Deutschlands Beitrag zum Aussterben von Elefant und Nashorn

 

Einige reiche Leute gehen auf Großwildjagd. Das entsetzte im April 2012 die Öffentlichkeit, als der damalige spanische König, WWF-Ehrenpräsident, sich bei der Elefantenjagd in Botswana die Hüfte brach. Ohne dieses Missgeschick wäre sein blutrünstiges Hobby nicht bekannt geworden.

Als Gras darüber gewachsen war, erschoss 2015 ein amerikanischer Zahnarzt in Simbabwe einen 13 Jahre alten, prominenten Löwen namens Cecil, der von Helfern für den Todesschuss extra aus dem Schutzgebiet gelockt worden war, in dem er lebte. – Die Empörung brandete weltweit wieder auf.

 

Das sind leider nur die Spitzen des Eisbergs. Jagdgenehmigungen sind für Regierungen, Großgrundbesitzer und Jagdreiseanbieter ein profitables Geschäft und ergänzen sich meist prächtig mit Wilderei und Schmuggel. Sie richten sich nicht nach der Bestandslage, sondern werden willkürlich erteilt. So wurden dieses Jahr in afrikanischen Ländern bereits mehr als 1000 Elefanten für den Abschuss freigegeben, samt der Ausfuhr ihrer Trophäen. Und das, obwohl in den letzten acht Jahren etwa ein Drittel der Elefantenbestände ausgelöscht wurde. Aber je seltener eine Tierart ist, umso begehrter und damit teurer ist der Abschuss: Ein Elefant kostet zwischen 17 000 und 65 000 €  (je älter er ist, desto größer sind die Stoßzähne; doch mit ihm verschwindet oft das erfahrene, unentbehrliche Leittier eines Rudels). Einigen Dumpfbacken ist es 280 000 € wert, eines der letzten verbliebenen Spitzmaulnashörner zu erlegen. Das Geld fließt leider keineswegs in Schutzprojekte dieser Tiere!

Wilderei lässt sich nachweislich nur eindämmen, wenn Jagd, Export und Handel komplett in allen Ländern verboten werden. Denn mit behördlichen Lizenzen lässt sich zu leicht Schindluder betreiben. Sie sind eine Pforte für Schmuggel durch Korruption und Fälschungen. So wurden innerhalb der letzten fünf Jahre in Tansania 57 000 Elefanten umgebracht – durch Hobbyjagd und Wilderei. Nun gibt es dort nichts mehr zu jagen.

Kenia hat übrigens schon 1977 die Elefantenjagd verboten, Botswana 2014. Doch beide Länder haben mit Wilderei zu kämpfen, die Grenzen sind nicht dicht genug, Korruption und Verstrickung von Regierenden sorgen für üppige Gewinne am Schmuggel. Schließlich muss ja auch die enorme Nachfrage aus Asien bedient werden, wo Nashornpulver und weitere Produkte von Großwildarten als Quellen für Kraft und Potenz gehandelt werden.

 

Nashörner und Elefanten stehen kurz vor ihrer vollständigen Ausrottung in freier Wildbahn.

86% der Deutschen irren nicht, wenn sie ein Verbot der Hobbyjagd auf gefährdete Tierarten fordern.

Dennoch ist neben Spanien und den USA ausgerechnet Deutschland einer der größten Importeure von Jagdtrophäen bedrohter Tierarten! So wurde in Deutschland vom Bundesamt für Naturschutz in den letzten 10 Jahren der Import von fast 10 000 Trophäen streng geschützter bedrohter Tierarten genehmigt – von 323 Elefanten, 2 Spitz- und 24 Breitmausnashörnern, Großkatzen, darunter 417 Leoparden und 195 Löwen, Bergzebras, Pavianen und anderen. Obwohl diese Arten international und nach EU-Recht geschützt sind, wurden so gut wie alle Importanträge genehmigt. Mit der Begründung, Trophäenjagd sei nachhaltig und diene dem Artenschutz. Das ist nachweislich falsch! Die EU-Artenschutz-Verordnung (338/97) verlangt, dass jeder Importantrag daraufhin überprüft wird, ob „Belange des Artenschutzes dem entgegenstehen“ und ob der Abschuss dem Schutz der betreffenden Art dient. Das deutsche Umweltministerium umgeht diese Verordnung, indem es darauf beharrt, Trophäenjagd sei nachhaltig, weil die Genehmigungsgebühren für einen Abschuss den betreffenden Ländern ja viel Geld einbringe.

 

Diesen Skandal haben wichtige Tier- und Naturschutzverbände aufs Korn genommen. Am 17. Mai überreichten ihre Vertreter  fast 200 000 Unterschriften an das deutsche Umweltministerium. Die Unterzeichnenden fordern, die Einfuhr von Jagdtrophäen gefährdeter Tierarten zu verbieten.

Weiterhin werden Unterschriften gesammelt - auch Sie können sich beteiligen:

https://www.change.org/p/frau-dr-hendricks-stoppen-sie-den-import-von-jagdtroph%C3%A4en-gesch%C3%BCtzter-tierarten

 

Ein entsprechendes Verbot besteht  übrigens bereits in den Niederlanden!

Beteiligt hatten sich an der Online-Petition folgende Organisationen: IFAW (International Fund for Animal Welfare), der Deutsche Tierschutzbund, der Deutsche Naturschutzring, der Nabu (Naturschutzbund Deutschland), Pro Wildlife, Rettet den Regenwald, Rettet die Elefanten Afrikas, Vier Pfoten. 

Der WWF ist nicht dabei, was mich nicht wundert.

 

Die EU hat inzwischen den Import von Trophäen getöteter Elefanten aus Tansania, Mosambik und Kamerun verboten.

Zudem wurde am 16. Mai von der EU im Rahmen eines „Aktionsplans gegen Wildtierhandel“ ein Leitfaden herausgegeben, der den Handel mit Elfenbein eindämmen soll. Denn so, wie große Mengen mit gefälschten Papieren in die EU hineinkommen, blüht auch der Export, besonders nach China und Hongkong. Auf Druck von Bürgern, dem EU-Parlament und sogar China werden die EU-Länder nun aufgefordert, ab dem 1. Juli keine Ausfuhrgenehmigungen für Roh-Elfenbein mehr zu erteilen. Ausnahmen: Zum Zwecke von Wissenschaft und Bildung. Da haben wir sie wieder, die Schlupflöcher, die zum Täuschen einladen!

Verarbeitetes Elfenbein darf gehandelt werden, wenn es vor 1976 erworben wurde und ein Zertifikat vorliegt. Wurde es vor 1947 erworben, ist kein Zertifikat nötig – es gilt als antik. Angesichts der Macht und kriminellen Energie der Schmuggelhändler ist dieser Leitfaden zwar ein Schritt in die richtige Richtung, aber halbherzig und völlig ungenügend!

Wir hoffen auf Nachbesserungen – rechtzeitig, bevor es endgültig zu spät ist.                        Karin Ulich

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