Wir freuen uns, dass...

 

...Niedersachsen das Schnabelkürzen bei Legehennen seit Jahresbeginn untersagt hat. Haben die Hennen im Stall stets Beschäftigungsmaterial wie Gemüse und Stroh, tritt in der Regel auch bei intakten Schnäbeln kein Kannibalismus auf. Nun kommt es darauf an, dass Massentierhalter nicht das Problem auf billige Weise lösen: durch tierquälerische Dunkelhaltung.          Quelle: Schwäbische Zeitung

 

...das Bio-Unternehmen Rapunzel Naturkost von der Bundesregierung mit dem CSR-Preis geehrt wurde, der für nachhaltige und verantwortungsvolle Unternehmensführung verliehen wird. Ra­punzel setze sich seit Beginn für ökologische Aspekte sowie faire Arbeitsbedingungen entlang der ganzen Wertschöpfungskette ein, befand die Jury.                                         Quelle: Schwäbische Zeitung

 

...der Plan des Chemie- und Pharma-Konzerns Bayer, Monsanto aufzukaufen, ins Stocken gera­ten ist: EU-Gesundheitskommissar Andriukaitis beklagte die enorme Marktmacht beim Saatgut- und Pestizidgeschäft und den daraus resultierenden Einfluss auf die Bauer. Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager versprach, sich „alles sehr, sehr genau“ anzusehen. Bayer hat andererseits gute Beziehungen zu Trump...                 Quelle: AFP

 

...die EU-Kommission im Dezember 2016 beschlossen hat, die Naturschutz-Richtlinien der EU nun doch nicht aufzuweichen, sondern sie stattdessen besser umzusetzen. Zwei Jahre lang stand zu befürchten, dass die Flora-Habitat-Richtlinie und die Vogelschutz-Richtlinie verwässert würden - gegen diese Pläne stemmten sich die Umwelt- und Naturschutzverbände energisch.        Quelle: NABU

 

...Imidacloprid in Kanada verboten werden soll, wobei das Gesundheitsministerium ein Komplett­verbot fordert. Bayer versucht noch, es zu verhindern!

 

...eine riesige Meeres-Schutzzone von 1,55 Mio. Quadratkilometern (4x so groß wie Deutschland) in der Antarktis nahe dem Südpol nach fünf Verhandlungsjahren 24 Staaten und die EU Ende Oktober 2016 beschlossen wurde. Ab Dezember 2017 darf dort nun 35 Jahre lang nicht gefischt werden. We­gen seiner abgelegenen Lage ist die Natur dort noch intakt und äußerst vielseitig. Der Kontinent selbst stand bereits unter Schutz. Die Antarktis ist internationales Gebiet mit mehreren Forschungsstationen.                                                  Quelle: dpa

... Obama kurz vor Ende seiner Amtszeit in sensiblen Gebieten des Küstenschelfs in der Arktis und im Atlantik Öl- und Gasbohrungen verboten hat. Das Verbot gilt unbefristet. Auch Kanada schützt seine arktischen Gewässer, aber mit einem Moratorium, das nur fünf Jahre gilt und dann erneut überprüft wird.                                                                                      Quelle: Schwäbische Zeitung

 

...China dieses Jahr den Handel und die Verarbeitung von Elfenbein verbieten will. Ein entspre­chendes Verbot könnte, sofern es konsequent durchgesetzt würde,  die Elefanten möglicherweise vor dem Aussterben in freier Wildbahn bewahren. Denn China ist der weltweit größte Markt für Elfenbein. Auch Hongkong müsste den Handel, und die EU die Einfuhr verbieten!

