Rettet die Hennen! 

In ihrem großartigen, bewegenden Buch „Von einer, die auszog...“ beschreibt Hilal Sezgin, wie sie entdeckte, dass nach dem Einfangen der „aus­ge­dienten“ Legehennen einer großen Hennen-Bo­denhaltung in ihrer Nachbarschaft vergessene Tie­re verängstigt in Winkeln kauerten. Was pas­siert mit denen? fragte sie und erfuhr, sie würden beim Ausmisten getötet. In einer Eilaktion sorgte Hilal Sezgin für helfende Freunde, einen Trans­portkäfig, eine neue Unterkunft auf ihrem Grund­stück und rettete die etwa zehn Hühner. Das tat sie künftig jedes Mal, wenn der Stall – etwa alle ein­einhalb Jahre – leer geräumt wurde, um Platz für Junghennen zu schaffen.                                           

Auch andere Menschen retten immer wieder einige Hennen, weil sie nicht ertragen können, dass die sensiblen, sozialen Hennen schon im Alter von zwei Jahren ausgelaugt und als Weg­werfware abtransportiert und bestenfalls noch als Suppenhühner billig verscherbelt oder in Tierfutter verarbeitet werden. Ein Großteil landet übrigens in Biogasanlagen, weil keiner sie essen mag.

In England hat Jane Howorth aus Devon ihr Entsetzen über den grausamen Umgang mit den Hennen in eine bemerkenswerte Tatkraft umge­setzt: Im Rahmen des von ihr gegründeten briti­schen Hühnerschutzvereins, des „British Hen Welfare Trust“, vermittelt sie zum Schlachten vorgese­hene Tiere an Privatleute, die sie artge­recht in ihren Gär­ten halten und liebevoll pflegen wollen. Ange­fangen hat sie mit der Henne „Vicky“, die sie ge­sund pflegte und bei sich leben ließ. 1995 holte sie die ersten 36 Käfighennen vor ihrer Ausstallung aus einer Batteriehaltung – ihrem Mann hatte sie zuvor versprochen, nur höchstens 12 Hennen mitzubringen. Das Mitgefühl mit den Tieren ließ sie nicht ruhen: Im Jahr 2003 schaltete sie eine An­zeige in der Lokalzeitung, um gute Plätze für wei­te­re Hennen bei Privatleuten zu finden. Der Text lautete:

„Hundert Legebatteriehühner suchen ein neues Zuhause. Sie haben nie Gras geschmeckt, nie Sonne auf dem Gefieder gespürt. Wenn Sie ihnen ein Heim bieten können – bitte melden“ Sie fand genügend Retter. Inzwischen hat ihr Verein mit nunmehr zwölf Mitarbeitern  bereits für 310 000 Hennen in eine lebenswerte Zukunft vermittelt!

Auch in Deutschland entwickelte sich auf der Basis der Website  www.rettetdashuhn.de   eine engagierte Initiative zur Vermittlung von Legehen­nen, die geschlachtet werden sollen. Sie wurde von Katja Tiepelmann aus dem Sauerland gegründet, die nicht tatenlos zusehen konnte, wie eine Käfighaltung in ihrer Nähe ausgeräumt wur­de. Das war 2007.  Bald schlossen sich ihr Martina Krebs aus der Hamburger Gegend an, die Sauerländer Hennen nach Norddeutschland weitervermittelte. Zu einem größeren Netzwerk wurde „Rettet-das-Huhn“, als aus Bayern erst Elisabeth Lechner, Bad Tölz, und kürzlich Tanja Hess und Volker Knerr dazu kamen. Seit 2008 konnte schon für mehr als 11 000 Hennen die Chance auf eine „lebenswerte Zukunft“ verwirklicht werden und alle Beteiligten hoffen, das Netzwerk stetig weiter ausbauen zu können.

Angesichts der 27 000 Hennen, die stündlich unter Qualen auf dem Mega-Schlachthof in Wietze am Fließband sterben, zitieren die Hühnerretter fol­gen­de tröstende Worte:

„Ein Tier zu retten verändert nicht die ganze Welt, aber die ganze Welt ändert sich für das gerettete Tier.“                                                        Karin Ulich

 

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