Tier & Mensch e.V.
Tierversuche von Wissenschaftlern angezweifelt
Dass Tierfreunde Tierversuche entschieden aus moralischen Gründen ablehnen, ist nicht neu, aber es ist bisher für Politik, Wissenschaft und viele Bürger nicht relevant angesichts des angenommenen medizinischen Nutzens.
Nun häufen sich aber die Untersuchungsergebnisse aus aller Welt, die belegen, dass der Einfluss der Situation, in der die Versuche stattfinden, entscheidend für die Ergebnisse ist und eine Übertragung auf die Menschen alleine schon deshalb nicht möglich ist.
Die Hauptopfer im Tierversuch, Ratten und Mäuse, stehen bereits unter heftigem Stress, wenn sie berührt werden. Nimmt man sie gar in die Hand und verabreicht ihnen eine Injektion, entnimmt Blut oder schiebt eine Magensonde, so geraten sie in Panik. Dabei werden Stresshormone ausgeschüttet, die auf zahlreiche Körperfunktionen einen tiefgreifenden Einfluss ausüben: Unter anderem auf das Herz-Kreislaufsystem, den gesamten Stoffwechsel, das Immunsystem. Diese Veränderungen sind länger als eine Stunde nachweisbar - wobei die Wirkung des eigentlichen Versuchs ja noch gar nicht berücksichtigt worden ist.
Das gilt auch für die anderen im Versuch verwendeten Tierarten. Hinzu kommt, dass bereits die eingeengte, reizlose Haltung einen Dauerstress bedeutet, der zu Verhaltensstörungen und Schädigungen im Gehirn führt.
Die jüngsten Untersuchungsergebnisse stammen von dem amerikanischen Verhaltensforscher Dr. Jonathan Balcombe, aus der Uni Giessen und von der University of California.
Wissenschaftler der "London School of Hygiene and Tropical Medicine" stellten fest, dass die Ergebnisse von Tierversuchen und klinischen Studien an Menschen so stark auseinander klaffen, dass sie Tierversuche für die Erforschung menschlicher Krankheiten grundsätzlich in Frage stellen.
Es wurde auch festgestellt, dass zwei Drittel der Experimentatoren das Leid der Tiere unterschätzen oder leugnen, indem sie es meistens als "gering" einstufen oder "keine Schmerzen" angeben, wenn sie die Formulare zur Genehmigung ausfüllen.
Kürzlich ist eine englische Studie veröffentlicht worden: Im August 2004 wollte die Vereinigung für Patientenschutz, Europeans for Medical Progress, von 500 befragten Ärzten wissen, wie sie die Übertragbarkeit von Tierversuchen auf die Patienten einschätzen. Das Ergebnis ist eindeutig: 82% der Ärzte sind besorgt, dass Daten von Tierversuchen falsche Schlüsse ergeben, wenn sie auf den Menschen übertragen werden. Den meisten Ärzten ist also bewusst, dass Tierversuche eine falsche Sicherheit vortäuschen!
Mögen diese kritischen Ergebnisse Gehör finden bei den verantwortlichen Politikern und in der Bevölkerung! Und bei den auf Tierversuche eingeschworenen Medizinern, die sich bisher nicht im geringsten mit den möglichen Alternativen zum Tierversuch beschäftigt haben!
Karin Ulich April 05
zurück