 

...dass der Europäische Gerichtshof urteilte, dass die EU-Bürger weitreichende Rechte auf Aus­kunft über die Wirkungen von Pestiziden haben. Bei einer Klage von Greenpeace und PAN Europe ging es um von der EU-Kommission geheim gehaltene Studien zum Glyphosat, bei einer weiteren Klage von der niederländischen Bienenstiftung um die Forderung nach Veröffentlichung von Do­kumenten über das Bienengift Imidacloprid von Bayer, die bisher mit der Begründung, es seien „Ge­schäftsgeheimnisse“ zurückgehalten werden. Quelle: dpa

 

Bodensee-Gymnasium ausgezeichnet

 

Im Rahmen der Ausschreibung zur „Umweltschule in Europa“ wurde das Bodensee-Gymnasium in Lindau zum wiederholten Male ausgezeichnet. Diesmal war das Schwerpunktthema der Umgang mit Plastik. Auch Projekte mit Ideen zum Energiesparen, den Ökologischen Fußabdruck und Fahr­radfahren standen im Fokus. Tier & Mensch hatte zusammen mit dem Bund Naturschutz 2012 die interaktive Ausstellung zum Ökologischen Fußabdruck von „Brot für die Welt“ ausgeliehen und unter anderem im Bodenseegymnasium präsentiert und Klassen sie Schulklassen erklärt. Ob das ein An­stoß war?                                                                                                               Quelle: Lindauer Zeitung

 

Gemeinnützigkeit von Attac bestätigt

 

Im November 2016 wurde Attac seine Gemeinnützigkeit gerichtlich bestätigt. Diese war Attac 2014 durch das zuständige Finanzamt Frankfurt mit der Begründung entzogen worden, der Verein sei zu politisch. Als Beispiele nannte das Finanzamt die Forderung Attacs nach einer Vermögenssteuer und nach einer Finanzmarktregulierung. Zwei Jahre lang konnten daher keine Spendenquittungen mehr ausgestellt werden. Überdies musste die Organisation viel Zeit und Geld in die Klage stecken, um ihr Recht zu erstreiten. Hier ist eine unerträgliche und für die Demokratie gefährliche Behördenwillkür durch die Justiz gestoppt worden – der Schaden ist dennoch immens.                                    Quelle: Attac

 

...dass der Europäische Gerichtshof urteilte, dass die EU-Bürger weitreichende Rechte auf Aus­kunft über die Wirkungen von Pestiziden haben. Bei einer Klage von Greenpeace und PAN Europe ging es um von der EU-Kommission geheim gehaltene Studien zum Glyphosat, bei einer weiteren Klage von der niederländischen Bienenstiftung um die Forderung nach Veröffentlichung von Do­kumenten über das Bienengift Imidacloprid von Bayer, die bisher mit der Begründung, es seien „Ge­schäftsgeheimnisse“ zurückgehalten werden.                                                                          Quelle: dpa

 

UN-Bericht: Pestizide gefährden Welternährung

Der aktuelle UN-Bericht „Report of the Special Rapporteur on the right to food” weist nach: Pestizide sind ein Risiko für die Welternährung! Die UN-Sonderberichtserstatterin für das Recht auf Nahrung, Hilal Evers, kommt in ihrer Recherche zu dem Ergebnis, dass nur ökologischer Landbau ausreichende Erträge gewährleisten kann, um die  Menschheit satt zu kriegen - nicht aber intensive  Landwirtschaft mit Pestiziden. Das wissen wir ja schon lange: durch den Weltagrarbericht, den jährlich erscheinenden „Kritischen Agrarbericht“ und viele andere Veröffentlichungen. Aber es ist wichtig, dass auch die UN auf ein Ende der Chemie-Landwirtschaft drängen. Unsere Regierung, die duldet, dass Landwirt­schaftsminister Schmidt und Entwicklungsminister Müller weiterhin die politischen Weichen im Interesse der Agrar- und Chemiekonzerne stellen, ist nicht länger tragbar!                                 Quelle: Pressemitteilung Bündnis 90 / die Grünen

 

Umweltzerstörung vor Haager Tribunal

 

Künftig sollen auch skrupellose Unternehmer und Politiker vor das Weltgericht, das Haager Tribu­nal, gestellt werden können, wenn durch Umweltzerstörungen schwerwiegende Verbrechen ge­gen die Menschlichkeit verübt werden. Die Zerstörung der Lebensgrundlagen von Völkern erfüllt nach Artikel 6 des Statuts unter Umständen den Straftatbestand des „Völkermords“. Zurzeit wird ge­prüft, ob ein Ermittlungsverfahren gegen Kambodscha eingeleitet werden kann. Dort wurden in den letzten 20 Jahren 850 000 Menschen illegal enteignet und ihr Land an ausländische Unternehmen verkauft.                                                                                                          Quelle: Schwäbische Zeitung

 

Bayern vorn!

