Tier & Mensch e.V.

Die Lindauer Tierschutz-Jugendgruppe:
(a) Die Mädchen und Jungen unserer Gruppe sind zwischen 9 und 14 Jahre alt. Neben zahlreichen Hobbys, zu denen Sport, Musizieren und auch das Interesse an verschiedenen Schulfächern gehört, möchten alle dazu beitragen, dass Tiere weniger leiden müssen. Anna formulierte ihren Wunsch so: "Wir wollen Tieren die Freiheit geben, damit sie schöner leben können!"
Am liebsten würden sie das ganz direkt ermöglichen, wissen aber, dass nur über Aufklärung der Mitmenschen in größerem Umfang dem Ziel näher zu kommen ist. Deshalb sind sie dabei, an die Politiker, die an den Koalitionsverhandlungen beteiligt sind, einen Brief zu schreiben und zu malen, damit der Tierschutz als politisches Ziel nicht vergessen wird.
Der Ausflug zur Greifvogel-Pflegestation
(a) Sehr beeindruckend war der Ausflug zur Greifvogelpflegestation am Sonntag, den 25. September: Herr Leitner und seine Frau erwarteten uns, um bereitwillig auf unsere Fragen über die Vogelstation zu antworten. Wir waren erstaunt, wie viele Waldkäuze, Uhus, Turmfalken, Bussarde und viele andere Vögel hier eine Heimat gefunden haben. Sie werden hier solange versorgt, bis sie wieder so fit sind, dass sie sich in der freien Natur selbst ernähren können. Einige bleiben jedoch auf Dauer in den großen Volieren, da sie nicht mehr fliegen oder jagen können.
Die Flug-Übungshalle war für uns besonders faszinierend: Dicht an die Wand gedrückt standen wir da, während Eulen und Falken an unserer Nase vorbei in der langen Scheune hin und her flogen. Die meisten Eulen schwebten völlig geräuschlos und elegant, doch dem Baumfalken merkten wir an, dass es ihm Mühe bereitete, den Kurs zu halten. Beeindruckend war die Toleranz, mit der viele Vögel friedlich miteinander lebten, die in der freien Natur niemals zusammen anzutreffen sind.
Wir waren von der ungeheuren Arbeitsleistung, die das Ehepaar Leitner täglich vollbringt begeistert. Denn das A und O einer erfolgreichen Vogelpflege sind Sauberkeit und Hygiene, die täglich viele Stunden Arbeit erfordern.
In der Intensivstation faszinierten am meisten das neugierige Frettchen und die drei Buntspechte, die aus Langeweile ihre Holzkästen schon weitgehend zerhackt hatten. Für unser Tombola-Geld wird ihnen eine große Voliere aus verzinktem Stahl gebaut. Die Gitter standen schon bereit! Da Hansi, der Schwan, sich nun doch für die Freiheit des Bodenseeufers entschieden hat, beschlossen die Kinder, als Ersatzpaten die Spechte zu übernehmen. Die beiden anderen Patenvögel, Attila, der Steppenadler und Bubi, der verwaiste Uhu, dem niemand das Jagen beibringen konnte, leben weiterhin in ihren großen Volieren, die Uhus zusammen mit Artgenossen, der Falke zusammen mit Bussarden und anderen Falken.

Bei den Außengehegen gibt es auch eine Voliere für Wasservögel mit Teich, die von einem jungen Schwan, Ente, Graureiher und Graugans bewohnt wird.

Bei der Fütterung war die Hilfe der Kinder gefragt: Für die Wasservögel und die Kaninchen (die eines Tages im Karton von irgendjemand vor dem Tor abgestellt auf ihr weiteres Schicksal warteten) musste in der Wiese Gras geschnitten und mit der Karre herbeigefahren werden. Bei der Arbeit in der Wiese entdeckten die Kinder eine Eidechse und einen Frosch. Auch ein Bussard
zeigte sichkreisend und beobachtete schließlich unser Treiben von einem Baum aus. Er wurde vor einigen Jahren bei Herrn Leitner gesund gepflegt und lebt nun in der Region. Wenn er auf seiner Jagd nicht satt wird, kommt er zur Station und läßt sich dort versorgen. Aber was fressen die Greifvögel? Von einem Brutbetrieb werden alle paar Wochen tote Eintagsküken angeliefert. Der Anblick der kleinen Küken, die bereits am ersten Lebenstag getötet wurden, weil sie Männchen sind und weder Eier legen noch als Masthähnchen gefragt sind (weil sie, wie die Legehennen, mager bleiben), erschütterte die Kinder. Die Küken werden in einer großen Tiefkühltruhe aufbewahrt und vor dem Verfüttern aufgetaut. Die Eulen und Uhus holen sich ihre Nahrung erst nachts, die Falken und Bussarde warteten, bis wir außer Sicht waren. Anschließend bekamen die Wasservögel als Leckerei kleine Krebschen, die sie sofort gierig aus den Wasserbecken schlabberten.

Zwischendrin machten wir unsere Brotzeit an hübsch gedeckten Tischen unter lauschigen Bäumen. An jedem Platz lagen hübsche Federn, die Leitners für die Kinder gesammelt hatten. Die durften sie mitnehmen, als Erinnerung an einen eindrucksvollen Ausflug, den sie gerne einmal wieder machen möchten.
Karin Ulich Oktober 2005
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