Tier & Mensch e.V.

Vogelgrippe –
unsere Hühner sind wieder frei

Am 15.5. durften die Hühner wieder ins Freiland, aber nicht alle. Und die Verordnung gilt nur bis zum 15. August. Danach muss wieder mit einer generellen Stallpflicht gerechnet werden. In Risikogebieten müssen die Hühner auch im Sommer im Stall bleiben, was für die Tiere besonders unangenehm sein dürfte. Es ist interessant, dass zu diesen „Risikogebieten“ nicht nur die Sammelplätze der Wasservögel gehören, sondern auch Gebiete mit industrieller Hühnerhaltung. Sofern sich mehr als 20.000 Stück Geflügel pro Quadratkilometer befinden, muss die Stallpflicht weiterhin eingehalten werden. Es scheint sich die Einsicht durchzusetzen, dass Hühner, die auf engem Raum gehalten werden, gegen Keime und Viren besonders anfällig sind.
Unser Hof liegt in einem Gebiet mit geringer Geflügeldichte. Nach Öffnung der Stalltore, am 15. Mai, strömten die Hühner ins Freie – endlich! Sie waren früher das Leben im Freiland gewöhnt und hatten ein wunderschönes Federkleid. Die lange Stallzeit haben sie relativ gut überstanden, denn die Gruppen sind klein und die Ställe nicht vollbelegt. Sie hatten also Gelegenheit zum Scharren und Sandbaden. Dennoch sieht das Federkleid bei einigen recht beschädigt aus.
Im Laufe der Monate hatten die Tiere ihr Sozialverhalten geändert. Sie wurden unduldsamer und rücksichtsloser. Es scheint ein Naturgesetz zu sein, dass jedes Individuum seinen eigenen Freiraum benötigt. Konkurrenten werden durch Schnabelhiebe weggebissen. Darunter leidet auch das Federkleid. Das oft noch durchgeführte Schnabelkürzen ist keine gute Lösung. Es sollte mehr Freiraum für die Tiere geschaffen werden.
Fazit: Hühnerhaltung auf begrenztem Raum ist wahrscheinlich die Hauptursache für das Federpicken. Im Freiland abgehärtete, vollbefiederte Hühner sind gesünder und widerstandsfähiger. Die Gefahr der Vogelgrippe kommt offensichtlich nicht vom Freilandgeflügel. In Europa sind bisher nur Tiere in Intensivställen erkrankt.
Willi Paetsch, Biolandhof Hohenbrück, Juni 06
zurück