 

Das Land Bayern den Etat für den ländlichen Raum für 2017 und 2018 um jeweils etwa 10% deut­lich aufstockt. Davon sollen auch Natur und Dörfer mehr abbekommen als bisher: Unter anderem profitieren das Kulturlandschaftsprogramm, der Boden- und Ero­sionsschutz und der Umbau zu klimastabilen Mischwälder. Landwirtschaftsminister Brunner hält die Familienbetriebe für stabiler als Großbetriebe.

Bayern fördert bisher schon Biobetriebe und Weidehaltung mehr als andere Bundesländer. Schon 2016 war die Zahl der Biobetriebe in Bayern um 14% gestiegen!

Doch Sachsen will nachziehen, und neuerdings spricht sogar Bundesminister Schmidt von sol­chen Plänen...                                                                                                  Quelle: Schwäbische Zeitung

 

Gemauschel beim Bayernei-Skandal

 

Seit Jahren druckst die Bayerische Regierung her­um und versucht, sich aus der Verantwortung zu steh­len. Doch zu erdrückend sind die Indizien, dass das zuständige Umweltministerium mit der für die Le­bens­mit­telsicherheit zuständigen Veterinärbehör­de wis­sentlich den Handel mit Salmonelleneiern zu­gelas­sen und öffentlich geleugnet hat, dass diese Eier auch in Bayern verkauft wurden. Nun wird ein Untersuchungsausschuss eingerichtet. Mal sehen, was raus kommt.                                      Karin Ulich

 

 

 

 

 

 

Wir freuen uns über...

 

Umweltministerin Barbara Hendricks!

 

Heute freue ich mich, ein Loblied auf die mutigste, engagierteste amtierende Ministerin singen zu kön­nen, unsere Bundes-Umweltministerin!

Ohne Rücksicht auf die eigene Haut hat sie sich entschlossen gegen die Agrarindustrie, gegen Glyphosat und Massentierhaltung gestellt mit den Mitteln, die ihrem Ministerium zur Verfügung stehen.

Über die geplante Änderung des Baurechts haben wir in Heft 61 berichtet. Wenn das Landwirtschafts­ministerium mit ihr an einem Strang ziehen würde, wie es nach wissenschaftlichen Expertisen dringend nötig wäre, selbst aus dem eigenen Hause, (Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats vom März 2015: „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“), dann würde die Agrarwende nicht mehr aufzuhalten sein. Doch dem ist leider nicht so. Landwirtschaftsminister Schmidt hat sich ins Heer der Agrarindustrie eingereiht, das vom Bauernverband angeführt wird. Dieses Heer speit Feuer und verschießt schmutzige Munition, was das Zeug hält. Ministerin Hendricks steht fest im Sturm, aber die massive Verunglimpfungskampagne angesichts der Bauernsprüche – zu finden im Internet unter:   (http://www.br.de/radio/bayern2/gesellschaft/tagesgespraech/bauernregeln-barbara-hendricks-kampagne-100.html ) ließ sie schließlich doch nachgeben: sie entschuldigte sich bei den Bauern, die sich beleidigt fühlten und stoppte die Kampagne. Dennoch hat sie ein wichtiges Ziel erreicht: Das The­ma Massentierhaltung rauschte ausgiebig durch den Mediendschungel und wurde so intensiv disku­tiert wie schon lange nicht mehr. Für die Poster- und Postkartenaktion mit den humorvollen Sprüchen hatte Hendricks 1,6 Mio.Euro zur Verfügung gestellt, was der Steuerzahlerbund kritisierte. Schmidt dagegen will 17 Mio. Euro für die Bewerbung seines geplanten, bisher völlig substanzlosen, freiwilligen Tierschutzlabels ausgeben – was sagt der Steuerzahlerbund eigentlich dazu?

Nun schäumt Schmidt übrigens schon wieder gegen seine Kollegin: Sie wird bei Veranstaltungen in ih­rem Ministerium Gästen künftig nur noch vegetarische Biokost anbieten, was er für Bevormundung hält. Kann er sich ein Urteil erlauben, obwohl er alle Schulen zwingen will, Schweinefleisch zu servie­ren?

