Erntedankfest am Welttierschutztag - 04. Oktober 2015

Offener Brief an die Kirchengemeinden



Sehr geehrte Damen und Herren,

Obst, Gemüse, Nüsse und Getreide schmücken die Altäre in den meisten Kirchen. Sie präsentieren die einzige gesunde Ernährungsgrundlage. In den Wohlstandsregionen der Erde spielen sie leider nur noch eine Nebenrolle, disqualifiziert als „Beilagen“. Im Mittelpunkt der Mahlzeiten stehen stets Tierprodukte, billig in Massentierhaltungen erzeugt. Selbst in einigen Kirchengemeinden gibt es im Anschluss an den Erntedank-Gottesdienst Gulasch, Würste, Schnitzel.
Wissen Sie als Botschafter unseres Schöpfers, dass Massentierhaltung die Hauptursache für das Schwinden der Lebensgrundlagen aller Menschen, Tiere und Pflanzen der Erde ist?
Sollten Sie das nicht thematisieren?
Machen Sie den Menschen klar, dass mit der Zerstörung riesiger Regenwaldgebiete durch Kahlschlag und die Vernichtung lebendiger Humusböden durch Kunstdünger und Gift für den Viehfutteranbau CO2, Methan- und Lachgas entstehen und das Weltklima maßgeblich aufheizen! Die Hälfte des weltweit angebauten Getreides wird an Geflügel, Schweine, Rinder und Fische verschwendet, von der Sojabohne sogar ca.90%.
Die Erzeugung von Tierprodukten verbraucht extrem viel Wasser gerade in regenarmen Gegenden. In Deutschland Unter Missachtung der EU-Regeln wird Oberflächen- und Grundwasser zunehmend mit Gülle verseucht.
Auch das Tierschutzgesetz ignorieren die deutsche Regierung und Behörden, obwohl die Massentierhaltung unsägliche Tierquälerei bedeutet. Dazu kommen schlimme Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung: Das System, Tausende krank gezüchtete Tiere dicht zusammenzupferchen, nimmt ihnen die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers. Daher breiten sich rasant Infektionskrankheiten aus, denen Antibiotika entgegengesetzt werden. Fast alle Insassen der Tierfabriken bekommen mehrmals in ihrem kurzen Leben verschiedene Sorten von Antibiotika. Trotzdem trägt etwa die Hälfte des frisch verkauften Fleisches Krankheitserreger, die Lebensmittelvergiftungen auslösen können (besonders Campylobakter und Salmonellen), dazu Antibiotika-resistente Colikeime, deren Resistenzen auf menschliche Krankheitserreger übertragen werden können. An solchen Bakterien sterben in Deutschland jährlich mehr als 15 000 Menschen. Die WHO warnt seit Jahren verzweifelt vor einer „Post-Antibiotika-Ära“, denn neue Wirkstoffe sind nicht in Sicht.
Der hohe Anteil tierischer Produkte in der Ernährung erschwert und verkürzt das Leben auch durch schleichende Stoffwechselerkrankungen: Er greift das Herz-Kreislaufsystem an, erhöht das Risiko für Krebs und rheumatische Krankheiten.
Wir essen uns krank, während fast eine Milliarde Menschen weltweit an Nahrungsmangel leiden!
Wäre es nicht Ihre ehrenvolle Aufgabe, darüber aufzuklären und ein Zeichen bei Kirchenfesten zu setzen?
Gerade dieses Erntedankfest wäre eine geeignete Gelegenheit, darüber zu sprechen, wie wir vermeiden können, gedankenlos uns selbst und der Welt mit unseren Essgewohnheiten zu schaden.
Denn diesmal ist der Erntedanktag zugleich der Welttierschutztag, der traditionell am Todestag des Heiligen Franz von Assisi begangen wird. Sein Namensvetter, der amtierende Papst, beschreibt die Gefahren der Agrarindustrialisierung in seiner Enzyklika „Laudato si“ und ruft jeden Einzelnen dazu auf, seinen Lebensstil im Sinne des Gemeinwohls zu ändern und bewusster zu konsumieren.
Aber nichts ist schwerer, als die Macht der Gewohnheit mit Wissen, Verstand und Empathie zu besiegen. Wenn man nur will, lässt sich dieser Kampf gewinnen!
Wer sich über die Entenfamilie auf dem See freut, in Naturfilmen dem munteren Treiben der Wildschweine zusieht, gerührt über den sanften Blick der Kühe ist, kann doch nicht ernsthaft tolerieren, dass für billiges Essen Tieren der Lebensinhalt, jede Möglichkeit zu einem natürlichen, angeborenen Verhalten geraubt wird!
Leider geht der Massentierhaltungs-Bauboom in Deutschland weiter. Die Lobby der Tierindustrie und ihre Handlanger Bauernverband und Politiker tun alles, um Kleinbauern zu vernichten. Sie scheffeln Milliarden auf dem Rücken der Gesellschaft, der Tiere und der Umwelt. Artgerechte Weidehaltung mit eingestreutem Stall gibt es fast nicht mehr. Wer die Chance hat, gezielt die Produkte direkt auf so einem Bauernhof zu kaufen, kann sein Überleben sichern indem er den dazu nötigen Preis zahlt.
Es ist für unser aller Überleben notwendig, die Last der Tierprodukte in der Ernährung zu verringern. Mit veganen Alternativen lassen sich mühelos köstliche Mahlzeiten zubereiten!
Gehen Sie als Vertreter Ihrer Kirche mit Wort und Tat voran!

Mit freundlichen Grüßen

Karin Ulich
 

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