Mais anstelle von Weidekühen - Kritik an Politik

 

Der folgende Brief  (s. unten) ging bereits im Sommer 2012 an die Bayerische Staatsregierung. In der Antwort wurden wir mit Weideprämie und Kulturlandprogramm beschwichtigt. Tatsache ist jedoch, dass seither die Weidetiere immer weniger und die Maisfelder mehr wurden. Die europaweite Beendigung der Milchkontingentierung hat zu einem selbst zerstörerischen Prozess geführt: Viele Bauern setzen auf neue Großställe und Hochleistungskühe, um die Schulden abzahlen zu können. Wie es den Bauern und Kühen dabei geht, zeigt eine ausgezeichnete Recherche von ARD / SWR, gesendet am Montag, 23.07.2015. Hier finden Sie den Film: http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/videosextern/verheizt-fuer-billige-milch-das-leiden-der-deutschen-turbokuehe-fsk-12-100.html Damit steigt das bereits bestehende Überangebot weiter an und der Milchpreis sinkt – die Investoren sitzen mit ihren kranken Kühen in der Insolvenzfalle. Landwirtschaftsschulen und die Landwirtschaftsberater des Bauernverbandes stört das nicht: Banken und Industrie (unter anderem Pharma- und Futtermittelindustrie machen trotzdem ihre Geschäfte

 

Dieses Schreiben ging 2012 an die Bayerische Staatsregierung:

 

„Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Wir Unterzeichner dieses Schreibens haben zu verschiedenen Zeiten den Altmühl- und z.T. auch den Donauradweg zwischen Rothenburg und Regensburg gemacht (ca. 35o km). Wir stellten folgendes fest: Die Radwege sind überwiegend sehr gut beschaffen und sehr gut beschildert. Es gibt genügend Übernachtungsangebote, die wir als sehr zufriedenstellend erfahren haben. Man tourt auch durch schöne Landschaften; aber sie sind tot. Auf vielen, riesigen Wiesenflächen waren insgesamt nur eine bis zwei Kuhherden zu sehen, keine Kälber, nicht einmal Jungrinder, geschweige denn ein Schwein. Wobei es viele von ihnen geben muss, denn wir sahen unzählige Kuh- und Schweineställe. Ihre Bewohner sind - so wie es aussieht - lebenslänglich eingesperrt, oft angebunden, auf engstem Raum, auf hartem Boden im Dunkeln. Sie sehen nie die Sonne, spüren nie den Regen, können sich oft nie bequem hinlegen, ausstrecken oder bewegen. So ist es bei den meisten Nutztieren üblich.  Diese Feststellungen sind bedauerlich, dämpfen die Urlaubsfreude und bedrücken uns.

Was uns auch negativ auffiel, sind die vielen, monotonen, riesigen Maisfelder, die, wie jeder weiß, bodenzerstörend, grundwasserschädlich und für Insekten wertlos sind. Positiv zu bewerten sind die Brachen mit den schönen Wildblumen. In dieser Region gibt es auch viel Getreideanbau. Leider sahen wir nur ganz wenige Getreidefelder, in denen Wildkräuter dazwischen oder an den Ackerrandstreifen wachsen dürfen. Der überwiegende Teil der Getreidefelder war "sauber", d.h. jedes Wildkraut ist chemisch ausgemerzt. Das wirkt sich u.a. ungünstig auf Wildtiere aus: Man sah kaum Schmetterlinge und nur wenige Feldlerchen waren zu sehen oder zu hören. Der Feldhamster ist in vielen deutschen Regionen nahezu ausgestorben. Wegen dieser, für uns belastenden Erfahrungen, möchten wir in dieser Region keinen Urlaub mehr machen.

Bedenken Sie bitte, dass sich viele Menschen (insbesondere Kinder) freuen, Tiere zu sehen, auch die sog. Nutztiere. Dies erwartet doch der Urlauber vom "Bauernland Bayern".

Wie sehen Sie diese negative landwirtschaftlich Entwicklung?

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Helga und Hermann Semrau

Hedi Hölz

Renate Böhme

Karin Ulich“

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