Hendricks ist Ministerin der SPD. Wir müssen Martin Schulz fragen, welche Rolle er ihr zuteilt, wenn die SPD auch in der nächsten Legislaturperiode mitregiert. Wird er sie in der Versenkung verschwinden lassen? Oder sie zur Weiterarbeit ermutigen, zusammen mit einem ebenfalls mutigen, Landwirtschaftsminister, wie Christian Meyer, der zurzeit dieses Amt in Niedersachsen inne hat?

Wir wünschen Barbara Hendricks weiterhin ein starkes Rückgrat, ein dickes Fell und viel Erfolg.

Und sagen herzlich Dankeschön für ihre Arbeit! Karin Ulich

 

Die  folgenden Verse waren als Leserbrief an die Schwä­bische Zeitung gedacht, wurden aber nicht abge­druckt, weil sie in Gedichtform waren. Na, dann eben hier!

 

Agrarindustrie – gnadenloser Kampf um Pfründe

 

Ein Minister im Amt

Der „auf´s Schärfste verdammt“,

dass seine Kollegin Hendricks, in der Sache korrekt,

mit Versen die Bauern aus der Starre weckt,

benimmt sich toll wie Donald Trump – er trumpt.

Und was tut einer wie der Haug in Stuttgart,

der wütend und knallhart

ihren Rücktritt wegen ihrer Verse fordert?

Kann man dem vertrau´n,

oder sollte man lieber ihn vom Sattel haun?

 

Nicht die Bauern greift die Umweltministerin an,

doch das System, das nicht mehr kann!

Die Subventions-gemästete Agrarindustrie

Hat das Leben zerstört vom Vieh.

Auch Bauern, Boden, Klima und Wasser

leiden schwer und immer krasser!

Bauern und Bürger haben´s längst entdeckt.

 

Landwirtschaftsminister und Bauernverband

Hätten die Wende in der Hand.

Doch sie fühlen sich verschreckt –

sind leider nur Konzern-Vasallen.

Das lassen wir uns nicht gefallen! K. Ulich

 

 

CETA-Drama

 

Zwei Entscheidungen erschütterten am 15. Februar viele Millionen Ceta-Gegner: In Bayern urteilte der Bayerische Verfassungsgerichtshof, die gesetzlichen Voraussetzungen für ein Volksbegehren gegen Ceta seien nicht gege­ben. Am selben Tag gab das EU-Parlament grünes Licht für die vor­läufige Anwendung des Ceta-Vertragswerks.  Ausgenommen ist vorerst die Sonderschiedsge­richtsbarkeit für Investoren. Dieses Parallel-Justizsystem durch einen Investitionsgerichtshof ist nicht vom Tisch – daran wird gearbeitet. Großkonzerne sollen doch mit Hilfe eines „neutralen“ internatio­nalen Handelsgerichts auf  Staatskassen zugreifen können – aber weniger auffällig.

Es stimmten 408 der 695 EU-Parlamentarier Ceta zu. Darunter selbst die meisten Sozialisten, trotz größter Vorbehalte, da sie wissen, dass die Arbeitnehmerrechte gefährdet sind und der Privatisie­rungsdruck auf kommunale Versorgungseinrichtungen zunehmen wird. Doch statt sich am Gemein­wohl zu orientieren, ließen auch sie sich von der Lobby multinationaler Konzerne blenden und täuschen.

Wir haben gesehen, wie massiv im Oktober 2016 Druck auf Belgien und Wallonien ausgeübt wurde (s. Mitteilungsheft 61) und kennen die Skrupellosigkeit, mit der die Wirtschaftsmächtigen vorgehen, um ihre Profitinteressen mit Hilfe von Ceta durchzuboxen.

Im EU-Parlament hörte sich das nun so an:

„Erneut sind der extrem rechte und der extrem linke Flügel in ihrer Ablehnung von allem verbunden, was gut für Europas Bürger ist“. Das sagte der lettische Abgeordnete Artis Pabriks, der Ceta im EU-Parlament betreut. Er fügte hinzu: „Wer sich nicht trumpen lässt und nicht auf alternative Fakten hört wird sich uns aber anschließen.“ (Quelle: Schwäbische Zeitung). So wird im Parlament Meinung gemacht!

