatz oder die Meise, die immer wieder auf der Fensterbank saßen, die Krähe, die stets in der Nähe der Menschen blieb. Will man ein Jungtier aufziehen, verbietet es sich, drauf los zu experimentieren. Der Rat kundiger Personen ist unentbehrlich, durch einen Tierarztbesuch und Nachfragen im Naturschutz- oder Tierschutzverein. Das Internet bietet zusätzlich wertvolle Hilfe. Buchtipp: „Tierfindlinge“ v. Jürgen Plass





Frettchen

Schon vor rund 2500 Jahren hat man den Iltis als Ratten- und Schlangenjäger in westlichen Mittelmeerländern gehalten und gezüchtet – dabei entwickelten wir Frettchen uns. Wir sind etwas kleiner und als Albinos heller als die wilden Iltisse, ansonsten gleichen wir ihnen. Wir gehören zu den Mardern und sind Jäger. Unser Vorratsdenken ist angeboren, daher können wir nicht anders, als erst einmal alle verfügbaren Beutetiere zu töten, bevor wir sie nach Möglichkeit fortschaffen. Das wird bei unseren wilden Verwandten oft als „Blutrausch“ missverstanden, wenn alle Hühner im Stall tot aufgefunden werden. Dass Kaninchen flüchten, wenn wir in ihren Bau eindringen, machen sich Jäger zunutze, die sie mit unserer Hilfe aus dem Bau scheuchen, um sie dann zu töten.
Eigentlich ist der Iltis nachtaktiv, wir passen uns aber dem Tagesrhythmus der Menschen an, wenn wir mit ihnen leben.
Wenn Ihr ruhig und verständig mit uns umgeht, können wir uns als Jungtiere gut an Euch Menschen gewöhnen und vertrauensvoll und freundschaftlich mit Euch leben, auch mit Euren Haustieren! Dann sind wir mitunter gute Ammen, denn wir adoptieren liebevoll deren Jungtiere, sogar Ratten und Mäuse! Doch überfallt uns in seltenen Fällen eine unerklärliche Beißlust gegen Säuglinge! Ein Leben im Käfig ist viel zu eintönig, Freigang, wie er vielen Katzen gewährt werden kann, schätzen auch wir sehr, doch lauern draußen viele Gefahren. Ein Kompromiss wäre ein großer, vielseitig strukturierter Käfig im Freien mit einigen Stunden täglich zusammen mit Euch im Haus. Hier könnten Euch unsere Stinkdrüsen zu schaffen machen, wenn wir Stress haben. Als Einzelgänger dulden und wünschen wir den Gatten nur in der Paarungszeit, sonst kommt unser Hormonsystem leicht aus dem Gleichgewicht.
Übrigens leben unsere wilden Vorfahren gerne freiwillig in Eurer Nähe, sofern wir genügend Beute finden. Oft merkt Ihr das gar nicht! Wir wohnen z.B. auf Dachböden, in verschiedenen Hohlräumen, selbst gegrabenen Höhlen oder denen anderer Tiere.



Nachwort der klugen Ratte

So verschieden die Lebensbedürfnisse sind – eins verbindet Mensch und Tier mehr, als die meisten Menschen denken: Wir alle sind beherrscht von derselben Gefühlswelt! Alle Gefühle, z.B. Glück, Übermut, Liebe, Zufriedenheit, aber auch Durst, Trauer, Einsamkeit, Angst, Wut und Schmerz spüren wir so tief wie Ihr. Damit Ihr wisst, unter welchen Umständen wir uns bei Euch wohl fühlen, müsst Ihr sehr viel lernen, bevor Ihr Tiere zu Euch nehmt. Sonst sind wir Eurer Willkür hilflos ausgeliefert. Studiert als Grundlage Lebensweise und Bedürfnisse der wild lebenden Vorfahren der jeweiligen Tierart, denn unser angeborenes Verhalten hat sich auch nach vielen Haustiergenerationen nicht geändert. Gute Bücher, Vereine und Fachleute können Euch helfen. Doch seid skeptisch bei Haltungsempfehlungen, die uns unakzeptabel einschränken! Klärt alle wichtigen Fragen im Vorfeld, bevor Ihr Euch für Tiere entscheidet: Die meisten Haustierarten leben viele Jahre, und die Tiere, die eine enge Bindung zu ihren Menschen haben - besonders Hunde! - möchten bis zum Tod bei ihren Menschen bleiben. Wer sorgt für uns, wenn Euch die Reiselust packt, Ihr uns aber nicht mitnehmen könnt? Werdet Ihr stets die Versorgungs- und Tierarztkosten tragen können? Pflegt und liebt Ihr uns noch, wenn wir alt werden und mehr Unterstützung und Hilfe brauchen? Gesellige Tiere brauchen auch nach dem Tod des Partners wieder einen etwa gleich alten Artgenossen, vielleicht einen ebenfalls durch den Tod des Partners einsam gewordenen Kameraden. Vorsicht! Es passt nicht immer, denn jedes von uns Tieren hat seine Persönlichkeit. Wenn wir uns nicht vertragen, dann sucht bitte einen anderen Partner, sonst leben wir womöglich im Dauerstreit. Verhindert unsere Fortpflanzung, wenn gute Plätze für die Jungtiere nicht garantiert sind!
Setzt nie Haustiere aus – das ist Tierquälerei und endet meist tödlich. Auch Exoten dürfen nicht in der Natur ausgesetzt werden – es kann verhängnisvolle Folgen für heimische Wildtiere haben.

Denkt an die berühmte goldene Regel: „Was Du nicht willst, das man Dir tu´, das füg´ auch keinem anderen zu“!


 
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