Tier & Mensch e.V.

 
Zwei Meisenjungen aus Caputh

Als ich eines Tages von der Schule nach Hause kam, hatte mein Nachbar eine Überraschung für mich. Zwei kleine Meisen waren von seinem Dach gefallen. Herr Meier wickelte die Meisen in ein Handtuch, denn es war an diesem Tag relativ kühl. Ich schaute mir die Vögel an und musste feststellen, dass sie schon ganz schwach und unterkühlt waren. Mit meiner Mutter brachte ich die Winzlinge in mein Zimmer und legte sie auf die Heizung, die meine Mutter schnell anstellte. Wir hatten wenig Hoffnung, aber ich wollte es unbedingt versuchen.

Im Internet suchte ich heraus, mit welchem Futter man Meisen aufziehen kann. Man sollte es mit Katzenfutter versuchen. Gesagt, getan. Die beiden Vögelchen fraßen es zwar, bekamen aber nach ein paar Stunden einen Blähbauch. Was tun?

Meine Mutter rief daraufhin beim NABU an und sprach mit einem Ornithologen. Dieser erklärte, dass Meisen als Jungvögel freilebende Insektenfresser sind. Mein Vater hatte die Idee, Fliegenmaden für Angler zu besorgen. Wir mussten leider die Maden zerkleinern, damit die Vögel sie überhaupt verdauen konnten. Das war die Lösung, denn es schmeckte ihnen. Der Bauch wurde wieder normal und die Vögelchen entwickelten sich täglich prächtiger. Man musste nur die Türe aufmachen und schon schrieen sie aus vollem Halse. Man sah nur noch gelbe Schnäbel.

Nun begann die Flugschule. Jeden Tag setzte ich die Meisen auf den Rand ihrer Kiste, damit sie einen Blick in mein Zimmer werfen konnten.

Ich setzte sie auf meinen ausgestreckten Finger und so trauten sie sich langsam los zu fliegen. Jetzt musste ein Vogelkäfig her. Sie mussten immer noch alle 2-4 Stunden gefüttert werden. Sie wurden jeden Tag größer und kräftiger und zwitscherten laut vor sich hin. So wurden sie schließlich flügge.

Eines Tages machte ich bei der Fütterung die Türe des Käfigs auf und der  Kräftigere von beiden flog durchs Fenster in die Freiheit. Nun war also der zweite alleine geblieben. Auch ihm wollten wir die Freiheit schenken. Er setzte an, flog und kam sofort  zurück und setzte sich auf meinen Kopf. So blieb der kleine Vogel noch zwei Wochen bei uns und sammelte Mut und Kraft. Doch der Abschied nahte. Meine Mutter beobachtete, dass sich draußen Meisen frühmorgens in einem Weidenbaum vor unserem Haus sammelten. Also nahmen wir gleich nach dem Aufstehen den Käfig in die Hand und brachten die Meise dorthin. Wir sagten ihm Auf Wiedersehen und öffneten die Käfigtür. Schwupp, flog er hinaus und laut zwitschernd seinen Artgenossen entgegen.

Wir waren stolz und glücklich, dass wir den beiden Meisen das Leben gerettet hatten und vor allen Dingen, dass sie wieder in Freiheit leben konnten. Solche Tiere darf man nie einsperren, denn ihr Instinkt sagt ihnen, dass sie in Freiheit leben wollen.

Jonas Parzich August 2007

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