Wir Ceta-Kritiker sind also Extremisten, die „auf alternative Fakten“ hören und sich „trumpen“ lassen? Kann man so mit fähigen Juristen und engagierten, gebildeten Bürgern umgehen, die gesellschaftliche Verantwortung über­nehmen und soziale Grundwerte, Demokratie, die bäuerlichen Landwirtschaft, Tier-, Umwelt- und Naturschutz verteidi­gen? Sie gehören immerhin zur Mitte der Gesellschaft! Wer „trumpt“ denn da eigentlich? Zum Glück stehen noch Gerichtsurteile zur Verfassungsmäßigkeit von Ceta aus...

 

Zumindest die Landwirtschaft müsste vollständig aus dem Freihandelsabkommen ausgeklammert werden. Denn  wenn sie noch stärker in die Gewalt der Großkonzerne und Finanzmärkte gerät, schwinden weltweit die Lebensgrundlagen noch schneller als bisher. Bereits Mitte November 2016 hatten Experten im Rahmen einer Ceta-Studie im Auftrag der EU-Kommission festgestellt, dass sich der Preisdruck auf landwirtschaftliche Erzeugnisse wegen der zunehmenden Überproduktion deutlich verschärfen wird.

Martin Schulz setzte sich als Präsident des EU-Parlamentes entschieden für Ceta ein. Das ging so weit, dass er bei der Anhörung im EU-Parlament nur Experten zu Wort kommen ließ, die Befürworter waren, nicht aber die Kritiker aus den Bereichen Umwelt und Soziales. Er war gut befreundet mit EU-Kommissar Juncker und Sigmar Gabriel, der als deutscher Wirtschaftsminister keine Gelegenheit aus­ließ, verächtlich auf  Ceta-Kritik zu reagieren.

Wie vertrauenswürdig ist es, wenn Martin Schulz nun soziale Gerechtigkeit in seinem Wahlkampf für die SPD proklamiert? Ist das nicht ein Widerspruch zu seinem Einsatz für die Profitinteressen der Konzerne?                                               K. Ulich                    

 

Grüne Woche 2017

 

Über die Grüne Woche könnte ich, wie jedes Jahr, schimpfen und die Lügen der Agrarindustrie bekla­gen. Ein Beispiel serviere ich unter Punkt 3. Zunächst aber möchte ich zwei erfreuliche Themen ansprechen!

 

  1. Weiland-Hühner-Mobile weiter auf Erfolgskurs!

 

Das Interesse am Stand der Firma Weiland in der Biohalle war groß. Die Nachfrage ist so gewachsen, dass für Bestellungen zurzeit eine Warteliste besteht, da so schnell gar nicht produziert werden kann, wie die Bestellungen eingehen. Und das trotz der unsinnigen Stallpflicht, die viele Freilandhaltungen in Existenznot bringt.

Das betrifft die Bauern mit Weiland-Mobilställen weniger, vielleicht, weil die Ställe für so kleine Be­stände konzipiert sind (maximal für 1200 Hennen), dass provisorische Ausläufe realisiert werden kön­nen. Außerdem sind die Hühnermobil-Besitzer über die Firma miteinander vernetzt, so dass gute Ideen schnell die Runde machen. Beispielsweise können Partyzelte oder Foliengewächshäuser als Bewegungsräume und Scharr-Areale dienen. Sehr schöne Beispiele sehen sie auf den beiden Fotos. Wir dan­ken für die Freigabe der Fotos zur Veröffentlichung in unserem Heft!

 

 

 

 

 

 

  1. Bald Schluss mit Kükentöten!

 

