Tier & Mensch e.V.
Massen- "Freiland" -Haltung
Käfigeier sind in Verruf gekommen. Immer mehr Verbraucher suchen nach Eiern aus Freilandhaltung. Diese Chance lassen sich die Großunternehmer natürlich nicht entgehen. Auch die Billigläden bieten seit einiger Zeit so genannte Freilandeier an. Im Berliner Raum kommen diese Eier vornehmlich aus Spreenhagen, und dort haben wir uns einmal umgesehen.
Spreenhagen liegt östlich von Berlin. Zu DDR-Zeiten war dort eine riesige Batteriekäfiganlage. Die hat man umgestellt – aber wie?
Es gibt fünf „Meisterbetriebe“ mit je fünf großen Ställen zu je ca. 14.000 Hennen in Bodenhaltung. Jeder Betrieb ist also für ungefähr 70.000 Tiere zuständig und beschäftigt zwei Arbeitskräfte. Insgesamt beherbergt Spreenhagen etwa 300 000 Legehennen.
Die Ställe sind ziemlich neu ausgestattet. In der Mitte der Scharrraum, links und rechts davon die Kotroste mit Sitzstangen, an den Seiten die Legenester. Die Eier werden mechanisch abgeführt und in Paletten verpackt. Die Ställe müssten eine Fläche von je 2.000 qm haben, wenn die vorgeschriebenen sieben Hennen pro qm eingehalten werden. Wir haben das nicht nachprüfen können.
Und das Feiland? Irgendwo da hinten müssten ja die erforderlichen 300 ha vorhanden sein. Aber wir sehen keine einzige Henne. „Heute haben wir die Luken nicht aufgemacht“, erklärt uns der Meister. „Wöchentlich einmal bekommen die Hühner Vitamine, da müssen sie drin bleiben“. Im Sommer, bei sehr großer Hitze werden die Tore auch nicht geöffnet, erfahren wir, sonst leidet die Legeleistung. Und im Winter, wenn’s sehr kalt ist, ebenfalls.
Und wenn sie mal raus dürfen? „Dann treiben sie sich meist vor den Ställen herum. Die Tiere haben Angst vor dem Habicht“. - „Das bedeutet doch, dass die meisten Hennen immer im Stall bleiben?“ – „Na ja, das lässt sich schlecht schätzen.“
Es ist allgemein bekannt, dass sich die Hühner selten weiter als 80 m vom Stall entfernen. Also könnte nur ein Bruchteil der 14 000 Hühner im Freien Platz finden.
Wir schätzen, dass die Eier zu 95% allenfalls als „Eier aus Bodenhaltung“ bezeichnet werden können. Als schlechte Bodenhaltung bei dieser Herdengröße!
Gefüttert wird mit herkömmlichem Kraftfutter. Die Tiere leben 1 1/2 Jahre –wie die Käfighühner. Hennen, die beim Ausstallen herunterfallen und weglaufen, werden nicht wieder eingefangen. "Dazu nehmen wir uns nicht die Zeit", sagt der Kraftfahrer. "Die holen Fuchs, Dachs oder Habicht".
Verpackt werden die Eier in Bestensee, wo ja auch die großen Käfighaltungen zu Hause sind. Falschverpackungen sind nicht auszuschließen und wurden ja auch vor zwei Jahren von einem Fernsehteam (Kabel 1) nachgewiesen.
Wir empfehlen diese Eier nicht!
E. Ulich (Okt. 2000)
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