Ramschmilch von Wegwerfkühen

 

Nicht für uns, sondern für ihr Kalb wird im Euter der Kuh Milch gebildet. In unserem irrwitzigen Landwirtschaftssystem kann es trotz gigantischer Überschüsse nicht genug sein, was man zum Zwecke des mensch­lichen Verbrauchs aus einer Kuh heraus­quetscht. Akribisch forschen Züchter und Tierernährungsspezialisten, was getan wer­den kann, um die „Leistung“ der Kühe weiter zu stei­gern, obwohl sie jetzt schon doppelt bis dreimal so viel Milch produziert, als vor 50 Jahren. Das geht nur mit Zufütterung großer Getreide­mengen, darunter meist gen­manipu­liertes Soja aus Südamerika. So hat man es ge­schafft, sie zum Nahrungskonkurrenten der Menschen zu ma­chen. Das Gras als Grundfutter wird gewis­serma­ßen durch Silie­rung „vorverdaut“. Die Weide bleibt den mei­sten Kühen verwehrt: Das Leben findet angebun­den oder im zu engen Laufstall statt, dem die Kühe durch Hornamputation angepasst wer­den. Im schönen Bayernland haben trotz der Mög­lichkeit, eine Weide­prämie zu beantragen, nur noch 20% der Kühe die Möglichkeit, zu weiden. Der Anreiz reicht offenbar nicht aus, zumal auch durch den Biosprit-Boom die Flächen knapp und teuer geworden sind. Eine artgerechte Hal­tung und Ernährung der Kühe ist ohne Weide und Heu jedoch nicht möglich. Der Stoffwech­sel braucht die Basis der Rohfaser, damit die Kuh gesund bleibt. Sie wird krank und tritt heute bereits nach vier Jahren den Leidens­weg zum Schlachthaus an. Ihre natürliche Le­bens­er­wartung liegt dagegen bei 20 Jahren!

Ihre Kälber, die jährlich geboren werden, damit Mama Milch produziert, werden von ihr getrennt und über Tierhändler und Auktionen zumeist an industrielle Mastanlagen verkauft.

Der von marktbeherrschenden Molkereien und Supermarktketten ausgehandelte Milch­preis ist lä­cherlich gering. Mit viel Werbung werden den Ver­brauchern immer neue Produkte schmackhaft ge­macht. Die Gesundheits­gefahren werden ver­schwie­­gen. Dankens­wer­ter­wei­se wagte sich Ende Juli der NDR mit dem Do­kumentarfilm „Die Milch­lüge“ an das heikle Thema (s.unten!).

Was nicht in Deutschland verscherbelt wird, geht hoch subventioniert ins Ausland, unter anderem nach Afrika, wo die heimischen Bauern und Mol­kereien in den Ruin getrieben werden, wie auch viele deutsche Bauern in diesem Preiskampf nicht bestehen können.

Die Großmolkerei FrieslandCampina hat den Verbraucherwunsch nach Weidemilch erkannt und stellt im Rahmen seiner Nachhaltigkeits­agenda 54 Millionen € von 2012 bis 2014 holländischen Vertrags­bauern als Weideprä­mie zur Verfügung. Mit diesem Geld wird pro 100 Liter Weidemilch ein Bonus von 50 c gezahlt. Bedingung: Täglich min­destens 6 Stunden Weidegang an mindestens 120 Tagen im Jahr.                                    Karin Ulich

 

zurück