Landwirtschaftsminister Schmidt stellte auf seinem Rundgang zusammen mit den beiden Forschern Prof. Dr. Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns von der Veterinärmedizinischen Fakultät der Uni Leipzig und Prof. Dr. Gerald Steiner von der TU Dresden das Projekt zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei vor. Mit dieser Methode wird das grausame Kükentöten dann endlich ein Ende finden. Die Entwicklung ist schon so weit gediehen, dass ein Prototyp des Geräts vorgestellt werden konnte. Bereits nach drei Bruttagen kann das Geschlecht mit 95%iger Sicherheit mit einer Spektroskopieme­thode festgestellt werden. Die Eier, in denen sich männliche Küken entwickeln würden, können als Nahrungsmittel genutzt werden. Im Sommer soll das Gerät in einer Brüterei in der Praxis erprobt wer­den. Mit 4 Millionen Euro unterstützt das Landwirtschaftsministerium die Forschung. Frau Krautwald-Junghanns war übrigens 2009 durch ihre wichtige Studie „Indikatoren einer tiergerechten Mast­putenhaltung“ bekannt geworden – unter anderem war ein erschütterndes Ergebnis, dass die Schlachtputen an entzündeten Fußballen litten – und zwar alle! - ein Großteil unter tiefen Geschwüren! Daran hat sich bis heute leider so gut wie nichts geändert.
 

  1. Staatliches Tierschutzlabel:

      Teurer Bluff!

 

Mit Spannung warteten viele Journalisten, was Schmidt bei seinem Presserundgang zum geplanten staatlichen Tierschutzlabel sagen würde. Er sagte nichts Konkretes. Klar ist nur, dass es freiwillig sein wird und ausschließlich für Frischfleischprodukte gelten soll, nicht für verarbeitetes Fleisch. Auch Tiere, deren Produkte für den Export gedacht sind, werden nicht profitieren, das Label ist nur für inländische Produkte vorgesehen.

Unter dem Strich werden maximal 20% der Tiere von geringfügig besseren Haltungsbedingungen profitieren. Wie diese aussehen werden, bleibt noch völlig im Vagen – es ist allerdings zu erwarten, dass sie viel zu kläglich ausfallen werden. Die übrigen 80% der „Nutztiere“ werden weiterhin im übelsten Elend dahinvegetieren. Trotzdem, eins scheint sicher zu sein: 17 Millionen Euro stellt das Ministerium für die Bewerbung dieses nutzlosen Siegels bereit! Das ganze Projekt empfinde ich als Betrug an den Tieren und allen Verbrauchern, die artgerechte Haltungsbedingungen einfordern – und das ist die große Mehrheit der Bevölkerung! Das Landwirtschaftsministerium, zu dem der Tierschutz gehört, ist schließlich dazu da, durch Verordnungen für die Verwirklichung des Tierschutzgesetzes zu sorgen, anstatt die Verbraucher mit Werbebluff an der Nase herumzuführen!       K. Ulich

 

Stallpflicht:

FLI noch immer auf dem Holzweg

 

Am 20. Dezember 2016 wurde das Ergebnis einer UN-Studie, die von einer Task Force der FAO und  des UN-Umweltprogramms erarbeitet wurde, veröffentlicht. Die Experten stellten fest, dass die Pro­duktionsmethoden und Handelsstrukturen der globalisierten Geflügel-Industrie die Ursache für die Ge­flügelpest-Ausbrüche mit hoch pathogenen Viren seien. Auch die Experten des Wissenschaftsforums Aviäre Influenza (siehe: http://www.wai.netzwerk-phoenix.net/ ) zeigen seit Jahren durch ihre umfas­senden Recherchen die plausiblen Verbreitungswege auf. Das Problem ließe sich nur in den Griff be­kommen, wenn konsequent die Massentierhaltungen und die gehandelten Geflügelprodukte und Kü­ken untersucht würden.

Das alles interessiert Deutschlands Seuchenwächter im Friedrich-Löffler-Institut nicht im Geringsten. Schon seit Jahren beharren sie auf der längst widerlegten Theorie, Wildvögel wären an der Verbrei­tung schuld. Deshalb herrscht seit November in den meisten Bundesländern immer noch Stallpflicht wegen der Geflügelpest-Ausbrüche mit dem hoch pathogenen Virustyp H5N8.

Obwohl das FLI für die Bewertung der Seuchenlage zuständig ist, ignoriert es weiterhin die Ausbruchsquellen und bestimmt damit die fehlgeleitete Politik.

