Tier & Mensch e.V.

Vogelmord   -  Vogelsterben

Mehr als 100 Millionen Vögel werden jährlich in Europa von Hobbyjägern abgeschossen oder in Netzen gefangen. Mit 25 Millionen ist Frankreich Spitzenreiter. Vor allem müssen Fasane, Ringeltauben und Singdrossel dran glauben, von den unzähligen Gänsen und Stockenten  ganz zu schweigen. Diese werden zu Hunderttausenden vor allem in Skandinavien  extra gezüchtet, dann freigelassen, um den Jägern den Spaß des Tötens zu ermöglichen. Der Bestand der Feldlerche z.B. ist seit 1970 bei uns um die Hälfte zurückgegangen. Trotzdem dürfen sie weiterhin gejagt werden. Das trifft auch auf die die Kiebitze zu, deren Bestand ebenfalls stark gefährdet ist. Allein in Frankreich werden üro Jahr mehr als eine halbe Million dieser Vögel getötet.

Um auch unserer Jugend dieses Vergnügen zu ermöglichen, sind seit langem heftige Bestrebungen im Gange, die Erteilung des Jagdscheines bereits ab 16 Jahren zu  genehmigen. In Italien ist ein entsprechendes Gesetz bereits in Arbeit.

Besonders verrufen bei der Jagd auf Zugvögel ist die Insel Malta. Dort wurde auf Druck des Europäischen Gerichtshofes die Jagd seit dem  Frühjahr 2008  verboten. Schwer durchzusetzen, wie die Beobachter erfuhren, die vom  Komitee gegen den Völkermord auf die Insel entsandt worden waren. Seitdem ist die illegale Jagd tatsächlich zurückgegangen. Dennoch wurden die Vogelschützer von den Jägern teilweise bedroht. Sie ließen sich aber nicht einschüchtern. Im Gegenteil. Sie kündigten an, im Herbst noch mehr Beobachter nach Malta zu schicken.

Aber nicht nur der Vogelmord trägt zum Artensterben bei. Auch die immer stärkere Intensivierung der Landwirtschaft richtet großen Schaden an, der durch die Abschaffung der Flächenstilllegung in Deutschland noch verstärkt wird. Aus einer  Studie von Birdlife International geht hervor, dass  die Zahl der einst häufigen Feldvögel  seit 1980 in Europa um 50 Prozent abgenommen hat. Vor allem sind Feldlerche, Grauammer, Rebhuhn und Kiebitz in eine bedrohliche Lage geraten.

In jüngster Zeit wird immer häufiger auf den Schaden hingewiesen, den die bleihaltige Jagdmunition in der Vogelwelt anrichtet. Die organischen und chemischen Verbindungen von Blei sind hochgiftig. .Denn nicht nur Schrot, sondern auch Projektile, mit denen Großwild erlegt wird, enthalten einen Bleikern, der von einem Messingmantel umgeben ist. Vor allem Greifvögel vergiften sich, wenn sie angeschossene oder tote Tiere fressen und dadurch das in der Munition enthaltene Blei aufnehmen. Mehr als 5.000 Tonnen Blei werden durch unsere Jäger jährlich auf Wälder und Felder unseres Landes verteilt.

In Deutschland gibt es etwa 600 Brutpaare von Seeadlern, nachdem diese Spezies fast ausgestorben war. Auf einer Tagung des Instituts für Zoo- und Wildtierforschung wurden im April Beweise vorgelegt, die den Tod von Hunderten von Seeadlern durch vergiftete Bleimunition einwandfrei belegen. Etwa 30% dieser in Deutschland tot aufgefundenen  Tiere sind an dem gefährlichen Schwermetall gestorben.

Warum denn nicht – wenn schon überhaupt Jagd – bleifreie Munition? Dagegen wehrt sich die deutsche Versuchs- und Prüfungsanstalt für Jagd- und Sportwaffen vehement. Ihr Argument? Bleifreie Geschosse könnten von Bäumen zurückprallen und  Jäger oder Forstarbeiter verletzen. Irgend etwas muss einem ja einfallen.

Als Renate Künast noch Ministerin war, hat sie versucht, die Jagd mit Blei zu verbieten. Der Gesetzentwurf hat sich im Sande verlaufen.  Nun versuchen es die „Grünen“ noch einmal. Im Juni brachten sie einen Antrag zum Verbot bleihaltiger Jagdmunition ein. Er wird z. Z. in den Ausschüssen beraten. Hoffnung allerdings besteht nach Lage der Dinge nicht.

Ernst Ulich September 2009
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