Tier & Mensch e.V.
PELZTIERHALTUNG – GRAUSAMKEIT DER MODE WEGEN

Die Pelztierhaltung ist eine der abscheulichsten Tierquälereien, die man sich vor stellen kann. Nur um der Eitelkeit einiger vornehmer Menschen zu genügen, die ihren Reichtum durch das Tragen von Pelzen zur Schau stellen wollen, werden Hunderttausende von Nerzen, Füchsen, Kaninchen in engen Drahtkäfigen gehalten, in denen sie sich kaum bewegen können. Denn nur auf diese Weise kann die Pelzwirtschaft einen Profit erwirtschaften.
Die Haltung von Pelztieren auf sogenannten "Farmen" ist deshalb eine ganz besondere Grausamkeil, weil es sich bei diesen Tieren um Wildtiere handelt. Denn Füchse und Nerze sind Raubtiere, die in der Natur ein großes Revier brauchen. Sie haben hochsensible Nasen. Einen großen Teil des Tages sind sie auf Nahrungssuche, Nerze meist schwimmend. Auch Klettern gehört zum Tagesablauf dieser flinken, bewegungsfreudigen Tiere.
Kein Wunder, dass das Leben in engen Käfigen zu schwersten Verhaltungs­störungen führen muss. So treten auch Aggressionen den Käfiggenossen gegenüber auf, die zu Kannibalismus und Selbstverstümmelung führen. Bis zu vier Nerze findet man auf der Fläche eines Bierkastens, obwohl sie bis zu 60 cm lang sind. Es gibt keine Rückzugsmöglichkeit, und sie leiden unter der unmittelbaren Nähe Hunderter von Artgenossen. Unter den Käfigen sammeln sich stinkende Kotberge und Harnlachen an, die Käfiggitter sind kotverkrustet.
Das Futter ist keinesfalls artgerecht, sondern einseitig mit Ausrichtung auf die Entwicklung eines dichten Pelzes zusammengestellt, so dass Mangelerscheinungen auftreten. Es wird in Pellets oder als Brei gereicht und besteht größtenteils aus tierischen Bestandteilen, gemixt mit Soja und Getreide. Für einen Nerzmantel, der aus Fellen von etwa 60 Tieren be­steht, werden 3 Tonnen Futter verbraucht, für einen Fuchspelzmantel eine Tonne.
Nutria, auch „Sumpfbiber" genannt, ist ein Nagetier und wie die Nerze an ein Leben an und im Wasser gebunden, was ihnen in ihren Behausungen auf Betonböden nicht zur Verfügung steht.
Chinchilla sind ebenfalls Nagetiere, die aus den Anden stammen, wo sie wegen der Gier nach den Fellen fast ausgerottet wurden. Diese sprunggewaltigen und in ihren Ansprüchen so empfindlichen Tiere werden meist ebenfalls in winzigen Käfigen gehalten. Kein Wunder, dass die Sterberate bei über 50% liegt.
Auch Kaninchen müssen für ihren Pelz, ihr Leder, Fleisch und die Angorawolle so dahinvegetieren. Ihre angeborenen Verhaltensweisen aber sind Graben, Nagen, Hoppeln und Herumflitzen. Dennoch hält man sie, genau wie die Legehennen, in engen Drahtkäfigen, wo sie schwer leiden müssen. Hinzu kommt, dass die Zuchtweibchen extrem ausgebeutet werden, indem sie bis zu zehn Mal jährlich Junge bekommen müssen. Trotz jahrelanger Forderungen der Tierschützer gibt es keine Haltungsverordnung in der EU. Allein in Deutschland werden jährlich rund 30 Millionen Kaninchen geschlachtet.
Massive Umweltbelastung bei dieser Art der Pelzerzeugung entsteht durch die Fäkalien und Futterreste, die in den Boden einsickern und die Luft mit Verwesungsgestank verpesten. Auch Infektionskrankheiten, wie die Staupe, können so verbreitet werden. Das Gerben der Felle wird mit umweltschädlichen, hochgiftigen und aggressiven Chemikalien vorgenommen.
Ein Wort noch zur Jagd auf die wildlebenden Pelztiere. Sie ist besonders in Russland und Nordamerika verbreitet. Hierbei geraten die Tiere in Fußfallen oder Drahtschlingen. Die Bügel der Beinfallen schlagen bei Berührung zusammen. Tagelang, bis der Fallensteller ("Trapper") mal vorbeikommt, quälen sich die Opfer in Schmerzen und Todesangst und versuchen, sich zu befreien. Dabei reißen sie sich Wunden oder brechen sich die Glieder. Viele sterben, bevor sie durch einen Schuss oder Schlag auf den Kopf von ihren Leisen erlöst werden.
Und diese heimtückischen Fallen packen jedes Tier, das da hineingerät, auch Vögel, Haustiere, sogar geschützte Wildtierarten.
Über das Abschlachten von Hunderttausenden von Robben in Kanada ist schon oft berichtet worden. Sie werden mit Knüppeln niedergeschlagen und an Ort und Stelle, zum Teil noch lebend, gehäutet. Deshalb haben die USA ein Importverbot für Robbenprodukte erlassen, die EU hat sich dazu noch nicht durchgerungen.
Eine Umfrage im Jahre 2003 hat ergeben, dass 70% der Deutschen für ein Verbot der Pelztierzucht sind. Wenn allgemein bekannt wird, unter welchen Bedingungen die "edlen Felle" erzeugt werden, würden sich auch die restlichen 30% gegen das Tragen von Pelzmänteln und Pelzbesatz aussprechen - außer denen, die daran verdienen.
Wann endlich werden die deutschen Politiker, so wie in Österreich und England bereits geschehen, dieser abscheulichen Barbarei ein Ende bereiten?
Dieser Text erscheint mit entsprechenden Bildern als farbiges Infoblatt Ende August.
Eine ausführliche Beschreibung bietet unser Druckheft "Pelztiere - warten auf Menschlichkeit" von Karin Ulich. Es kann kostenlos bei uns angefordert werden.
E.+K.Ulich (Aug.05)
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