Eine Handvoll gigantisch großer Konzerne steuert den weltweiten Geflügelhandel. Küken, Geflügel­produkte und –abfälle werden rund um den Globus im- und exportiert. Die Produkte und deren Wege  werden auf Geflügelpesterreger kaum kontrolliert, so dass die Viren lange zirkulieren können, bevor eine Infektion nachgewiesen wird. Die Massentierhalter können selbst bestimmen, wann sie Proben auf die Viren untersuchen lassen. Meistens tun sie es erst dann, wenn ein hoher Prozentsatz der Tiere im Stall krank oder tot ist. Oder, wenn die Preise wegen Überproduktion so schlecht sind, dass es wirtschaftlicher ist, wenn der Bestand wegen des Auffindens selbst gering pathogener Viren gekeult wird und die Seuchenkasse den Verlust bezahlt. Vorher jedoch geraten Mist und Kadaver in die Umwelt, auf Äcker und mit dem Regenwasser in Teiche, Seen und Fließgewässer. Bei den vielen Transporten auf Lastwagen gehen infizierte Federn verloren und gefährden auch auf diesem Weg Wildvögel. Die häufig betroffenen Park- und Zoovögel werden mit Küken, Fischprodukten oder anderen Lebensmittelresten gefüttert, die Viren tragen können. So weit hätte es nie kommen dürfen und auch nicht müssen!

Verschließt das FLI die Augen vor der Realität deshalb, weil die Nähe zur mächtigen Geflügel-Indus­trie zu groß ist?

Freilandhaltungen sind die wehrlosen Opfer dieser Misere. Sie sind ja auch eine unerwünschte Kon­kurrenz, die mit der Stallpflicht zunehmend ausgerottet werden kann. Gerade jetzt, wo nach 12 Wo­chen Stallpflicht die Eier als billige Eier aus Bodenhaltung verkauft werden müssen, geht es an die Existenz der Betriebe.

Ich halte diese Klientel-Politik im Sinne der Konzerne für unverantwortlich und mafiös. Stallpflicht ist unsinnig, weil das Ansteckungsrisiko durch einen in den Hühnerhof fliegenden infizierten wilden Was­servogel zu vernachlässigen ist. Infizierte Wildvögel sind schwerkrank oder tot, bei lebenden findet man den  hoch pathogenen Erreger H5N8 nicht.

Wir fordern seit mehr als 10 Jahren nachdrücklich die Abschaffung der Stallpflicht und die konsequen­te Testung der Großbestände und des internationalen Handels. Statt sie mit der Stallpflicht zu ruinie­ren, wäre staatliche Förderung ehrlicher Freilandhaltung mit übersichtlichen Tierzahlen, Küken aus regionaler Zucht oder eigener Züchtung, und die Verwendung von regionalem Futter der richtige Weg.                                                           Karin Ulich

 

 

 

Tierschutztagung der

Evangelischen Akademie Bad Boll

„Chancen für mehr Tierschutz?“

 

Zum Abschluss der diesjährigen Tagung wurde der Resolutionsantrag des Workshops 3: „Möglichkeiten und Grenzen des Engagements für mehr Tierschutz - Politik, Justiz, Vollzug“ diskutiert und mit überwältigender Mehrheit der Anwesenden in folgender Form beschlossen:

Resolution

 

Die Mehrheit der Teilnehmer an der Tagung "Chancen für mehr Tierschutz?" an der Evangelischen Akademie Bad Boll, 3.-5. März 2017, fordert die Bundesregierung auf, folgende Vorschläge aus dem Gutachten "Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung" des Wissenschaftlichen Bei­rats für Agrarpolitik beim BMEL möglichst umgehend umzusetzen:

Ò      Zugang aller Nutztiere zu verschiedenen Klimazonen, vorzugsweise Außenklima,

Ò      Angebot unterschiedlicher Funktionsbereiche mit verschiedenen Bodenbelägen,  

Ò      Angebot von Einrichtungen, Stoffen und Reizen zur artgemäßen Beschäftigung, Nahrungsaufnahme und Körperpflege,

Ò      Angebot von ausreichend Platz,

Ò      Verzicht auf Amputationen.

