Pressemitteilung

 

15.Mai 2012

 

Emnid-Umfrage: Was interessiert die Verbraucher an der Landwirtschaft?

 

Das Ergebnis der vom Bauernverband in Auftrag gegebenen Meinungsumfrage zeigt klar: Die Deutschen wol­len nicht länger durch irreführende Werbung für dumm verkauft wer­den und lehnen tierquälerische Mas­sen­tierhaltung ab. Neben einem verantwortungsvollen Um­gang mit den Tieren legen sie großen Wert auf Qua­lität, Regionalität und Transparenz. Auch Umweltschutz und Biologischer Landbau sind den Menschen sehr wichtig. Zwar wird den Bauern Sympathie und Verständnis für die Schwierigkeiten in ihrem Arbeitsalltag entge­gen­gebracht. Doch viele der Befragten sehen ihre Erwartungen in die Landwirtschaft nicht erfüllt.

 

Das wundert die Vorsitzende des Vereins Tier & Mensch, Karin Ulich, nicht: „Die Agrar-Industrie treibt mit Hil­fe der Politik den Strukturwandel auf unverantwortliche Weise voran. Man täuscht den Ve­rbrau­chern eine heile Welt vor und die fatalen Folgen der industriellen Tier-Produk­tion werden vertuscht.“ Die Tierärztin weist darauf hin, dass Rechtsbrüche nicht ge­ahn­det werden, jedoch an der Tagesordnung sind. Denn die krank gezüchteten Tiere werden in nicht artgerechte Systeme eingepasst, indem sie unter anderem illegal an Schnäbeln und Schwänzen ver­stüm­melt werden. „Von den Behörden, dem Bauernverband und der Po­litik wird stillschweigend tole­riert, dass kranke Tiere das Ergebnis sind, wie zum Beispiel die Geschwüre an den Füßen fast aller Masthühner und Puten zeigen.“ Die Massentierhaltungen sind im übrigen als Brutstät­ten zahlloser Infektionskrankheiten der Tiere längst zu einer akuten Gefahr für die Gesellschaft geworden – man denke an Lebensmittel­ver­giftungen,  Anti­bioti­ka­resistenzen und zahllose weitere Skandale.

Die Gesellschaft hat diese Fehlentwicklung erkannt und lehnt sie ab. Sie fordert bäuerliche Land­wirtschaft, nicht das Diktat der Agrarindustrie. Ist es Technikfeindlichkeit, wenn nicht geduldet wird, dass Technisie­rung so weit getrieben wird, dass Gesetze und sogar die Gesundheit auf der Strecke blei­ben?

Bauernpräsident Sonnleitner und Emnid-Chef Schöppner kritisieren den Verbraucherwillen als „romanti­sie­rend“ und unrealistisch. Sie wollen den Bürgern weiß machen, dass die Technisierung der Landwirtschaft eine Notwendigkeit in einer globalen Wirtschaftswelt sei. Ein realistisches Bild der „moder­nen Landwirt­schaft“ wird von dieser Seite allerdings nicht zu erwarten sein. Denn Sonnleitner steuert die rück­sichtslose Um­wandlung der bäuerlichen Landwirtschaft in eine Tier und Mensch verachtende Profit-Maschinerie als knallharter Vertreter der mächtigen Agrar-Lobby maß­geblich mit. Wer zweifelt, kann nach­schauen, wer hin­ter der „Fördergemeinschaft für nachhaltige Landwirtschaft“ steckt, deren Vorsitzender er ist - und was sie an „Informationsschriften“ herausgibt!

Leider unterwirft sich Landwirtschaftsministerin Aigner dem Diktat der Konzerne. Und so wird auch weiter­hin der Bau hunderter riesiger Ställe für Tausende von Tieren subventioniert, trotz der verhee­renden Folgen für Mensch, Tier und Umwelt. Dagegen wurde die staatliche Förderung im Biosektor derma­ßen gekürzt, dass er nicht mit der steigenden Nachfrage wachsen kann und  weitgehend dem Ausland überlassen wird.

 

Eine Agrarwende ist bitter nötig und bei entsprechendem politischem Willen realisierbar.

 

Doch mit Ministerin Aigner ist eine Neuausrichtung der Landwirtschaftspolitik nicht denkbar. Ulich stellt dazu fest: „Sie hat jahrelang tatkräftig eine nicht akzeptable Politik betrieben. Skandale sind meist durch enga­gierte Bürger ans Licht gekommen.“

Die Ursachen der Missstände müssten durch Haltungsvorschriften, die den Bedürfnissen der Tiere ge­recht werden, an der Wurzel gepackt werden. Die Verbraucher haben ein uneinge­schränk­tes Recht, über den Ursprung besonders der Tierprodukte ehrlich informiert zu werden. Neben Amts­tier­ärzten soll­ten daher auch Vertreter anerkannter Tierschutzverbände ein Recht bekommen, Ställe zu inspizie­ren, denn nur so ließe sich Transparenz verwirklichen. Unabhängige Kontrollen vom Stall bis zu den Schlachtstätten müssten endlich gewährleistet werden.

 

Karin Ulich sieht nur einen Ausweg: „Die Bürger verlangen eine Neuausrichtung der Landwirtschaft. Es wird Zeit, dass Frau Aigner zurücktritt.“


 

 

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