Tier & Mensch e.V.

 
Tiere auf Weide und Transporten gegen Witterungseinflüsse schützen!

Nur mit Freiland- und Weidehaltung können Tiere gesund und artgerecht gehalten werden. Doch müssen auch die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden, damit nicht durch ungünstige Witterungsverhältnisse, wie Sonne, Hitze, Regen, Hagel, Wind und Kälte die Tiere belastet werden und ihre Gesundheit gefährdet wird. Im Juli war deutschlandweit zu beobachten, dass Weidetiere ohne Sonnenschutz bei Höchsttemperaturen auf ihren Weiden schmorten. Das ist tierschutzwidrig, jedoch haben viele Tierbesitzer meistens gar kein Unrechtsbewusstsein. Hier müsste die Regierung handeln. Es wäre dringend nötig, die verantwortlichen Behörden, die Landwirtschaftsämter und -schulen sowie die Veterinäre anzuhalten, die Tierhalter entsprechend aufzuklären, beziehungsweise geltendes Recht durchzusetzen. Auch müssten die Medien über die Grundlagen einer artgerechten Weidehaltung informieren. Zwar lassen sich Massenimpfungen organisieren oder die Kennzeichnung eines jeden Wiederkäuers durchsetzen. Aber das Elementarste, nämlich die Einhaltung des Tierschutzgesetzes, bleibt leider auf der Strecke - nicht nur im Hochsommer. Genauso unbefriedigend sind die Tiertransporte. Trotz eindeutiger Vorgaben durch die Tiertransport-Richtlinien werden nach unseren Beobachtungen und Informationen durch Animal's Angels Tiere auch bei Extremtemperaturen kreuz und quer durch Europa gefahren, auch wenn die Klimaanlagen überfordert sind, oder die Wasserversorgung nicht gewährleistet wird. Nur ein allgemeines Transportverbot an heißen und sehr kalten Tagen könnte die Einhaltung der Richtlinien gewährleisten.

In diesem Sinne schrieb Tier & Mensch einen Brief an Landwirtschaftsministerin Aigner und forderten die Umsetzung des Tierschutzgesetzes. Wir sind gespannt auf die Antwort.

K. Ulich (September 2010)

Tiere vor Hitze schützen!

Bei dieser Gluthitze sucht jeder, der kann, nach kurzem Aufenthalt in der Sonne einen Schattenplatz auf, um nicht seinen Kreislauf zu überlasten oder gar einen Hitzschlag zu kriegen. Trinken parat zu haben ist selbstverständlich. Das Gleiche gilt für Tiere! Es ist tierschutzwidrig, Weidetieren nicht einen Schattenplatz, der für alle ausreicht, und ständig Trinkwasser anzubieten. Wer Tiere ohne Schutz im Freien sieht, möge bitte den Besitzer darauf hinweisen, zur Not Hilfe für die Tiere holen. Ein Kälber-Iglu bietet keinen ausreichenden Hitzeschutz, er sollte im Schatten stehen. Auch Heimtiere, wie Vögel oder Nager brauchen kühle, schattige Zufluchtsorte. Wenn keine Bäume oder Sträucher zur Verfügung stehen, die ja ständig Verdunstungskälte erzeugen, müssen dies wassergetränkte Tücher leisten, die auf Dach oder Schirm gelegt werden.  Hunde im Auto warten zu lassen, das in der Sonne steht, ist Tierquälerei und kann seinen Tod bedeuten. Nicht vergessen: Die Sonne wandert!

Bitte beachten Sie auch die Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung e.V. www.tierschutz-landwirtschaft.de


Hitzestress bei Nutztieren vorbeugen! 
(von Eckard Wendt)

Auch Tiere leiden unter den jetzt herrschenden Witterungsbedingungen. Nutztiere wie Rinder und Schafe brauchen derzeit besonders viel Wasser. Vor allem bei Freilandhaltungen müssen auf schattenspendende Bereiche vorhanden sein, damit sich die Tiere der direkten Sonneneinstrahlung entziehen zu können. Hierauf weist der Tierschutzfachverband  Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung e.V. (AGfaN) aus gegebenem Anlass hin. Immer wieder könne beobachtet werden, dass Landwirte und unter diesen besonders Schafhalter diese Grundbedürfnisse ihrer Tiere missachten. Der Hinweis auf wild lebende Tiere ist nicht stichhaltig, da sie nicht eingezäunt sind und deshalb Wasserstellen und schattige Orte aufsuchen können. Bei Vernachlässigung gehaltener Tiere sollte zu deren Schutz seitens der Veterinärbehörden unverzüglich eingegriffen werden. Notfalls sind Ersatzmaßnahmen zu ergreifen.

Milchviehhalter sollten schon im eigenen Interesse auf die Tiere Rücksicht nehmen, weil die Milchqualität leidet und die Auszahlungspreise für die Milch sinken, wenn die Zellzahl um 50.000 steigt. Laktierende Kühe brauchen bei 30º C je nach Feuchtigkeitsgehalt des Futters zusätzlich bis zu 130 Liter Wasser pro Tag. Da auch die Futteraufnahme bei großer Hitze sinkt, nehmen die Kühe weniger Futter auf und bauen vermehrt körpereigene Reserven ab, was eine Unterversorgung mit Spurenelementen zur Folge hat. Diese müssen ebenso wie Salze zusätzlich gereicht werden. Außerdem kann es zu einer Übersäuerung (Ketose) kommen, die sich nachteilig auf das Wohlbefinden und das Immunsystem auswirkt. Deshalb sollten auch Jungrinder und besonders Färsen ausreichend mit Wasser versorgt werden und Schattenplätze aufsuchen können, damit sie Hitzeperioden ohne vermeidbare erworbene Langzeitschäden überstehen. Als ideal haben sich gut durchlüftete Offenfront-Ställe mit Weidegang auf Wechselweiden erwiesen.

Besonders oft werden Schafe vernachlässigt, weil sie als robust gelten. Dabei leiden sie von Natur aus eher stumm. Dies gilt insbesondere für Deichschafe, weil ihnen in aller Regel keine Schattenplätze zur Verfügung gestellt werden. Da das Gras oft karg ist, müssen sie ab 20º C bereits zusätzlich 15 bis 20 Liter Wasser aufnehmen können, bei über 30º C noch wesentlich mehr. Da reicht natürlich ein kleiner 1000-Liter Wasserwagen bei weitem nicht für mehrere hundert Tiere einer Herde, wenn er nicht mehrfach täglich nachgefüllt wird.

Leider beachten auch viele Hobby-Pferdehalter die vorstehend genannten Erfordernisse nicht. Es wäre gut, wenn die Veterinärämter alle Tierhalter anschreiben und auf ihre Pflichten als Tierhalter hinweisen würden.

Siehe auch: Merkblatt "Rinder - ganzjährige Freilandhaltung" der Tierärztlichen Vereinigung Tierschutz http://www.tierschutz-tvt.de/merkblaetter.html

Juli 2010

zurück