 

Das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Landwirtschaftsministeriums war vom Ministerium selbst in Auftrag gegeben worden und wurde vor zwei Jahren veröffentlicht. Es fordert nachdrücklich eine Agrarwende ein, unter anderem mehr Tierschutz. Die oben aufgeführten Punkte sind aus dem Gutachten zitiert. Bisher hat Minister Schmidt es ignoriert und politische Entscheidungen getroffen, die den Forderungen der Gutachter zuwider laufen. Damit schadet er massiv den Interessen der Bürger. Schmidt muss endlich seine Hausaufgaben machen – besser noch: zurück treten!                         K. Ulich                                        

 

Nachruf

 

Edgar Guhde, Mitbegründer des 1990 gegründeten Politischen Arbeitskreises für Tierrechte in Europa – PAKT - ist nach schwerer Krankheit verstorben. Wir sind tief betroffen. Nur wenige Tierschützer haben jahrzehntelang so beharrlich an der Aufklärung über die Missstände im Umgang und in der Haltung von Tieren in unserer Gesellschaft besonders auch bei Schülern und Politikern gewirkt. Mit großem Fach­wis­sen und sachlicher Freundlichkeit hat Guhde den Kontakt zu den verantwortlichen Politikern ge­pflegt und sich für eine ethisch verantwortbare Um­setzung des Tierschutzrechts eingesetzt. Hilfsbereit und selbstlos hat Guhde stets konstruktiv mit ande­ren Tierschützern und Tierschutzvereinen zusam­men­gearbeitet. Wir werden ihn sehr vermissen.

Karin und Ernst Ulich

im Namen des Tier-&-Mensch-Vorstands

 

 

 

Tier & Mensch unterstützt gerettete Kühe

 

Ende Mai 2016 erfuhr die überaus engagierte Tierärztin Nicole Tschierse (Augsburg) von einer ver­wahrlosten Rinderherde, die geschlachtet werden sollte, weil der Hof aufgelöst werden musste. Als Nicole Tschierse davon erfuhr, waren 12 tragende Kühe schon geschlachtet, eine davon war mit Zwillingen trächtig. Sie setzte alle Hebel in Bewegung, um die übrigen zwei Bullen und 11 Kühe zu kaufen. Sie waren ebenfalls trächtig. Mit eiligen Rettungsaktionen ist sie sehr erfahren! Schon vor Jah­ren hatte Tschierse den Verein „Weil Tiere lieber leben e.V.“ und einen Lebenshof für gerettete Tiere gegründet.

Auch für die Tiere aus dieser Hofauflösung fand sie Platz auf dem sehr schönen Hof im Huns­rück. „Weil Tiere lieber leben e.V.“ hatte ihn zusammen mit dem Verein „White Paw Organisation e.V.“ für ihre vielen Gnadentiere erworben. Doch das Geld zum Freikauf und für die Versorgung der Kühe mit ihren Kälbern fehlte noch! Über ihren Notruf im Internet wurden wir aufmerksam und sicherten monatlich 50,-€ zu als Unterstützung zu. Wir freuen uns, damit einen kleinen Beitrag leisten zu können, dass den Rindern ein erfülltes, sorgenfreies Leben ermöglicht werden kann!

Überzeugt Euch selbst im Internet: https://www.lebenshof-wildehilde.de/

 

 

Buchvorstellung

 

„Ökoroutine – damit wir tun, was wir für richtig halten“ von Michael Kopatz

Bei der Tierschutztagung in Bad Boll hatte ich Gelegenheit, einen großartigen Vortrag zum Thema von Herrn Kopatz persönlich zu hören – keine Frage, sofort kaufte ich sein Buch und möchte es jedem empfehlen, der sich Gedanken über die Zukunftsfähigkeit unserer Erde macht. Sein Buch bietet Aus­wege und Lösungsmöglichkeiten an. Ermutigend sind besonders zahlreiche positive Beispiele aus den vergangenen Jahren. Die Politik ist besonders angesprochen!                                                K. Ulich

 

 „Tiere denken: Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen“ von Richard David Precht. Über einen großen Bogen von der Evolution und Verhaltensforschung über Religion und Philosophie bis zur Rechtsprechung und zu unserem Verhalten im Alltag kommt Precht zu der Frage zum richtigen Umgang mit Tieren. „Ich hoffe, mit meinem Buch möglichst vielen Menschen Impulse zu geben, neu über das Verhältnis zwischen Menschen und Tieren nachzudenken.“

 


 

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